Freitag, 15. Dezember 2017

28. August 2012 12:03 Uhr

Agrarpolitik

Das Geld dorthin bringen, wo Menschen arbeiten

Bei der Debatte in Wilpersberg heißt es auch Nein zur Gen-Soja-Wüste Von Martin Golling

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Stephan Kreppold (stehend) stellte die Gäste beim agrarpolitischen Frühschoppen in Wilpersberg vor: (von links) Marlies Olberz, Josef Schmid, Johannes Enzler, Marion Ruppaner und Hans Foldenauer vom Bund deutscher Milchviehhalter.
Foto: M. Golling

Aichach-Wilpersberg Wie grün wird die künftige Agrarpolitik? Mit Spannung schauen nicht nur die Landwirte nach Brüssel, wo ab Ende September über die künftige Förderung der Landwirtschaft gerungen wird. Auch Verbraucher machen sich Sorgen. Unter dem Bündnis „Meine Landwirtschaft – unsere Wahl“ wird von Organisationen und Initiativen aus vielen gesellschaftlichen Bereichen der Protest gegen die derzeitigen Förderregularien mit einer Rad-Sternfahrt, dem „Good Food March“, nach Brüssel getragen (wir berichteten). Station machten sie in Wilpersberg beim agrarpolitischen Frühschoppen.

Für Hans Foldenauer vom Bund deutscher Milchviehhalter (BdM) greift die Diskussion rein um die Geldverteilung zu kurz. Er fordert vielmehr, sich Gedanken zu machen über die Grundausrichtung. „Alle bisherigen Reformen hatten nur das Ziel, unsere Landwirtschaft konkurrenzfähig zu machen mit Regionen, die sich aber mit europäischen Verhältnissen nicht vergleichen lassen“, sagte Foldenauer vor gut 160 Zuhörern. Die Folgen dieser verfehlten Politik seien klar: „Wir produzieren vom Schiff herunter“, sprach er zum Beispiel die riesigen Soja-Importe an und forderte „eine Produktion, die sich am Binnenmarkt orientiert“. Voraussetzung dafür sei allerdings eine ganz andere Stellung gegenüber den Konzernen und – eine Förderung nach Arbeitskrafteinsatz. Nur so sei die Leistung der Bauern für den ländlichen Raum erfolgreich honorierbar.

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Für den BN (Bund Naturschutz in Bayern) legte Marion Ruppaner Zahlen vor. Demnach würden rund 1,7 Prozent der Betriebe (6324) 1,8 Milliarden Euro (von insgesamt sechs Milliarden für deutsche Betriebe) abschöpfen. 80 Prozent müssten sich mit zusammen 1,4 Milliarden Euro begnügen. Marion Ruppaner forderte Obergrenzen bei der Hektar-Förderung und machte deutlich, dass mit einem „Weiter so“ die Artenvielfalt nicht aufrechtzuerhalten sei. In Bayern seien 50 Prozent der 16000 bewerteten Tierarten gefährdet. Zum Beispiel seien in der EU 50 Prozent der Feldvögel bereits ausgestorben.

In der Tiermast seien innerhalb der EU jährlich 30 Millionen Tonnen Eiweiß-Importfutter und 1000 Tonnen Antibiotika im Einsatz. Ruppaner beklagte, dass nach wie vor Einträge von Pestiziden ins Trinkwasser zu verzeichnen seien.

Eine Abkehr von der bloßen Hektarförderung verlangte auch Josef Schmid, Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). „Wir müssen schauen, das Geld dorthin zu bringen, wo Menschen arbeiten und Leistung für die Gesellschaft erbringen“, fand Schmid auch markige Formulierungen für seine Forderung. Eigentlich müssten die Tiermäster ihren Dünger nach Südamerika fahren, „von wo eana Fuatta herkimmt“, so Schmid. Die Eckpunkte des Programms sind griffig: „Fruchtfolge einhalten, Tiere auf Stroh halten, Kreisläufe schließen. Das Fördern von Hektar bringt uns nicht weiter als das Mittelalter, wo Leibeigenschaft herrschte.“

Die einheimische Bevölkerung leidet weiter Hunger

Global betrachtete Marlies Olberz von der Menschenrechtsorganisation Fian die Auswirkungen der europäischen Agrarpolitik. Auch sie prangerte die Eiweiß-Importe an. 78 Prozent des Bedarfs in der EU decke die Einfuhr. „20 Millionen Hektar werden deswegen in Südamerika zur Gen-Soja-Wüste. Land, das der einheimischen Bevölkerung nicht zur Verfügung steht, multinationale Konzerne schöpfen hier ab“, so Olberz. In Europa befeuerten diese Importe die Überproduktion und den Export zu Dumpingpreisen. „Wenn wir in Europa mehr produzieren, dann bekämpfen wir nicht damit den Hunger von einer Milliarde Menschen in der Welt. Wir berauben sie so ihrer Ernährungs-Souveränität“, fand Olberz.

Sie stellte der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ein schlechtes Zeugnis aus: „Der Export wird nicht gebremst. Wir bewirken damit, dass die einheimische, ländliche Bevölkerung in den ärmsten Ländern ihr Einkommen verliert.“ Olberz’ klare Forderungen: Runter mit den Futterimport-Mengen, runter mit den Subventionen; die Weltmarktorientierung der EU darf nicht zu Menschenrechtsverletzungen führen.

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