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Demo-Veranstalter distanzieren sich von Parolen

12.01.2009 21:00 Uhr

2000 Menschen, vor allem Türken, aber auch Araber und einige Deutsche, gingen am Samstag in Augsburg auf die Straße. „Stoppt das Blutvergießen“ war die Veranstaltung gegen Krieg in Gaza überschrieben, die der Dachverband Türkischer Vereine Augsburg (DTA), unterstützt vom Ausländerbeirat der Stadt Augsburg, organisiert hatte. Vielen missfiel die Art der Demonstration: Es gab zwar auch neutral gehaltene Plakate, aber viele Transparente und Parolen waren stark antiisraelisch. Von „Terrorist Israel“ war die Rede, auf einem Plakat wurde der Holocaust-Vergleich gezogen; Kinder trugen einen Sarg. Die Demo wirkte auf Beobachter einseitig. Viele Parolen verstanden Deutsche gar nicht, weil sie auf Türkisch oder Arabisch skandiert wurden.

„Das ist schiefgegangen“, räumte Ali Öztürk, Vorsitzender des DTA, gestern im Gespräch mit unserer Zeitung ein. Auch Nazim Kücük, Vorsitzender des Ausländerbeirates, hatte sich die Demonstration, wie er sagt, anders vorgestellt. „Man hätte stärker durchgreifen müssen.“

Schon vor Beginn des Zuges auf dem Plärrer mussten die 30 Ordner des DTA Teilnehmern Plakate abnehmen. Sie griffen auch ein, als Demonstranten auf einen Mann losgehen wollten, der eine Israel-Fahne schwenkte. Man habe eng mit der Polizei zusammengearbeitet. Als Kücük Leute aufforderte, ein Holocaust-Plakat zu entfernen, weigerten diese sich mit Verweis auf die Meinungsfreiheit, berichtet er.

Der Ausländerbeirat hatte laut Öztürk den Dachverband gebeten, die Demo zu veranstalten. „Wir haben 60 Anrufe bekommen, dass die Leute demonstrieren wollen“, so Kücük. Man informierte die 17 Vereine, die zum DTA gehören. Auch in den Freitagsgebeten wurde zur Kundgebung aufgerufen - mit der Aufforderung, antisemitische und antiisraelische Parolen zu vermeiden. Selber fertigte der DTA neutrale Transparente wie „Frieden für alle“ an. „Wir wollten ein Zeichen setzen gegen Blutvergießen auf beiden Seiten.“ Auch die israelitische Kultusgemeinde habe man zur Teilnahme eingeladen.

Überrascht von der Masse und der Ausrichtung

Gerechnet wurde mit 1000 Leuten, 2000 kamen. „Wir haben mit Kundgebungen nicht viel Erfahrung“, so Kücük. Man habe weder die Masse noch die antiisraelische Ausrichtung erwartet. In der Tat hat der Dachverband erst einmal eine Demo veranstaltet, und zwar während der letzten Kurdenkonflikte in der Türkei.

Im aktuellen Fall seien viele dabei gewesen, die man nicht kannte. Skandiert wurden unter anderem Parolen wie „Kindermörder Israel“. „Von diesen Aussagen distanzieren wir uns. Die Leute sind emotional geladen. Wenn einer schreit, schreien alle mit“, so Öztürk. Sowohl Ausländerbeirat als auch DTA betonen, sie würden auch eine Kundgebung gegen Anschläge muslimischer Fundamentalisten veranstalten.

Robert Vogl (städtischer Integrationsbeauftragter, Geschäftsstelle des Ausländerbeirats) war in die Entscheidung, wie er sagt, nicht eingebunden und auch nicht bei der Demo. Er hatte Urlaub.



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