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Leuchtende Leichen in der Gruft

25.07.2008 18:25 Uhr

von eva-maria frieder

Mindelheim Indiana Jones und der Fluch der Pharaonen in Mindelheim? Nun ja, ganz so dramatisch ist es nicht. Aber was da im Zuge der Renovierungsarbeiten unter dem Boden der Jesuitenkirche entdeckt wurde, kann einen schon ein wenig das Gruseln lehren.

Das heißt, von Entdeckung kann eigentlich nicht die Rede sein, denn die Existenz einer Gruft war Insidern bekannt. Als diese Katakomben aber kürzlich geöffnet wurden, waren Christian Schedler und Peter Kern doch recht verblüfft über das, was sich ihnen da beim Hinuntersteigen enthüllte.

An den Skeletten der Toten, die dort vor mehreren hundert Jahren beerdigt wurden, hat sich nämlich ein Schimmelpilz gebildet, der dicke Beläge bildet und im Dunklen fluoresziert.

Der „Fluch der Pharaonen“ in Mindelheim?

Schedler vermutet, dass es sich um den „aspergillus flavus“ handelt, den sogenannten Fluch der Pharaonen. Die Grabräuber gingen beim Aufbrechen ägyptischer Königsgräber auf damals unerklärliche Weise zugrunde. Die Sporen, die diese Pilze in extremer Menge bilden, verursachen beim Einatmen gesundheitliche Schäden, die unter Umständen sogar tödlich sein können.

„Welche Art Schimmelpilz es auch sein mag“, betont Schedler, Kulturamtsleiter und Mitglied der Kirchenstiftung, „er ist auf jeden Fall hochgefährlich. Man darf sich dort unten nur mit Atemschutz und Schutzkleidung aufhalten. Ganz abgesehen davon, dass der Zugang zur Gruft nur durch ein enges Loch möglich ist, in das man sich mit gestreckten Armen herunter lassen muss.“ Ohnehin ist die Kirche noch auf unabsehbare Zeit gesperrt und für Außenstehende nicht betretbar.

Hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt Pilzbildung

Kern und Schedler erklären sich die extreme Schimmelbildung damit, dass bei Bauarbeiten in den 70er Jahren die ursprünglich vorhandenen Belüftungsschächte, die für einen dauernden Luftzug sorgten, zugemauert wurden. Die Luftfeuchtigkeit erhöhte sich stark - beste Bedingungen für den Pilz. Der schwere eichene Beichtstuhl, unter dem sich der Zugang zur Gruft befindet, enthüllte beim Beiseiterücken eine Pfütze aus Kondenswasser.

Erschwerend kommt noch ein anderer Umstand hinzu: Die Särge mit den Toten wurden in eine Art Gefache, jeweils zwei übereinander, in die Seitenwände der Gruft geschoben und die Fächer danach zugemauert. Dem Anschein nach hat man aber bei Renovierungsarbeiten Anfang des 20. Jahrhunderts - aus welchen Gründen auch immer - sämtliche Grabstätten geöffnet, sodass die Leichen seither dem Sauerstoff ausgesetzt waren.

Nicht alle, so Schedler, seien vollständig skelettiert, an manchen seien noch Reste mumifizierter Hautfetzen erkennbar. Und: „Bei der Zersetzung organischen Materials bildet sich unter bestimmten Bedingungen dann eben dieser Pilz.“ Die Särge selbst sind zerfallen. Gefunden wurde in der Gruft auch ein Sammelgrab in einer Art von großer Wanne, das bis oben hin voll ist mit Knochen und Schädeln, ähnlich wie die Beinhäuser (Ossuarien) auf alten Friedhöfen. Wo diese Knochen herkommen, scheint unklar. In dem Gang liegen außerdem Berge von altem Bauschutt, die dort im Lauf der Jahrhunderte entsorgt wurden - Ziegelsteine, Sand und Ofenkacheln.

40 Grabstätten, wahrscheinlich von den Jesuiten

Das unterirdische Gewölbe, in dem ein Mann aufrecht stehen kann, zieht sich auf einer Länge von 17 Metern unter dem Quergang des Kirchenschiffs von Ost nach West. Es enthält rund 40 Grabstätten, die wahrscheinlich einst mit Namenstäfelchen versehen waren. Warum diese verschwunden sind, lässt sich heute nicht mehr klären, ebenso wenig wie die Identität der Toten. Wahrscheinlich waren es Jesuiten.

Die Gruft selbst wurde nach Ansicht der Experten 1625, bei der Vergrößerung der Kirche, angelegt.

„Im Zug der Sanierung müssen wir jetzt für Luftaustausch sorgen und neue Luftschlitze anbringen“, sagt Architekt Peter Kern. „Dann wird es da unten allmählich wieder trocken. Zugänglich wird die Gruft aber niemals werden, schon aus Pietäts-, aber auch aus Sicherheitsgründen.“



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