Klappernde Absätze und fliegende Finger
16.10.2007 18:30 UhrVon Franz Issing
Ettringen Von bloßem Gitarrespiel konnte hier keine Rede mehr sein. Die fliegenden Finger schienen förmlich mit den Saiten zu verschmelzen. Dazu Flamenco in seiner traditionellen Form. Bei der "Spanischen Nacht" setzten die Tänzerin Laura Aragon und der Gitarrist Daniel Karan alles auf eine Karte und den Ettringer Kulturtagen das Sahnehäubchen auf.
Dem Team der "Aktion Hoffnung" und der Gemeinde war es wichtig, authentischen Flamenco zu präsentieren. Ihn sollten Spanier präsentieren, die damit aufgewachsen sind. Mit Laura Aragon und Daniel Karan gelang es nach großen Anstrengungen ein Künstler-Duo zu engagieren, das Feuer und Leidenschaft Andalusiens auf der Bühne des "Eine-Welt-Saales" versprühte.
Den lang anhaltenden Beifall haben die beiden Vollblut-Musiker sicher noch lange in den Ohren, zeigten Musik und Tanz doch große Wirkung auch ohne Worte.
Flamenco vom Feinsten tanzte Laura Aragon. Für ihre feurigen und atemberaubenden Auftritte in wechselnden Kostümen mussten die Bühnenbretter extra präpariert werden. Für kurze Zeit sah sich das Publikum vor seinem geistigen Auge nicht in Ettringen, sondern mitten im Urlaub im südlichen Spanien. Die Tänzerin legte auf den Brettern, die die Welt bedeuten, eine regelrechte Feuersbrunst hin. Schuhsohlen, Absätze knallten zum Kastagnetten-Klang. Der Rhythmus der schmetternden Füße trieb Laura Aragon voran. Das war Flamenco in seiner reinsten Form, eine Einheit von Tanz und Musik.
Musik erzählt von Freud und Leid
Zwischen den einzelnen Tanzabschnitten erfreute Daniel Karan mit spanischer und klassischer Gitarrenmusik. Konzentriert interpretierte der Solist eigene Kompositionen sowie ausdrucksstarke Tänze. Sie erzählten von Traurigkeit und den Sorgen der Menschen, drückten aber auch Freude und Lebensmut aus. Beeindruckend der Festtanz "Bulerias", eine Art Hymne, komponiert für feierliche Anlässe. Einfühlsam ließ der Gitarrist Töne durch die Stille strömen. Sie verschmolzen mit Lyrik und Prosa zu einem besonderen Klangerlebnis.
Mit Daniel Karan erlebte das Publikum einen erstaunlichen Musiker. Selten wird man einem Gitarristen begegnen, der in den beiden Welten der Klassik und des Flamenco so selbstverständlich zu Hause ist. Karan wusste bei seinem Spiel Ausdruck und Virtuosität harmonisch zu verbinden. Zeitweise hatten die Zuhörer das Gefühl, zwei Gitarren zu hören. Keine Fata Morgana, eher Nuance eines kunstvollen Griffs. Der Künstler ließ den Bass weiterlaufen und spielte ihn gleichzeitig neu an.
Vor den musikalischen Genüssen kamen die Gaumenfreuden: Serviert wurden den Besuchern landestypische Spezialitäten. Aufgetischt wurden unter anderem Paella und andalusische Weincreme.
Sämtliche Erlöse der Ettringer Kulturtage gehen in diesem Jahr an "Tikondane", ein Projekt für Straßenkinder in Malawi. Über die großzügige finanzielle Spritze für die Missionsarbeit freute sich besonders Jeremias Schröder, der Erzabt von St. Ottilien. Der Ordensobere und Schirmherr des herbstlichen Festivals war sich mit Bürgermeister Robert Sturm und dem vollen Haus einig.
"Ein Konzert wie heute erlebt man nicht alle Tage." Und etwas neidvoll bekannte der Rathauschef: "Ich habe immer geglaubt, ich könnte gut Gitarre spielen."
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