Maria Fischer aus Rehling saß gestern Nachmittag vier Stunden vor dem Landratsamt. Bauamt: Wir haben alles getan und x-mal kontrolliert Von Christian Lichtenstern


Von Christian Lichtenstern
Aichach/Rehling Maria Fischer ist verzweifelt. Die 73-Jährige aus Rehling sitzt auf den Treppen vor dem Landratsamt in Aichach – einen ganzen Nachmittag lang. Sie will ein Zeichen setzen und protestieren: Gegen die Baugenehmigungen der Behörde für eine Biogasanlage auf ihrem Nachbargrundstück an der Hauptstraße unweit der Ortsmitte und gegen den „unerträglichen Gestank“: „Ich kämpfe nur für ein bisschen saubere Luft.“ Sie sieht ihre Lebensqualität durch die neue Anlage, aber auch zwei bestehende Bullenmastställe und ein Silo des benachbarten Landwirts massiv beeinträchtigt. Drinnen im Landratsamt macht man sich derweil Sorgen um die Gesundheit der älteren Frau – über vier Stunden, von Mittag bis zum Nachmittag, bleibt Maria Fischer in der prallen Sonne sitzen. Auch Besucher, die an der Rehlingerin vorbeilaufen, und einige Mitarbeiter des Amtes sprechen die Sitzstreikerin an, erkundigen sich, wollen etwas zu Trinken bringen.
Gerhard Dürrwanger, Leiter der Baubehörde des Amtes, weiß, was Maria Fischer so verzweifeln lässt: „Sie tut mir Leid, aber wir haben alles für Sie getan.“ Die Anlage sei mehrmals kontrolliert worden – jeweils ohne Beanstandung.
Das sieht sie selbst ganz anders: Sie sei ja auch in der Landwirtschaft groß geworden. Bis vor einem Vierteljahrhundert betrieben sie und ihr Mann selbst ein kleines Anwesen. Protesterfahrung kann die gebürtige Rehlingerin nicht gerade nachweisen. Eine Aktion wie gestern hätte sich die Witwe, die mit ihrem Sohn auf dem Grundstück lebt, auch nie vorstellen können. Eine langwierige Nachbarschafts-Geschichte spiele zumindest eine Teilrolle in der Auseinandersetzung, sagen zumindest Außenstehende.
Der konkrete Auslöser für den Sitzprotest sei gestern früh aber das Öffnen ihres Fensters gewesen: „Ich habe nicht mehr atmen können.“ Darauf entschied Maria Fischer spontan, nach Aichach zu fahren – mit ihrem 40 Jahre alten Fendt-Geräteträger.
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