Verantwortung an Bürger abgeben
08.02.2010 19:10 UhrVon Eva Büchele
Oberschönegg Gerhard Fäßler, Gemeinderat in Oberschönegg und Sprecher der Beinhart-Kicker, ist sauer. „Der Bürgermeister will sich vor der Verantwortung drücken“, mutmaßt er. Der Grund: Bei der nächsten Sitzung (Mittwoch, 10. Februar, ab 20 Uhr) sollen die Gemeinderäte abstimmen, ob sie die Entscheidung, ob eine Turn- und Festhalle gebaut werden soll, den Bürgern überlassen wollen, nämlich via Bürgerentscheid.
Fäßlers Befürchtung: „Die Gemeinde Oberschönegg besteht aus drei Ortsteilen - und Weinried und Dietershofen interessieren sich nicht für eine solche Halle.“ Obwohl in Fäßlers Augen alle Ortsteile von einer solchen Halle profitieren würden - gerade die jüngeren Bürger.
Die Abstimmung über einen Bürgerentscheid ist in seinen Augen eine „Hau-Ruck-Aktion“: „Zunächst müssten wir die Kosten einer solchen Halle aufschlüsseln, dann können wir weiterreden.“
Bürgermeister Günther Fuchs erklärt, warum er diesen Tagesordnungspunkt so schnell im Gemeinderat diskutieren will: Am 4. Juli ist der Volksentscheid zum Nichtraucherschutz. Es bestehe die Möglichkeit, gleichzeitig einen Bürgerentscheid zu einer Dreifachturnhalle abzuwickeln, gesetzt der Gemeinderat hat drei Monate zuvor einen solchen Entscheid beschlossen.
Zudem sorgt sich Fuchs: Stimmt der Gemeinderat direkt über den Bau einer Halle ab, sei eine Patt-Situation wahrscheinlich. „Ziehen wir den Bau dann durch, muss ich um jeden Dübel kämpfen.“ Eine Entscheidung der Bürger werde auch von den Hallen-Gegnern besser akzeptiert, so der Hintergedanke.
Andererseits bereite auch ihm die Tatsache Sorge, dass der Gemeinderat mit einem Bürgerentscheid die Verantwortung abgebe. Schließlich sei das Gremium vom Bürger gewählt worden, um Entscheidungen zu treffen.
Fuchs will die Hallen-Befürworter wach rütteln
Wie am Mittwoch die Abstimmung ausgehen wird, wagt er nicht vorherzusagen: „Es könnte durchaus auch sein, dass wir die Entscheidung verschieben und uns zunächst weitere Fakten beschaffen.“ Auf jeden Fall hofft Fuchs, nun die Hallen-Befürworter wach gerüttelt zu haben. „Wichtig wäre nun, Öffentlichkeitsarbeit für den Bau zu betreiben.“ In Fuchs Augen ist nämlich durchaus ein Bedarf für eine solche Halle gegeben.
Der Haken an dem Vorhaben seien jedoch die Betriebskosten. Laut Fuchs verschlingt eine solche etwa 30 000 Euro im Jahr. „Jedoch besteht auch die Möglichkeit, eine Passivhalle zu errichten, die sich quasi via Solaranlagen selbst heizt.“
Deshalb meint Fuchs vorsichtig: „Eigentlich hoffe ich selbst, dass wir den Beschluss über den Bürgerentscheid verschieben.“ So bleibe mehr Zeit, sich über Möglichkeiten des Hallenbaus zu informieren.
Den Wunsch, in Oberschönegg eine Dreifachturnhalle zu errichten, haben Ende vergangenen Jahres die Beinhart-Kicker geäußert. Ihre Idee: Die Halle an das bestehende Schützenheim in Oberschönegg anzugliedern. Schließlich gebe es in Oberschönegg nicht einmal einen Sportplatz, klagt Fäßler. Damen- und Herrenteams der Beinhart-Kickers trainieren derzeit in den Ortsteilen Weinried und Dietershofen.
Und nicht nur für die Kicker wäre eine solche Halle ein Gewinn, meint Fäßler. „Sie würde das Dorf allgemein attraktiver machen. Schließlich könnte man dort auch Feiern, wie Hochzeiten oder Betriebsfeste, veranstalten.“ Und die Beinhart-Kicker, die sich im Frühjahr als offiziellen Verein eintragen lassen wollen, könnten zu einem Sportverein wachsen: „Es könnten verschiedene Abteilungen entstehen.“
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