Retter auf vier Pfoten üben in Günzburg
08.02.2010 05:21 UhrVon Dieter März
Günzburg Da haben die Kunden vor dem Günzburger V-Markt am Samstag nicht schlecht gestaunt: Sie beobachteten den Aufmarsch der Rettungskräfte. Die Feuerwehr Günzburg kam mit einer Drehleiter, die Feuerwehr Großkötz und die Ulmer Rettungshundestaffel folgten. Ihr Ziel: das Abbruchgelände des V-Marktes. Es war ein besonderer Einsatz.
Die 1975 gegründete Rettungshundestaffel Ulm, eine Unterabteilung der Feuerwehr Ulm, hat ihr wöchentliches Training kurzfristig auf das Trümmergelände verlegt. Auf dem Trainingsgelände des Katastrophenschutzes Ulm Am Sandhaken kennen die Suchhunde zwischenzeitlich jeden Hohlraum, in dem sich Personen zur Auffindung verstecken könnten.
Für die Tiere wurde also eine neue Herausforderung geschaffen, so der stellvertretende Vorsitzende Tamás Lindenfeld aus Kötz. Um die Übung so realistisch wie möglich zu gestalten, stellte die Feuerwehr Günzburg ihre Drehleiter zur Verfügung, von deren Rettungskorb aus der Hundeführer seinen Suchhund auf das Gelände abseilte.
Der Hundeführer dirigiert dabei seinen Hund aus luftiger Höhe des Rettungskorbes. Damit die eingesetzten Vierbeiner, ein Australian Sheppard, ein weißer Schäferhund, ein Golden Retriever, ein Mudi und zwei Samojeden, auch ihre Erfolgserlebnisse hatten, stellten die Großkötzer Feuerwehrkommandanten Anton Lohr und Martin Reidinger aus der Jugendfeuerwehrgruppierung einige Jugendliche ab, die die Position der verschütteten Opfer einnahmen.
Zusätzlich wurden im momentan noch stehenden Gebäude weitere Jugendliche versteckt, die von den Hunden aufgespürt werden mussten. Die Manöverkritik ergab, dass alle eingesetzten Tiere die versteckten Opfer aufspürten und jeweils an den Hundeführer vermeldeten.
Der Aufgabenbereich der Rettungshunde ist vielseitig. Nach einer kompakten Ausbildung von Hundeführer und Hund, die zwei bis drei Jahre dauert, wird das Gespann auf die Kenntnisse geprüft. Diese Prüfung ist jährlich zu wiederholen. Um den Leistungsstandard zu halten, sind das gesamte Jahr über Trainingseinheiten erforderlich. Der Einsatz der Helfer ist ehrenamtlich, wobei alle weiteren Aufwendungen von jedem Einzelnen zu tragen sind.
Die Hunde sind im Privatbesitz. Sie klassifizieren sich in die Kategorien Flächensuchhunde, Trümmersuchhunde, Lawinensuchhunde, Wassersuchhunde, Leichensuchhunde und Mantrailingshunde, wobei manch ein Hund auch die Qualifikation für mehrere Kategorien besitzt. Hunde sind in der Lage, einen menschlichen Geruch noch bis zu einer Tiefe von neun Metern wahrzunehmen. Die Tiere sind so ausgebildet, dass sie zunächst nur die noch lebenden Verschütteten anzeigen, um eine sofortige Hilfe zu ermöglichen.
Dass der Bestand der Rettungshundestaffel Ulm keine Spielerei ist, beweisen zahlreiche Anforderungen der Polizei oder anderer Hilfsorganisationen. Erst im Dezember des vergangenen Jahres leistete die Rettungshundestaffel auch im bayerischen Bereich in Waldstetten Amtshilfe bei einer Vermisstensuche. Hilflose Personen, die in den vergangenen Jahren als vermisst galten, konnten von den Vierbeinern aufgefunden werden.
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