Mammutprozess in Augsburg
Parkplatz-Sheriff Schifferer auf der Anklagebank
29.01.2010 21:24 UhrAm Montag beginnt vor dem Landgericht der Showdown. Ort des Geschehens ist der Sitzungssaal Nummer 130 des Strafjustizzentrums. Auf der Anklagebank sitzen Parkplatz-Sheriff Arthur Schifferer (30) und ein ehemaliger Helfer. Die Staatsanwaltschaft will den beiden nachweisen, dass sie Falschparker erpresst und genötigt haben.
Die Beobachter müssen sich auf einen Mammutprozess einstellen. 24 Verhandlungstage hat der Vorsitzende Richter Claus Pätzel bisher eingeplant. 160 Zeugen sind geladen. Viele von ihnen haben auf dem Privatparkplatz vor dem Ärztehaus neben der City-Galerie geparkt und wurden danach von Schifferer und seinen Helfern zur Kasse gebeten. Die Staatsanwaltschaft meint, dass der Parkplatzwächter dabei mehrfach übers Ziel hinaus geschossen sei, und listet in sieben Anklageschriften rund 100 Fälle auf. So soll er von einer Frau, die ihren Wagen nur ein oder zwei Minuten vor dem Ärztehaus abgestellt hatte, 480 Euro gefordert haben. Am Ende einigte man sich auf einen Betrag von 100 Euro, den die Falschparkerin sofort mittels EC-Karte beglich.
In einem anderen Fall soll es sogar eine Frau getroffen haben, die eigentlich die Orthopädiepraxis im Ärztehaus aufsuchen wollte. Weil die Praxis geschlossen hatte, so steht es in der Anklage, ging die Frau noch kurz in die City-Galerie. Dort wollte sie Geld abheben, sagt sie, um später in der Notaufnahme des Klinikums die zehn Euro Praxisgebühr bezahlen zu können. Schifferer legte dem Wagen der Frau offenbar dennoch eine „Parkkralle“ an und soll dann 140 Euro kassiert haben. Zur Sprache soll in dem Prozess auch ein Vorfall kommen, bei dem der umstrittene Park-Sheriff kurzzeitig ein Feuerwehrauto festkrallte. Und eine litauische Parksünderin soll er als „Scheiß Ausländerin“ beschimpft haben.
Arthur Schifferer sitzt seit Ende Oktober in Untersuchungshaft. In der Öffentlichkeit inszenierte er sich gern als strenger, unbeugsamer Sheriff. Die Haft habe ihm aber doch zugesetzt, sagen Menschen, die ihn seither gesehen haben. Nur einmal durfte Schifferer seit seiner Inhaftierung wieder die Luft der Freiheit schnuppern. Es wurde ihm gestattet, die Hochzeit seiner Mutter zu besuchen – für wenige Stunden, streng bewacht von Beamten.
Arthur Schifferer ist offenbar davon überzeugt, dass er korrekt gehandelt hat. Auch seine Anwälte wollen vor Gericht die Linie vertreten, dass seine Geldforderungen grundsätzlich berechtigt waren. Schifferer habe sich daher, so ihre Argumentation, nicht der Erpressung schuldig gemacht. Der Parkplatz-Sheriff will im Gerichtssaal offensichtlich eine juristische Streitmacht aufmarschieren lassen. Gleich vier Verteidiger, so heißt es, seien für ihn angekündigt. Jörg Heinzle
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