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03. September 2010 18:45 Uhr

Aichach/Aulzhausen

Brandmairs Bilder aus Pakistans glücklichen Tagen

Viele Bilder von Pakistan kleben in seinem Fotoalbum: Porträts von lachenden Kindern, Aufnahmen von schneebedeckten Bergen und kargen Tälern, einsamen Dörfern und pulsierenden Städten. Noch viel mehr bunte, aufregende, aber auch befremdliche Szenen aus dem pakistanischen Alltag leben in seinem Kopf. Von Carmen Jung

Aichach/Aulzhausen. Viele Bilder von Pakistan kleben in seinem Fotoalbum: Porträts von lachenden Kindern mit dichtem braunem Haarschopf und dunklen Augen, Aufnahmen von schneebedeckten Bergen und kargen Tälern, von einsamen Dörfern und pulsierenden Städten. Noch viel mehr bunte, aufregende, aber auch befremdliche Szenen aus dem pakistanischen Alltag leben in seinem Kopf.

Klaus Brandmair kennt das Land, das das Hochwasser in apokalyptische Zustände gestürzt hat, von seinen Reisen. Umso mehr Eindruck macht jetzt die Katastrophe auf ihn. Der 44-Jährige aus Aulzhausen will helfen und initiiert eine Benefizaktion. Bei Diavorträgen am 8. und 9. September sammelt er Spenden.

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Der gelernte Koch und Konditor, der aus dem Aichacher Ortsteil Algertshausen stammt, war früher Weltenbummler. Monatelang reiste er mit Fahrrad und Zug durch Asien. Und er weiß, ein muslimisches Land ist nicht wie das andere: die Türkei europäisch orientiert, die Bevölkerung im Iran westlich eingestellt, Pakistan dagegen "ist ganz anders".

Brandmair, der auch in Familien zu Gast sein durfte und Gespräche mit Einheimischen gesucht hat, reduziert das Land nicht auf religiösen Fundamentalismus. Pakistan liege in der Entwicklung einfach 100 Jahre oder noch länger zurück. Die Ablehnung des Westens rühre oft von mangelnder Bildung, aber auch der Einsicht, dass der Fortschritt viel Müll bringen könne, wie sich der 44-Jährige ausdrückt.

Er hat erlebt, dass Kinder Steine auf ihn werfen, nicht aus religiösen Gründen, sondern weil Touristen Fremdes verkörpern. Es gebe viel Unwissenheit in Pakistan. Kein Wunder in Gegenden, wo nur 30 Prozent der Buben und fünf Prozent der Mädchen Schulen besuchten, wo Bewohner von Bergtälern tagelang zu Fuß gehen müssten, um eine Zivilisation zu erreichen, wo jeder Stamm seine eigene Sprache spreche. Aber gerade die Einfachheit und Unberührtheit von Landschaft und Menschen ist Brandmair in Erinnerung geblieben. Dieses andere Pakistan hat er ins Herz geschlossen.

Die Bilder und Erlebnisse, die sich Brandmair im Kopf bewahrt hat, werden jetzt von den Aufnahmen über die Katastrophe verdrängt. Menschen, die nur die nackte Haut gerettet haben, verzweifelte Eltern, hungrige, kranke und traumatisierte Kinder - das geht unter die Haut. Vor allem das Schicksal der Mädchen und Buben berührt den 44-Jährigen, zu dessen Familie drei Kinder (zwölf, vier und drei Jahre alt) gehören. "Da musst Du was machen", war sein Gedanke. Spontan beschloss er "einen ganz altmodischen Diavortrag" zu halten, wie nach seinen Reisen vor über zehn Jahren.

Der ehemalige Weltenbummler verdient heute sein Geld als Milano-Eismacher. Er ist im Affinger Ortsteil Aulzhausen sesshaft geworden. "I mog gor nimma furt", lacht er.

Seinen ersten Vortrag hält Brandmair am Mittwoch, 8. September, in seinem Stadel in Aulzhausen, Hauptstraße 5 (beim "Egala"). Der Nächste folgt am Tag darauf in der Grundschule Aichach-Nord, die ihm die Stadt kostenlos zur Verfügung stellt. Brandmair ist sich im Klaren, dass seine Aktion nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann. Ihm ist das Engagement an sich wichtig: "Mir geht's nur um die Leute da unten und dass man was macht."

Die Spenden (der Eintritt ist frei) wird er in vertrauenswürdige Hände geben. Einen Großteil erhält die Kaufbeurer Hilfsorganisation humedica. Den Rest gibt Brandmair in private Hände: die seines Freundes und früheren Begleiters Andreas Bauer, genannt Ranger, aus Wasserburg, der als Anbieter von Trekking-Reisen öfter nach Pakistan kommt und die Spenden an Hilfsbedürftige übergeben will. Die Einstellung, nicht zu spenden, weil die Gelder ohnehin nicht ankämen, lehnt Brandmair ab. "So einfach darf man es sich nicht machen", findet er. Da sind ihm die Menschen in Pakistan ein Vorbild. "Die würden nie jemanden abweisen, der Hilfe braucht", weiß er.

In diesen Tagen ist Brandmair damit beschäftigt, in den Unterlagen die Aufnahmen aus Pakistan herauszusuchen. Es sind Bilder aus glücklichen Tagen eines Landes, das jetzt am Rande eines Abgrunds steht.

Diavorträge Brandmair berichtet über Pakistan am Mittwoch, 8. September, im Stadel seines Anwesens "beim Egala", Hauptstraße 5, Affing-Aulzhausen und am Donnerstag, 9. September, in der Grundschule Aichach-Nord. Beginn: 19.30 Uhr.

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