St. Georgen lacht über den Dießener Wahlkampf
05.02.2008 19:35 UhrVon Gerald Modlinger
St. Georgen - Bei acht Parteien und Wählergruppen, die sich um 24 Sitze im Rathaus balgen, war der Faschingsumzug in St. Georgen thematisch schon gerettet. Der Dießener Kommunalwahlkampf war beim gestrigen Gaudiwurm das Thema schlechthin, das die Narren aufs Korn nahmen. Und sie dürften mehr Publikum erreicht haben als alle Parteien auf ihren unzähligen Versammlungen zusammen. Bei schöner Wintersonne schien ganz Dießen auf den Beinen zu sein.
Mit die meiste Mühe hatte sich wie in den Vorjahren der Dießener Frauenbund gemacht, der Übersicht in den aus acht verschiedenen Baumarten bestehenden "Dießener Parteien-Märchenwald" brachte und kurz zusammenfasste, für was die einzelnen Parteien stehen, zum Beispiel die CSU: "Ich, die Eiche, vor nichts schrecke und weiche!", die SPD: "Ich, die rote Buche, die lautstark nach einer Lösung suche!" oder die Grünen: "Ich, die immergrüne Thuja, sag' erst mal Nein statt Ja" und dazu kommt jetzt auch noch der Offene Kreis: "Ich, der neue Robin Hood, forste auf den Parteien-Wood!"
Aber acht Listen sind eigentlich für eine 10 000-Einwohner-Gemeinde noch viel zu wenig, dachte sich die Burschenschaft aus Wengen, die noch weitere sechs Wahlvorschläge machte (von der Hausfrauen-Bewegung bis hin zu den "Unterdrückten Bürgern") und dafür Unterstützungsunterschriften sammelte. Trotz immer neuer Listen, wenigstens bleiben die Themen und Wahlversprechen in Dießen immer gleich. Die unterschieden sich nämlich 2008 nicht von denen 2002, fiel den Burgschützen St. Georgen auf, deren Wagen - wie sollte es anders sein - übrigens auch von einem Kandidaten, Anton Wernseher, gezogen wurde.
Mehr auf die Bürgermeisterwahl lenkten die Moosdapper den Blick. Sie ließen den Kirsch-Herausforderer Salzmann versprechen, aus Dießen das achte Weltwunder zu machen und legten dem Amtsinhaber in den Mund: "Du nicht, da bin ich schon da."
Und die Fußgruppe aus Neudießen inszenierte heuer mit lebenden Schachfiguren den Bürgermeisterwahlkampf. Wer bei der Wahl schachmatt gesetzt werden würde, war für Bernhard Kieninger schon klar: "Mia san mia, a Preiß regiert uns nia." Damit aber nicht allein das Vorhandensein von antipreußischen Ressentiments die Wahl zu seinen Gunsten entscheiden möge, strampelte sich Amtsinhaber Herbert Kirsch auch beim Faschingsumzug ab. In Frack und Zylinder absolvierte er die Zugstrecke auf dem Einrad und machte sich über das Gedränge von 184 Kandidaten um 24 Rathaussitze lustig: "Ein Rad(t) für Dießen - 24 aus 184." Aber auch die Schwarzen blieben nicht untätig. Die vom Wagen der Wasserwacht fliegenden Bananen waren mit blauen Aufklebern versehen - nicht etwa von Chiquita, sondern von Gemeinderatskandidat Richard Renner.
Was sonst noch gesehen wurde: Die Kinder von St. Georgen und Wengen haben schon ihre Schlittschuhe griffbereit, um auf dem frisch ausgebaggerten Metzgerweiher ihre Pirouetten zu drehen - sofern es in diesem Winter noch mal knackig kalt wird. Die St. Georgener Feuerwehr trotzte den hohen Energiepreisen: Die Brandschützer zogen und schoben ihren Faschingswagen einfach selbst. Während die einen sich mit hohen Preisen schon abgefunden haben, hoffte ein "Biervernichtungstrupp" immer noch darauf, dass die 40 Cent pro Liter nicht nur für die Milch sondern auch fürs Bier gelten werden.
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