Studie: Killerspiele machen aggressiv, brutal und dumm - Bayern - Augsburger Allgemeine
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Studie

Killerspiele machen aggressiv, brutal und dumm

15.05.2008 18:55 Uhr

Von Monika Schmich, Augsburg

Es wird geballert und gemordet, Blut fließt in Strömen. Politiker und Jugendschützer würden Computerspiele wie Doom, Counter-Strike oder BloodRayne am liebsten verbieten. Die Fans dagegen schwören auf die strategische Herausforderung. Nicht jeder werde zwangsläufig kriminell, sagen sie.

Doch wer hat recht? Der Münchner Schulpsychologe Werner Hopf von der Schulberatungsstelle Oberbayern-Ost und Forscher der Universität Tübingen haben zwei Jahre lang untersucht, ob Gewalt-Computerspiele die Hauptursache für Jugendkriminalität sind. Es ist die erste Studie über einen solch langen Zeitraum.

"Grand Theft Auto IV" (frei ab 18) ist derzeit der Renner unter den PC-Spielen. Ein Ex-Gefangener ballert sich durch eine US-Großstadt. Würden Sie das Ihren Enkeln auch kaufen?

Hopf: Auf keinen Fall. Unsere Studie hat ganz klar bewiesen: Solche Computerspiele sind der stärkste Faktor, der Jugendgewalt beeinflusst - stärker noch als elterliche Gewalt, Gewalt an Schulen, die Zugehörigkeit zu Cliquen, Horrorfilme und Persönlichkeitsvariablen.

Noch stärker als Persönlichkeitsvariablen? Das hieße ja, die Anhänger solcher Spiele haben unrecht, wenn sie sagen, dass nicht jeder zwangsläufig kriminell wird? Sind doch alle gefährdet?

Hopf: Im Prinzip ja. Nur zeigt sich, dass es einen Gesamtzusammenhang gibt. Meistens kommen mehrere dieser Faktoren zusammen. Zum Beispiel, dass sie auch in der Familie Gewalt erfahren.

Wie haben Sie das alles untersucht?

Hopf: Wir haben 653 Schüler in sechs Schulen in Oberbayern befragt. Einmal mit zwölf Jahren und zwei Jahre später noch einmal. Wichtig war uns, dass wir auch die Landbevölkerung mit einbeziehen.

Was wurden die Jugendlichen gefragt?

Hopf: Zum Beispiel, wie oft sie schon einen Schüler zusammengeschlagen haben. Und wie oft sie welche Gewaltspiele spielen.

Ihr Ergebnis ist, dass Schüler, die häufig solche PC-Spiele spielen, gewaltbereiter sind. Warum ist das so?

Hopf: Wegen der Inhalte. Das Spiel hat Vorbildcharakter für sie. Gerade im Jugendalter bilden sich die Grundorientierungen aus. Deswegen sind Gewaltspiele in diesem Alter so gefährlich.

Laut Studie führen die Spiele auch noch zu schlechten Deutsch- und Englischnoten. Wie kommen Sie darauf?

Hopf: Wir haben die Noten der Schüler mit 13 Jahren erhoben und ein Jahr später noch einmal. Je höher der Gewaltkonsum der Jugendlichen war, desto stärker sind die Noten abgefallen.

Wie erklären Sie sich das?

Hopf: Der Haupteffekt ist, dass die Schüler kein Interesse mehr am Lernen haben wegen der Faszination an der Gewalt. Die sitzen zum Teil vier bis fünf Stunden vor dem Bildschirm. Da kann sich doch keiner mehr aufs Lernen konzentrieren.

Was ist also zu tun?

Hopf: Die Gegenseite sagt, dass man die Medienkompetenz der Schüler verbessern muss. Das ist pure Illusion und eine Lüge. 60 Prozent der deutschen Eltern kümmern sich überhaupt nicht um die Mediennutzung ihrer Kinder. Wie soll dann so etwas erreicht werden?

Was schlagen Sie vor?

Hopf: Mein Vorschlag ist, die Computer-Gewaltspiele zu verbieten. Es gibt keine andere Lösung. Die Verrohung, die dadurch entsteht, ist ja jetzt schon überall zu sehen.



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