Ein Spargelanbieter aus Schrobenhausen hatte gemutmaßt, in den Spargelfolien könnten sich krebserregende Weichmacher befinden. Nach heftigen Protesten zog er seine Äußerung zurück.

Viele Spargelbauern aus dem Schrobenhausener Anbaugebiet schäumen in diesen Tagen vor Wut. Ein Spargelanbieter aus Schrobenhausen hatte kürzlich gemutmaßt, in den Spargelfolien könnten sich eventuell krebserregende Weichmacher befinden. Der Landwirt, der selbst auf Folien verzichtet, hatte keinen Beleg und inzwischen seine Behauptung zurückgezogen. Die Wogen der Entrüstung bei Berufskollegen schlugen dennoch hoch. „Das ist völliger Unsinn“, sagt dazu nicht nur Peter Strobl, Spargel-Fachberater am Landwirtschaftsamt Pfaffenhofen. Mit einer Untersuchung soll das Thema jetzt endgültig beerdigt werden. Auch Georg Lohner aus Inchenhofen, der zusammen mit seinem Bruder Josef eines der größten Spargelunternehmen Europas betreibt, legt seine Hand dafür ins Feuer, dass das Edelgemüse im Schrobenhausener Anbaugebiet völlig unbelastet ist. Nicht nur von ihren Produkten würden ständig staatliche Proben gezogen: Der Spargel weise jeweils „null Rückstände“ auf, erklärt Georg Lohner.
Auch Strobl hält die aktuelle Diskussion für überflüssig: „Der Verbraucher wird völlig umsonst verunsichert.“ Es handle sich bei den Spargelfolien nicht um irgendein Plastik, sondern um Polyethylen-Folien (PE), die lebensmittelecht seien und auch im Haushalt verwendet werden. Fleisch oder Gurken sind in ähnliche Folien eingeschweißt. „Zudem gibt es eine europäische Kunststoffverordnung, an die sich alle halten müssen und die überwacht wird“, fügt Strobl hinzu.
Um letzte Zweifel zu beseitigen, hat der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeererzeuger beim TÜV Süd jetzt eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Dabei sollen mehrere Folien zweier großer Hersteller untersucht werden – das Ergebnis liegt noch nicht vor. 80 Prozent der in Deutschland verwendeten Spargelfolien stammten laut Strobl von diesen beiden Herstellern.
Besonders pikant an der Geschichte ist, dass der Landwirt, der die Debatte ausgelöst hat, einer von ganz wenigen Spargelanbauern ist, der bis heute ohne Folien arbeitet. Das sind im rund 1000 Hektar großen Schrobenhausener Anbaugebiet nach Auskunft von Josef Plöckl, Vorsitzender des Spargelerzeugerverbands Südbayern, nur mehr etwa zwei Prozent.
Der betreffende Landwirt hat inzwischen offenbar eingestanden, dass er keine Beweise für seine Mutmaßung hatte und lediglich drei Kunden zitiert habe. Da die Familie – dem Vernehmen nach – in der Folge vielen Anfeindungen und hohem Medieninteresse ausgesetzt war, verweist sie bei Anfragen jetzt sofort auf ihren Anwalt, Michael Olma in Ingolstadt. Dieser erklärte gegenüber den AichacherNachrichten nur, dass die Familie kein Interesse daran habe, das Thema Spargelfolien unter dem Gesundheitsaspekt weiter zu diskutieren.
Für Josef Plöckl steht bereits jetzt fest: „Es gibt keine Weichmacher in Spargelfolien.“ Die Proben würden das bestätigen. (ull)
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