Laut Rechtsmediziner hat Täter mit großer Intensität auf Frau eingestochen, die sich verzweifelt gewehrt hat Von Nicole Simüller
Aichach/Augsburg In wenigen Minuten war alles vorbei. Doch das Opfer starb einen grausamen Tod in einem Aichacher Mehrfamilienhaus. Immer wieder stach der mutmaßliche Täter, ihr Ehemann, auf sie ein. Er benutzte mehrere Messer und eine Fleischgabel. Die Frau muss sich verzweifelt gewehrt haben.
Es war schwer erträglich, was der rechtsmedizinische Sachverständige am gestrigen Freitag im Mordprozess vor dem Landgericht Augsburg vortrug. Privatdozent Dr. Oliver Peschel vom Institut für Rechtsmedizin in München zufolge war das Opfer nach innen und außen verblutet. Bei der Obduktion wurden 79 Stich- und Schnittwunden gezählt. Der mutmaßliche Täter hatte vor allem auf den Kopf, Hals- und Brustbereich seiner Frau eingestochen.
Die Stiche seien sehr schnell und mit hoher Intensität erfolgt, so Peschel. In der rechten Schläfe der Frau sei eine abgebrochene Messerspitze gefunden worden. Nach seiner Ansicht wären mehrere der Stiche alleine schon tödlich gewesen, da sie das Herz oder lebenswichtige Blutgefäße trafen. Schnittverletzungen an den Händen der Frau zeigten, dass sie mehrfach versucht habe, weitere Stiche abzuwehren, indem sie dem Täter ins Messer griff. Die meisten Stiche habe das Opfer aber handlungsunfähig am Boden liegend miterlebt.
Der Angeklagte hat sich bislang nicht geäußert – auch nicht gegenüber dem psychiatrischen Sachverständigen. Der 47-jährige italienische Staatsangehörige sprach nur mit seinen drei Verteidigern und einem von ihnen hinzugezogenen psychiatrischen Facharzt. Prof. Gunther Kruse aus Hannover wurde aber nur als Zeuge, nicht als Sachverständiger gehört. Er sagte aus, er könne eine tief greifende Bewusstseinsstörung des Angeklagten zur Tatzeit nicht ausschließen.
Er bewertete dessen Denken als „von äußerster Einfachheit, bis hin zur Begriffsstutzigkeit“. Frau und Kinder seien laut Angeklagtem verschwenderisch gewesen. Der Mann habe das Gefühl gehabt, er müsse sich nach der Schichtarbeit daheim um vieles kümmern, da seine Frau im Haushalt zu wenig engagiert gewesen sei. Nachdem sie sich von ihm getrennt hatte, habe er vergeblich versucht, sich umzubringen.
Vor der Tat sei es zum Streit mit der Frau gekommen, habe ihm der Angeklagte erzählt, so der Zeuge. Der unter starken Antidepressiva stehende Mann erinnere sich jedoch kaum an die Tat. Als er ihn mit deren ganzem Ausmaß konfrontiert habe, sei der Angeklagte zusammengebrochen. Der Zeuge geht bei der Tat von einer „überschießenden Reaktion auf die Beschimpfung der Frau“ aus. Die Verteidigung versucht nachzuweisen, dass es sich um eine Affekttat handelte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten hingegen Mord vor.
Der Prozess wird am Mittwoch, 23. November, um 13 Uhr fortgesetzt. Er dauert bereits fünf Tage. 37 Zeugen und zwei Sachverständige wurden bislang gehört.
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