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Motiviert wie in der Bundesliga

10.02.2009 19:10 Uhr

Von Oliver Helmstädter

Ulm/Neu-Ulm Mitten in der Vorlesung schalteten kluge Köpfe die Lautsprecheranlage aus: Wer vor Tausenden von Zuschauern ein total verschwitztes Profiteam in der letzten Auszeit vor dem Schlussgong verbal erreicht, braucht vor einer Hundertschaft wissbegieriger Neu-Ulmer Studenten keine technischen Hilfsmittel. Mike Taylor, der stimmgewaltige Trainer der Basketballer von Ratiopharm Ulm, sorgte gestern für einen volleren Hörsaal A als üblich in der „New-Ulm University“. Motivation hieß das Thema der Vorlesung, die der Ulmer „Head Coach“ komplett auf Englisch hielt.

„Auf Deutsch ist es immer ein bisschen lustig für Euch“, sagte der 36-Jährige mit dem hinreißenden US-Akzent zur Einführung. Um dann in seiner Muttersprache loszulegen wie ein entfesselter Prediger aus dem Mittleren Westen. Sein Motto, frei nach dem neuen US-Präsidenten Barack Obama: „Yes, we can.“ Positives Denken versuche er seinem Team zu vermitteln. Und das würzte er mit so schönen Sätzen wie „You gotta keep things fresh“ (frei: Immer etwas Neues machen), die wohl nur auf Englisch so richtig zünden können.

Neben einer positiven Grundeinstellung versucht der Coach bei seinem Team vor allem eine „intrinsische“, also „von Innen her kommende“ Motivation zu erzeugen. Diese sei wirkungsvoller wie eine „extrinsische“, also von außen gesteuerte Motivation, wie sie etwa durch Geld erzeugt werde.

„Leidenschaft ist der sichere Weg zum Erfolg“, sagte der Wahl-Ulmer, der nun in der 6. Saison an der Donau tätig ist. Diese könne erfolgreich durch ein „total Investment“ (vollkommene Hingabe) in eine Sache erzeugt werden, die man gerne macht. Ohne Spaß und Freude, an dem was man macht, könne niemand wirklich erfolgreich in seinem „Subject“ sein. Deswegen sei die richtige Mischung aus Spaß und Disziplin auch einer der Erfolgsfaktoren der Ulmer Basketballer.

Und Spaß habe der Trainer, der seine erste Station in dieser Profession in Indiana hatte, auch in Ulm. Mehr noch: „Ich liebe Ulm“, sagte der Head-Coach, als eine Studentin fragte, was denn seine Motivation sei, solange in Ulm zu bleiben. Er als Zugereister aus dem fernen Amerika könne ganz besonders die Reize der Doppelstadt erkennen. „Ulm ist ein so faszinierender Ort.“ Ein Ort, an dem nach der Überzeugung von Mike Taylor der Basketball-Sport eine große Zukunft habe: „Ich bin ganz sicher, dass die Multifunktionshalle kommen wird. Und dann haben wir hier in Ulm als Bundesligamannschaft Möglichkeiten wie wenige andere Städte.“

Die Studenten löcherten Taylor mit Fragen zum aktuellen Team. Eine Äußerung dürfte den Ulm-Fans ganz besonders geschmeckt haben: „Jeff Gibbs bleibt. Da bin ich mir ziemlich sicher“, antwortete der Trainer auf eine Frage zur Zukunft des bulligen Ulmer Centers. Denn seine Familie fühle sich äußerst wohl in Ulm. Und auch das sei ein gewichtiges Argument für die Motivation, einem Verein treu zu bleiben. Und bei Lee „Hump“ Humphrey sei er auch zuversichtlich.

Das erste Gastspiel von Mike Taylor an der Hochschule Neu-Ulm war wohl nicht das Letzte. Dies sagte zumindest Dr. Martin Marz, Professor für Wirtschaftsprivatrecht, der gestern seinen Hörsaal für den dozierenden Sportler räumte. Marz dazu: „Wir möchten die Zusammenarbeit intensivieren. Es gibt eine Menge Synergieeffekte.“ Sicher ist: Die Basketballer sorgen nicht nur für eine volle Kuhberghalle sondern zünden auch in Hörsälen.



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