Eine Kirche der Armen und Opfer
08.02.2010 19:10 UhrUngerhausen „Im Hier und Jetzt wird gehandelt“, verdeutlichte Diözesan-Landvolkseelsorger Rainer Remmele beim 37. Unterallgäuer Landvolktag in Ungerhausen, bei dem das Feuer des II. Vatikanischen Konzils im Mittelpunkt stand. In der Kirche St. Johannes Baptist versammelten sich Landvolkmitglieder aus dem ganzen Landkreis. Bei der anschließenden Landvolkkundgebung im Gasthaus Adler griff Dr. Michael Mayr, Klinikseelsorger aus Augsburg, das Thema erneut auf und erinnerte an die Aufbruchstimmung in seiner Jugendzeit.
Die Frage, „In welcher Welt lebst Du denn?“, habe er sich schon häufiger gefallen lassen müssen, so Remmele. Schnell könne sich das Weltbild ändern und eine ganz andere Meinung Vorrang haben. Auch Papst Johannes XXIII. habe nach einer Antwort gesucht. Der Pontifex holte im Jahr 1962 unter dem Leitmotiv „Aggiornamento“ (italienisch für: Anpassung an heutige Verhältnisse) Bischöfe aus der ganzen Welt zusammen. „Nicht um das Leben zu versüßen, sondern den Menschen in der heutigen Kultur ein frisches Gesicht der Liebe Gottes zu zeigen“, erklärte der Seelsorger. „Im Heute“, fordert Remmele, „muss die Kirche dort sein, wo das Leben pulsiert“.
Im Anschluss begrüßte Landvolkvorsitzender Hans Mayer mit dem Augsburger Klinikseelsorger Dr. Michael Mayr einen Zeitzeugen des II. Vatikanischen Konzils. 1962 war Mayr als junger Student bei der Konzils-Eröffnung am 5. Oktober in Rom vor Ort. Er habe dort rund 2000 Bischöfe aus der ganzen Welt erlebt, die gebetet hatten.
Eine Kirche in der Welt und für die Welt
Mit einem lebendigen Vortrag wandte er sich an die Teilnehmer. „Sperrt den Geist nicht in die Flasche“, so Mayr, „sondern seht den Heiligen Geist als Lebendigmacher“. Noch vor dem Konzil habe die Kirche sich und ihre Mitglieder „vor der bösen Welt“ schützen wollen. Die Zeichen der Zeit für Menschenrechte und die Emanzipation der Frauen wurden erkannt. So sei das Leitmotiv „Unsere Kirche ist in der Welt und für die Welt“ entstanden.
Es fehlten auf schöne Worte greifbare Taten
Deutliche Worte fand er zur Ökumene: „Solange wir getrennte Kirchen haben, sind wir nicht vollkommen.“ Und er fügte hinzu: „Wir sind eine Kirche der Armen und der Opfer.“ Die Brücke zwischen Klerus und Volk hat arge Risse, betonte Elisabeth Mantlik vom Zentralkomitee der Deutschen Katholiken in Bonn. In diesem höchsten Laiengremium fehlten ihr „auf die schönen Worte die greifbaren Taten“. Seit dem Konzil hat sich in Sachen Ökumene viel bewegt, sagte Regionaldekan Martin Maurer. Nach einer derzeitigen Rückwärtsbewegung werde sich ein neuer Aufschwung durchsetzen. (jd)
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