Dienstag, 23. Mai 2017

21. März 2015 18:02 Uhr

Sonnenfinsternis

„Derf i schnell mal durchschauen?“

Auf dem Aichacher Stadtplatz haben sich gestern Vormittag viele Menschen die Schutzbrillen geteilt. Gemeinsam haben sie über das seltene Himmelsspektakel gestaunt, auch wenn es gar nicht richtig dunkel geworden ist

i

Freitag ist Markttag in Aichach. Es herrscht geschäftiges Treiben auf dem Stadtplatz. Im Sonnenschein zieht der Geruch von Blumenerde, Wurst und allerlei Gemüse durch die Stände. Zwischen Primeln, Stiefmütterchen und Weidenkätzchen wedeln Menschen mit Geldscheinen, kramen in gut gefüllten Gemüsekisten oder plaudern zwischen den Verkaufsständen mit Bekannten, die sie zufällig getroffen haben. Wieder andere schieben sich mit Fahrrädern oder Kinderwagen an ihnen vorbei. Auf dem Stadtplatz decken sich die Aichacher, wie jeden Freitag, fürs Wochenende ein. Die Sonnenfinsternis, die genau jetzt über ihren Köpfen beginnt, ist hier erst einmal Nebensache. Dabei hat der Mond schon angefangen, sich vor die Sonne zu schieben. In gut einer Stunde wird das Spektakel seinen Höhepunkt erreichen. Wenn die Sonne dann zu etwa 70 Prozent verdeckt ist, werden viele auf dem Stadtplatz doch von dem Phänomen begeistert sein.

Aber so weit ist es noch nicht. Gerade erst hat sich Elisabeth Brugger aus Aichach einen Osterstrauß gekauft. „Ich finde, das wird schon alles sehr aufgebauscht“, sagt sie über die Sonnenfinsternis. Vor 16 Jahren habe sie die Sofi ‘99 beobachtet, doch die Schutzbrillen von damals konnte sie heuer nicht mehr finden, erzählt sie. Das Problem haben viele. Nicht weit von ihr sprechen zwei Männer über die Sonnenfinsternis, einer von ihnen hat eine Schutzbrille in der Hand. Er habe es eilig, sagt er noch, bevor er mit großen Schritten weitergeht. „Ich will mir die Sonnenfinsternis jetzt gleich daheim anschauen.“

ANZEIGE

Der Mond schiebt sich nun seit gut 15 Minuten vor die Sonne. Das ist manch einem Verkäufer hier aber noch immer ziemlich egal. „Da siehst ja nix, wenn’s dunkel wird“, scherzt einer hinter seinem Verkaufstresen. Er könne sich noch erinnern, wie das bei der Sonnenfinsternis 1999 war, als es plötzlich dunkel wurde und die Tiere ganz still waren. Da ruft Cilli Reiner vom anderen Stand: „Es war nicht finster, das war Dämmerung“. Sie lacht. Die Sonnenfinsternis hat sie damals auch beobachtet, an diesem Freitag will sie das Phänomen aber nicht verfolgen. Das könne man am Abend im Fernsehen viel besser sehen, ist sie überzeugt.

Trotzdem: Das Thema gewinnt an Bedeutung im allgemeinen Markttreiben. Immer mehr Leute reden inzwischen darüber, erinnern sich an das Ereignis vom 11. August 1999 oder wundern sich, warum es in diesem Jahr so schwierig war, an eine Schutzbrille für die Augen zu kommen. Ohne Brille wagt hier kaum jemand den Blick zum Feuerball am Himmel. Optiker und Augenärzte hatten in den vergangenen Tagen ausdrücklich vor bleibenden Sehschäden gewarnt.

Da plötzlich geht es los. Zuerst sind es einige Frauen, die sich gegen 10.10 Uhr die Schutzbrillen aus alten Tagen auf die Nasen ziehen und zum Himmel über der Spitalkirche schauen. Christine Nießl und Maria Riedl stehen mit dem Rücken zur Hypovereinsbank, sie wollen sich das Schauspiel nicht entgehen lassen. Da werden die Damen auch schon von einem jungen Mann angesprochen, der sich gern kurz eine Schutzbrille ausleihen möchte.

Als er damit gen Himmel schaut, ruft er sofort seinen Kumpel, der auch mal gucken kommen soll. Nicht nur Christine Nießl und Maria Riedl teilen ihre Schutzbrillen bereitwillig mit anderen. Gegen 10.25 Uhr werden die Brillen auf dem gesamten Markt hin und her gegeben. Kunden geben den Sichtschutz ihren Verkäufern in die Hand, Bekannte oder Kollegen geben die Brillen von einem zum anderen weiter. „Derf i schnell mal durchschauen?“, ist in diesen Minuten zu hören, oder „Wollen Sie auch mal gucken?“ Nacheinander kommen etwa zehn Mitarbeiter der Sparkasse vor die Tür. Ihre Kollegin Renate Moll teilt ihre Brille mit ihnen allen.

Es ist 10.33 Uhr, Christine Nießl und Maria Riedl stehen noch immer vor der Hypovereinsbank und staunen. Jetzt ist nur noch eine Sichel der Sonne zu sehen. Beide Frauen sind sich einig, dass es kühler geworden sein muss. Tatsächlich zeigt das Thermometer über ihnen sechs Grad an. Das Thema Sonnenfinsternis beherrscht den Markt auf dem Stadtplatz. Auch am Tandlmarkt stehen die Menschen jetzt in der Sonne und sehen nach oben. Die Sonnenfinsternis erreicht ihren Höhepunkt. Das Vogelgezwitscher wird leiser, ein Uhu ist dafür jetzt besser zu hören. Auch das Licht hat sich verändert, aber richtig dunkel geworden ist es auf dem Stadtplatz nicht. Um 10.48 Uhr steigt die Temperatur wieder an. Allmählich verschwinden die Schutzbrillen in Taschen und Mänteln. Der Mond macht der strahlenden Sonne wieder Platz. Maria Riedl und Christine Nießl wollen nun weiter. „2022 ist auch eine Sonnenfinsternis“, hat Christine Nießl herausgefunden. Etwa gegen 11.50 Uhr ist das Spektakel an diesem Tag vorbei.

i

Schlagworte

Aichach

Ihr Wetter in Aichach
22.05.1722.05.1723.05.1724.05.17
Wetter Unwetter
                                                Wetter
                                                wolkig
	                                            Wetter
	                                            wolkig
                                                Wetter
                                                wolkig
Unwetter8 C | 20 C
12 C | 24 C
8 C | 19 C
Das Wetter aus Ihrer Region
Nachrichten in Ihrer Region
Augsburger Allgemeine Aichacher Nachrichten Augsburger Allgemeine Donau Zeitung Donauwörther Zeitung Friedberger Allgemeine Günzburger Zeitung Illertisser Zeitung Landsberger Tagblatt Mindelheimer Zeitung Mittewlschwäbische Nachrichten Neu-Ulmer Zeitung Neuburger Rundschau Rieser Nachrichten Schwabmünchner Allgemeine Wertinger Zeitung
Ein Artikel von
Katja Röderer

Aichacher Nachrichten
Ressort: Lokales

Top-Angebote



Alle Infos zum Messenger-Dienst
Partnersuche