Die Anspannung ist spürbar. 200 Bewerber sind gekommen, alle kämpfen um einen begehrten Studienplatz am Konservatorium in Wien. Einer von ihnen ist der 23-jährige Sebastian Brandmeir aus Mühlhausen (Kreis Aichach-Friedberg). Am Ende des einwöchigen Auswahlverfahrens wird er sagen: geschafft.
Musik und Schauspiel spielen in Sebastians Leben schon früh eine Rolle. Durch seinen Vater, der ihm als Kind oft auf dem Klavier oder der Gitarre vorgespielt hatte, ist er schon bald mit Musik in Berührung gekommen. Mit sechs Jahren bekam er dann zum ersten Mal Klavierunterricht. Sebastians Mutter, ehemals Spielleiterin der Volksbühne Affing, begeisterte ihn für das Schauspiel. Erst etwas später interessierte er sich auch für den Tanz. Nach seinem ersten Tanzkurs während der Schulzeit entschloss er sich, Turniere zu tanzen und wurde dabei sogar einmal bayerischer Vizemeister.
In Wien musste er sich in drei Runden den verschiedensten Prüfungen in den Bereichen Gesang, Schauspiel, Tanz und allgemeiner Musiklehre unterziehen. Bereits nach der ersten Runde, in der mehrere Lieder vorgesungen und ein Schauspiel-Monolog präsentiert werden mussten, wurden rund 160 von 200 Bewerbern wieder nach Hause geschickt. "Das war wirklich hart und der Konkurrenzdruck natürlich enorm", erzählt der 23-Jährige.
Eine große Herausforderung sei unter anderem die Massenchoreografie gewesen, die in der zweiten Runde der Aufnahmeprüfung gefordert wurde. Lediglich fünfmal hatte der Tanzlehrer den Bewerbern gezeigt, wie die Choreografie zu einem Song aus dem Musical "Natürlich blond" auszusehen hat. "Uns blieben noch zwei oder drei Minuten und dann mussten wir schon vortanzen", so Sebastian.
Der musikalische Test, der folgte, sei ihm hingegen nicht schwergefallen. Nachdem Sebastian zuvor vier Jahre Gymnasiallehramt für Musik studiert hatte, fühlte er sich auf die musikspezifischen Fragen und auch auf den Gesang sehr gut vorbereitet. "Ich musste zum Beispiel "Somewhere over the rainbow" singen, während der Prüfer auf dem Klavier falsche Akkorde dazu spielte, um zu sehen, ob ich die Tonart halten kann", erinnert er sich.
Nach jeder Runde mussten die Prüflinge zusammenkommen, um von der Jury zu erfahren, wer es weitergeschafft hat und wer nicht. "Natürlich kam es dabei zu Tränen. Aber zum Glück auch zu Freudentränen", sagt Sebastian. Die letzten 16 Bewerber wurden in Runde drei dann noch einmal bis ins Detail geprüft. Improvisationstalent und Spontanität seien dabei besonders gefragt gewesen. "Du bekommst plötzlich ein Schlagwort wie "Disco" und sollst etwas daraus machen", erzählt er. Ein Lied in einer bestimmten Emotion vorzutragen, sei ebenfalls eine Aufgabe gewesen. "Ich sollte einen Song melancholisch und im nächsten Moment voller Freude vortragen", so Sebastian weiter.
Nicht nur ihr musikalisches Können mussten die Bewerber unter Beweis stellen, sondern auch in einem persönlichen Gespräch überzeugen. Dabei hätte die Jury auch bewusst unangenehme Fragen gestellt, um herauszufinden, wer dem Druck standhalten kann. "Einen Bewerber haben sie sogar gefragt, wen von den übrig gebliebenen Kandidaten er nach Hause schicken würde", sagt Sebastian. Er habe dabei vor allem auf eines gesetzt: "Ich war Ich und habe mich nicht verstellt." Und das kam anscheinend an. Der 23-Jährige hat sich durchgesetzt und einen von acht Studienplätzen ergattert. Jetzt wartet auf ihn eine vierjährige Musical-Ausbildung.
Doch aufgeben muss Sebastian für seinen Traum einiges. Bisher engagierte er sich beim Jungen Theater Affing, bei einer Tanzgruppe in Augsburg, als Klavierlehrer und auch als Leiter des Jugendchors in Derching. "Das schmerzt, aber das gehört nun mal dazu", weiß er. Dabei ist er sich durchaus bewusst, dass dies auch ein Traum mit Verfallsdatum ist: "Ich könnte mir ebenso vorstellen, später als Lehrer zu arbeiten. Aber jetzt möchte ich erst meinen Traum leben - und zwar auf der Bühne."