Kliniken sind auf gutem Weg in die Zukunft
27.11.2009 06:14 UhrVon Johann Stoll
Mindelheim Die Kreiskliniken in Mindelheim und Ottobeuren sind finanziell besser aufgestellt als noch in den Jahren zuvor. Daran ändert offenbar auch der goldene Handschlag für Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer nichts, dem in einem Vergleich eine Abfindung in Höhe von 520 000 Euro zugesprochen worden war. Das war die zentrale Botschaft, die der bisherige Interimsvorstand Dr. Martin Köbler gestern den Kreisräten präsentierte.
Die Sondersitzung war von CSU-JWU gefordert worden, um die Umstände, die zur Trennung von Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer geführt hatten aufzuklären und die finanziellen Folgen für die Kliniken abzuschätzen. Wesentliche Teile der Aussprache fanden allerdings hinter verschlossener Tür statt. 90 Minuten Öffentlichkeit, dann waren die 56 anwesenden Kreisräte, der Landrat und einige Vertreter der Verwaltung unter sich. Die Juristen von Landratsamt und Regierung hatten eindringlich an die Verschwiegenheitspflicht von Verwaltungsräten erinnert und die schutzwürdigen Teile Einzelner betont.
So gab es öffentlich gestern einen eher allgemein gehaltenen Bericht zur Lage der beiden Kreiskliniken. Und diese sieht durchaus positiv aus. Köbler rechnete vor, dass die Erlöse aus Krankenhausleistungen sich wie folgt verändert haben:
2006: 17,382 Millionen Euro.
2007: 17,274 Mio. ¤.
2008: 17,692 Mio. ¤.
2009: 18,254 Mio. ¤.
Die Bettenauslastung war in den Jahren 2008 und 2009 mit 69,16 Prozent beziehungsweise 69,46 % sehr stabil. Dieser Wert sei aber nicht entscheidend. Abgerechnet werde auch nach Schwere der Erkrankungen. Je höher der sogenannte „Casemix“, so Köbler, desto höher fallen die Erlöse aus. Von 2007 bis 2009 sei dieser Wert von 4581 über 4770 auf 4797 gestiegen.
Mit anderen Worten: Beiden Kliniken in Mindelheim und Ottobeu-ren gelingt es offenbar, Patienten mit schwereren und damit lukrativeren Erkrankungen in den eigenen Häusern zu behandeln.
Im Jahr 2008 noch, sagte Landrat Hans-Joachim Weirather (FW), seien 600 Patienten außerhalb des Landkreises versorgt worden, vorzugsweise in Erlangen. Mit dieser Klinik hatte insbesondere Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer jahrelange intensive Kontakte gepflegt. Nach wie vor schreiben die beiden Krankenhäuser aber rote Zahlen. Die Betriebsverluste haben sich wie folgt entwickelt:
2006: 2,526 Mio. ¤.
2007: 2,847 Mio. ¤.
2008: 1,867 Mio. ¤.
2009: 1,8 Mio. ¤ (geschätzt).
Köbler betonte aber, dass das Jahr 2009 durch einen hohen Tarifabschluss belastet gewesen sei. Er bezifferte allein diesen Betrag auf eine Million Euro. In dieser Summe seien auch die Kosten für die Auflösungsverträge mit Vorstand Alfons Hawner und Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer eingepreist. Später musste sich Köbler aber auf Nachfrage von Werner Birkle (CSU) insofern korrigieren, dass heuer nur ein Teil der Abfindung geflossen sei. Genaueres wollte er im nicht öffentlichen Teil erläutern.
Weirather: Verwaltungsrat taumelt nicht herum
Neben dem Tarifabschluss habe heuer negativ zu Buche geschlagen, dass das Budget 2009 um 300 000 Euro vermindert wurde. Der Grund: 2008 waren um diesen Betrag Leistungen überhöht abgerechnet worden, wie eine Prüfung ergab.
Der Landrat machte deutlich, dass der Verwaltungsrat „nicht herumtaumelt“. Es gebe eine klare Geschäftsstrategie, die der Verwaltungsrat Anfang 2009 einstimmig auf einer Klausurtagung im Kloster Roggenburg abgesteckt habe. Die zwei wesentlichen Punkte: Spezifizierung und Kooperation. Es soll also mit anderen oder einem anderen Krankenhaus aus der Nachbarschaft zusammengearbeitet werden. Nähere Angaben machte er nicht. Das medizinische Angebot in beiden Häusern solle nicht deckungsgleich sein. In Ottobeuren sei ein Gerät zum Röntgen der Galle und Bauchspeicheldrüse (ERCP) angeschafft worden, in Mindelheim der Herzkathetermessplatz. „Wir bekennen uns zur Hochleistungsmedizin im Verbund von Mindelheim und Ottobeuren“. In Ottobeuren werde für eine Million Euro im neuen Jahr eine neue Sterilisation gebaut.
Zu den finanziellen Belastungen des Vergleichs mit Dr. Pflederer sagte Weirather, „diese relativieren sich gewaltig“.
Der Träger, also der Landkreis, profitiere mit den neuen Chefarztverträgen vom ökonomischen Erfolg der Chefärzte. Details wollte er im nicht öffentlichen Teil nennen. Nach drei schwierigen Sanierungsjahren sieht Weirather für die beiden Krankenhäuser „Licht am Ende des Tunnels.“
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