Geschäftsidee mit Köpfchen
11.03.2010 21:45 UhrVon Nicole Prestle
Um ein Unternehmen zu gründen, braucht man Köpfchen. Manchmal auch mehrere. 500 waren es bei Gabriele Bürger - importiert aus Asien. Vor zehn Jahren entdeckte die Friseurmeisterin in einem Versandkatalog aus Hongkong einen Trainingskopf, wie er in der Ausbildung von Friseuren verwendet wird. Weil sie in Mutterschutz war, sich aber nicht von ihrem Mann abhängig machen wollte, stellte sie sich auf eigene Beine.
Bürger gab eine Großbestellung ab, lagerte 500 Köpfe in ihrer Garage im Augsburger Süden, rief ehemalige Kollegen an. Im kleinen Stil brachte sie die Ware an den Mann. Heute lebt ihre ganze Familie von der Firma „L’Image“: 100 000 Trainingsköpfe jährlich gehen von Augsburg aus in die Welt - Tendenz steigend. „2009 hatten wir eine Zuwachsrate von 45 Prozent“, sagt Bürger. In Deutschland gebe es nur einen großen Mitbewerber.
Es kommt auch auf die Ohren und Nasen an
Hergestellt werden die Köpfe in China, an der Entwicklung sind die Augsburger beteiligt. An den Ohren zum Beispiel: Bürger schlug vor, sie beweglich zu machen. „So kann man die Haare wie beim Menschen hinter die Ohren streifen.“ An den Nasen zum Beispiel. „Asiaten nennen uns Europäer ,Langnasen‘. So sahen auch die ersten Köpfe aus. Erst als wir die Nase eines siebenjährigen Kindes als Modell vorgaben, entsprach das Ergebnis europäischen Maßstäben.“
Über 40 Trainingskopf-Modelle mit Echthaar gibt es insgesamt. Blonde, graue, schwarze, rote. Der „Rohstoff“ kommt größtenteils aus Indien. „Dort verkaufen viele Frauen ihr Haar oder opfern es.“ Europäisches Haar ist teurer, weil es weniger davon gibt: „Überall, wo Frauen mit dem Trend gehen und Kurzhaarfrisuren tragen, ist es schwer, an Echthaar zu kommen.“
Das Haar wird gewaschen, die äußerste Schicht in saurer Chlorlösung abgelöst, gefärbt und schließlich per Hand in Kunststoff gestochen - immer zwei bis drei Haare auf einmal. „Eine geübte Stecherin braucht für einen Kopf durchschnittlich zwei Tage.“ Am Ende wird das Kunststoffgesicht mit PU-Schaum gefüllt und bemalt - fertig ist der Trainingskopf, dessen Haar nun gefärbt, gewellt und geschnitten werden kann.
Der Weg zur eigenen Firma war für Gabriele Bürger manchmal beschwerlich: Berufliche Telefonate führte die Mutter anfangs vom Badezimmer aus; dem einzigen Ort, an den sie sich vor ihren Kindern zurückziehen konnte. Sie stand um vier Uhr morgens auf, um die Korrespondenz zu erledigen. Sie „tingelte“ von Bank zu Bank. „Als Frau mit zwei Babys müssen Sie erst mal einen Banker überzeugen, dass er Ihnen Geld gibt.“ Ihr ganzes Erspartes, 6000 Mark, hat Bürger in ihre Idee investiert, oft Geld „nachgebuttert“ - ohne zu wissen, ob die Firma funktionieren würde.
Sie hat funktioniert. Seit einigen Jahren hat Gabriele Bürger eine Lagerhalle in Haunstetten gemietet. Hier stapeln sich Kartons mit Trainingsköpfen. Firmen wie Wella und L’Oreal gehören zu den Großabnehmern, die Ware geht auch in Länder wie Kuwait, Dubai und Beirut. Dorthin werden die Trainingsköpfe bei Bedarf auch mit Kopftuch geliefert. „Wir sind zudem eine von nur fünf Firmen weltweit, die Köpfe für die Weltmeisterschaft des Zentralverbands der deutschen Friseure liefern dürfen“, sagt Bürger.
Auch für die Zukunft ist gesorgt: Sohn Danilo ist der PC-Spezialist, Tochter Adina macht gerade eine Friseurlehre, um danach einsteigen zu können.
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