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Gewaltfilme auf Handys: Langzeitfolgen drohen

21.03.2006 19:03 Uhr

Oberallgäu (rio). Auf der Suche nach Gewaltvideos hat die Polizei 208 Handys von Immenstädter Hauptschülern überprüft. Die Beamten fanden auf sieben Mobiltelefonen brutale Szenen und pornographische Darstellungen. Fast jeder Schüler soll allerdings Videos dieser Art schon gesehen haben. Was richten solche Bilder in der Seele von Jugendlichen an? Die Jugendsozialarbeiterin der Hauptschule, Birgit Dieckmann, erklärt, was passieren kann.


Frage: Ist das Problem, dass Gewaltvideos unter den Schülern kursieren, schon länger bekannt?

Dieckmann: Nein. Ich wusste bis vor ein paar Tagen nichts davon. Ich bin jetzt das vierte Jahr an der Schule, aber bisher hatte ich mit solchen Sachen nichts zu tun. Ich finde es deshalb toll, dass die Eltern einiger Schüler, die zu Hause davon erzählt haben, sich getraut haben, die Schule zu informieren.

Frage: Wie gefährlich sind solche Filme für die Jugendlichen? Ist mit langfristigen Folgen für die Seele zu rechnen?

Dieckmann: Die Langzeitauswirkungen sind noch nicht absehbar, aber solche Bilder sind auf jeden Fall gefährlich. Zunächst schockieren sie ­ nicht nur Fünftklässler, sondern auch ältere Schüler. Es verletzt vor allem diejenigen, die so etwas nicht gewohnt und noch nicht abgebrüht sind. Die Großen sind wahrscheinlich eher abgestumpft ­ das ist bereits eine Folge der Videos.

Frage: Sind diese Bilder nicht unglaublich traumatisierend?

Dieckmann: Ja, das ist genau der richtige Ausdruck. Ein Trauma erkennt man aber nicht am nächsten Tag, sondern es äußert sich erst später: in Schlafstörungen, Süchten, Ess-Störungen. Die Folgen können auch innere Immigration und Selbstmordgedanken sein. Ich würde eine Parallele zwischen Drogen- und Alkoholproblemen und solchen traumatisierenden Bildern sehen.

Frage: Hat Ihnen schon einmal ein Schüler solche Videos gezeigt?

Dieckmann: Nein, ich würde sie mir auch nicht anschauen. Aber ich habe mir erzählen lassen, was da gezeigt wird. Zum Beispiel wie ein Pizzabote überfahren wird...

Frage: Warum schauen sich die Schüler so etwas an?

Dieckmann: Einige Mädchen haben mir erzählt, dass sie von ihren Kumpels gezwungen wurden. Da steckt ein unglaublicher Gruppendruck dahinter.

Frage: Was raten Sie den Eltern?

Dieckmann: Sinnvoll ist, eine Vereinbarung mit den Kindern zu treffen, wozu das Handy genutzt werden darf. Man kann Kinder zum ordnungsgemäßen Gebrauch mit Handys erziehen. Wichtig ist: hellhörig sein. Es sind weniger Nachwirkungen zu erwarten, wenn ein Jugendlicher die Möglichkeit hat, das Gesehene aufzuarbeiten und mit seinen Eltern darüber zu reden. Deshalb sind Schüler, die kein gefestigtes Elternhaus haben, auch besonders gefährdet. Wir werden uns in der Schule auf jeden Fall damit auseinandersetzen.



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