Differenzierte Sichtweisen
24.05.2009 18:40 UhrBad Wörishofen (heb) - Zu einer Podiumsdiskussion mit einem interessanten Thema lud die Junge Union unter ihrem neuen 1. Vorsitzenden Mike Hammermayer in das Mehrgenerationenhaus im Kloster ein. „Ist die Wehrpflicht noch zeitgemäß?“ hieß dieses und es war gelungen, dazu auch hochkarätige Gäste zu gewinnen. Der Bundestagsabgeordnete des hiesigen Stimmkreises Kurt Rossmanith war dazu ebenso vertreten wie Paul Meichelbeck von der Partei „Die Linke“ und Ingo Ruf als Vertreter des Kreiswehrersatzamtes in Kempten. Die Jugend wurde vertreten von Maxi Beck als Vorstand des Jugendzentrums. Mike Hammermayer selbst moderierte die Diskussion.
Dass sich auf die Eingangsfrage am Ende kein Konsens einstellen konnte und die Frage nicht mit einem eindeutigen Ja oder Nein beantwortet werden kann, war natürlich zu erwarten.
Dass sich jedoch eine ausgesprochen angeregte Diskussion ergeben sollte, lag allein schon an den unterschiedlichen Standpunkten der Podiumsgäste, aber auch der Diskussionsteilnehmer, unter denen sich erfreulich viele Jugendliche befanden. Dabei reichte die Palette der Meinungen von eindeutiger Zustimmung zur Wehrpflicht bis hin zu gänzlicher Ablehnung. Dazwischen lagen jedoch auch die differenzierteren Sichtweisen wie zum Beispiel ein Pflichtjahr für alle, auch für Mädchen, oder der Wunsch nach einer kompletteren Erfassung aller Wehrpflichtigen. Als Mitglied des Verteidigungsausschusses im Bundestag war klar, das MdB Kurt Rossmanith die Wehrpflicht ohne Wenn und Aber als sinnvolle Einrichtung verstand. Allerdings differenzierte er, dass inzwischen der Einsatz der Wehrpflichtigen doch wesentlich sinnvoller und wenn möglich auch berufsbezogen erfolge. Das Eintreten junger Menschen für den Staat in Form der Wehrpflicht sehe er nach wie vor als positives Element, und dass über die Wehrpflicht diskutiert werde, sei seit der Einführung 1955 schon immer so gewesen.
Völlige Abschaffung und Einführung der Berufsarmee gefordert
Nicht ganz zustimmen wollte dem sinnvolleren Einsatz Maxi Beck aus eigener Erfahrung, der allerdings nicht die ganzen neun Monate, die die Wehrpflicht heute dauert, absolvierte. Auch Robert Holzmann, mit Jugendlichen durch seine Tätigkeit sehr vertraut, war skeptisch, was den Sinn des Aufenthaltes bei der Bundeswehr angeht. Die ganz konträre Position zur Wehrpflicht vertrat, seiner Parteimeinung auch entsprechend, Paul Meichelbeck. Er plädierte für die völlige Abschaffung und Einführung einer Berufsarmee.
Hier stießen natürlich die Parteiinteressen heftig aufeinander, zumal Rossmanith und Meichelbeck das Thema intensiv am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr festmachten. Da hatte es Mike Hammermayer manchmal nicht leicht, die Diskussion wieder auf das eigentliche Thema zurückzuführen, doch für seinen ersten Einsatz als Moderator schlug er sich ausgezeichnet. Heftig diskutiert wurden schließlich die Auswahl und die Zahl der Einberufungen. Wenn fast die Hälfte (hier gingen die Zahlen allerdings mehrmals auseinander) der Wehrpflichtigen nicht eingezogen würden, dann könne man nicht von Gerechtigkeit sprechen, wurde mehrmals angemahnt.
So war es gut, dass mit Ingo Ruf ein Fachmann vom Kreiswehrersatzamt mit am Tisch saß. Er betonte, dass durchaus alle Kandidaten zur Musterung herangezogen würden und dass auch ein hoher Prozentsatz eingezogen würde. Eine gewisse Gerechtigkeit sei dabei durchaus gegeben und dass jemand oder ganze Gruppen durch das Netz schlüpften, hielt er für unwahrscheinlich.
Vorschlag: Ein Jahr für den Dienst am Menschen
Eine sicher vielfach vertretene Meinung stellte Sebastian Seemüller, Vorgänger von Mike Hammermayer und JU-Kreisvorsitzende in den Raum. Er meinte, dass jeder junge Mensch ein Jahr seines Lebens für den Dienst am Mitmenschen, egal ob als soziales Pflichtjahr oder bei der Bundeswehr, einbringen sollte.
Noch zur Diskussion kamen Themen des Einflusses der Bundeswehrzeit auf die Arbeitsplatzsicherheit der jungen Leute oder die Senkung der Altersgrenze auf inzwischen 23 Jahre, ehe Mike Hammermayer sich bei den Podiumsgästen und beim Publikum für die lebhafte Diskussion bedankte und die Veranstaltung mit Geschenken für die Gäste schloss.
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