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Katastrophenalarm in Augsburg

23.08.2005 12:48 Uhr

Von unserem Redaktionsmitglied Sascha Borowski

Land unter in Stadt und Landkreis Augsburg: Nach den anhaltenden Niederschlägen der vergangenen Tage hat sich auch in der Region die Hochwassersituation am Dienstag dramatisch verschärft. Die Stadt Augsburg löste Katastrophenalarm aus. Der Grund: Die Lechbrücke über die A8 drohte am Vormittag einzustürzen. Gegen 14.30 Uhr gaben Statiker jedoch verhalten Entwarnung: Vermutlich werde die neue Lechbrücke nicht umfallen, hieß es.

Die Lage bleibe trotzdem angespannt. Wenn am überlaufenden Forggensee weiter Wasser abgelassen wird, dann werde mit weiteren Lechwassermassen gerechnet.Die Bewohner von Firnhaberau und Hammerschmiede wurden aufgefordert, sich auf mögliche Evakuierungen einzustellen.

350 Feuerwehrleute und Helfer von Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk (THW) warem am Dienstagvormittag allein im Stadtgebiet Augsburg im Einsatz. Entlang der Wertach wurden die Deiche verstärkt und erhöht. Der Wasserstand an der Wertach stieg dabei weiter an. Der Scheitelpunkt wurde laut Dr. Andreas Graber von der Berufsfeuerwehr für etwa 19 Uhr erwartet­ später als zunächst angenommen. Nachdem die Wasserwirtschaftsämter in der Nacht zum Dienstag einen Höhepunkt für den Morgen vorhergesagt hatten, trat um 3.45 Uhr die Führungsgruppe Katastrophenschutz zusammen.

Es war nicht zu früh. Denn schon um 7.45 Uhr spitze sich die Lage in Augsburg plötzlich dramatisch zu. An der Baustelle der neuen Lechbrücke über die A 8 stürzte in den Wassermassen ein Kran um und beschädigte den Brückenneubau. Sollte dieser einstürzen wäre auch die alte, ohnehin bereits marode Brücke akut vom Einsturz bedroht. Polizei und Feuerwehr zogen wenig später die Konsequenzen. Die Lechbrücke wurde komplett für den Verkehr gesperrt, Evakuierungen begannen. „Wir haben sofort alle Autofahrer, die schon Richtung Brücke eingefahren waren, aus dem Gefahrenbereich geholt”, berichtete Polizeichef Klaus Waltrich. Auch etliche Schaulustige mussten laut Waltrich vertrieben werden. „Wenn die Brücke einstürzt, sind Neugierige in akuter Lebensgefahr.”

Über Lautsprecherdurchsagen vorgewarnt wurden daneben auch die Bewohner von Hammerschmiede und Firnhaberau. Sollten die Brücken einstürzen und in den Lech fallen, so die große Befürchtung, könnte sich der Lech an diese Stelle anstauen­ und letztlich über die Ufer treten. Davon wären dann möglicherweise auch Teile von Oberhausen und dem südlichen Gersthofen betroffen. Die Feuerwehr rief die Bewohner in den betroffenen Gebieten auf, die örtlichen Radiosender eingeschaltet zu lassen und auf aktuelle Warnungen zu achten.

Die nächste Hiobsbotschaft erreichte die Katastrophenschützer ebenfalls am Vormittag. Bei der Behelfsbrücke an der Dieselbrücke besteht keine akute Einsturzgefahr mehr. Jedoch bleibt die Brücke nach Polizeiangaben bis Mittwoch gesperrt, weil zunächst ein Statiker das Bauwerk anschauen soll. Wegen der verschiedenen Sperrungen komme es im gesamten Großraum Augsburg derzeit zu erheblichen Staus und Behinderungen, so die Polizei. „Man kann den Leuten nur raten, möglichst zuhause zu bleiben und die weitere Entwicklung abzuwarten”, sagte Waltrich.

Rund 600 Helfer von Feuerwehren, Rotem Kreuz und Technischen Hilfswerk sind seit Montagabend auch im Landkreis Augsburg im Dauereinsatz. Der stellvertretende Landrat Max Strehle sprach von einer „dramatischen Entwicklung”, der es zu begegnen galt. In Diedorf, Fischach, Gesserthausen und Dinkelscherben mussten hunderte von Kellern ausgepumpt werden. B 300 und B 10 mussten gesperrt werden, an Schmutter und Zusam stiegen die Pegel zeitweise im Minutentakt.

In Ottmarshausen mussten Bewohner am späten Dienstagvormittag mit Booten aus ihren Häusern gerettet werden. Katastrophenalarm löste der Landkreis aber zunächst nicht aus. „Wir haben gesehen, dass die Lage örtlich mit den vorhandenen Kräften beherrschbar ist”, sagte Strehle am Dienstmittag auf einer Pressekonferenz in Augsburg. Dennoch werde man die Situation weiter verfolgen „und dem Gefahrenpotential anpassen.” Der stellvertretende Landrat sprach den Rettungskräften und vielen freiwilligen Helfern ein großes Lob aus. „Die Zusammenarbeit hat hervorragend funktioniert.”



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