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Israel-feindliche Parolen auf Protestmarsch

11.01.2009 21:45 Uhr

Zu einer Friedensdemonstration gegen den Krieg im Gazastreifen hatten der Ausländerbeirat der Stadt Augsburg und der Dachverband Türkischer Vereine in Augsburg (DTA) aufgerufen. Die Veranstaltung am Samstag hinterließ allerdings den Eindruck, als ob nur Israel für den Krieg verantwortlich wäre. An den Gegnern, der radikalislamischen Hamas, wurde jedenfalls keine Kritik geäußert.

Am Großen Exerzierplatz trafen sich am vergangenen Samstag nach Angaben der Polizei bis zu 1000 Teilnehmer, um von hier aus durch die Innenstadt zum Rathausplatz zu ziehen. Dort versammelten sich nach Behördenangaben dann bis zu 2000 Menschen. Wie Ali Öztürk, Vorsitzender des DTA, erläuterte, diene die Demonstration dem Ziel, das sofortige Ende der Kampfhandlungen von beiden Seiten im Gazastreifen zu erreichen, weil das Leid der unschuldigen Zivilbevölkerung aufhören müsse.

Gegen 13.45 Uhr setzte sich der überwiegend aus türkischen Teilnehmern bestehende Zug in Bewegung, um eine knappe Stunde später am Rathausplatz anzukommen. Dabei eindeutig im Vordergrund: Vorwürfe gegen Israel. Unter den mitgebrachten Flaggen dominierten optisch die türkische und die palästinensische, während die Parolen auf den Transparenten ein breites Spektrum von gemäßigt („Stoppt das Blutvergießen!“) bis radikal („Israel und USA = Kindermörder“) abdeckten.

Eine junge Türkin, als Palästinenserin verkleidet, gab mit ihrem Plakat zu erkennen, dass ihr „Herz für den Frieden“ schlägt, während andere Transparente mit extremistischen Parolen („Stop the Gaza Holocaust“, „Früher Opfer - heute Täter“) die millionenfache Ermordung europäischer Juden mit Israels Krieg im Gazastreifen in Verbindung zu bringen suchten. Neben dem auf Deutsch skandierten „Kindermörder Is-ra-el“ wurden während des Zuges überwiegend türkisch- und arabischsprachige Parolen gerufen.

Zu einer heiklen Situation kam es am Kennedyplatz. Ein junger Mann, der am Straßenrand die Israel-Flagge zeigte, löste heftige Reaktionen einzelner Demonstranten aus, die auf ihn losstürmten, aber besonnenere Teilnehmer und das Eingreifen der stark präsenten Polizeikräfte verhinderten eine Eskalation. Nach Angaben der Polizei war dies der einzige nennenswerte Zwischenfall.

Nazim Kücük, Vorsitzender des Ausländerbeirates, erhob auf dem Rathausplatz die Forderung, dass sich alle Politiker für eine friedliche Lösung des Konfliktes einsetzen sollten, weil jeder weitere Tote den Fundamentalisten in die Hände arbeiten würde.

Herbe Kritik an Veranstaltung

In einer Presseerklärung verurteilte der Augsburger Zusammenschluss gegen Antisemitismus und Antizionismus diese Demonstration, weil hierbei Israel verteufelt, der Holocaust relativiert und außerdem der Hamas Sympathie bekundet worden sei. Die Demonstration sei „offen antiisraelisch und antiamerikanisch“ gewesen. (ton)



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