Pöttmes Oberhalb von Pöttmes am Galgenberg blickt der Besucher weit ins Donaumoos hinein. Bürgermeister Franz Schindele hat an diesem erhöhten Standort, an dem vor Jahresfrist ein Vogelbeerbaum gepflanzt und erst vor knapp zwei Wochen ein Gedenkstein errichtet worden ist, eine Vision: „Vielleicht sehen sie in Gedanken ganz weit über dem Horizont den Böhmerwald“.
Im südlichen Böhmerwald hatten viele Pöttmeser ihre heimatlichen Wurzeln, genauer in der Gemeinde Ogfolderhaid in der Nähe von Oberplan. Dieses Dorf im Böhmerwald ist nach Flucht und Vertreibung dem Erdboden gleichgemacht worden und musste einem Truppenübungsplatz weichen. Doch die Erinnerung an Ogfolderhaid lebt in Pöttmes weiter, weil sich viele Heimatvertriebene aus dem Böhmerwald in Pöttmes niedergelassen und hier eine neue Heimat gefunden haben. Einmal im Jahr treffen sich die ehemaligen Ogfolderhaider in Pöttmes, aber sie kommen auch von weiter her, aus dem Württembergischen zum Beispiel. Dieser Tage war es wieder so weit.
Einer von ihnen, Erwin Franz aus dem Neu-Ulmer Ortsteil Gerlenhofen, hat in mühevoller Kleinarbeit eine Ortschronik zusammengestellt, Maria Veit und das Ehepaar Renate und Rudi Merwald haben zusammen mit rund 50 weiteren Ogfolderhaidern zunächst im Hotel Reidinger eine Reise in die Vergangenheit angetreten und sind anschließend hinauf auf den Galgenberg gefahren.
Dort wurde – wie erwähnt – erst kürzlich ein Gedenkstein aus Böhmerwaldgranit gesetzt, um den sich die Heimatfreunde aus Ogfolderhaid versammelt haben. Weit ins Land hinein geht ihr sehnsüchtiger Blick weit über den Horizont hinaus in Richtung Böhmerwald.
Auch Bürgermeister Franz Schindele war gekommen, entbot seine Grüße und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass auch die Böhmerwäldler nach dem Krieg nicht nur in Pöttmes ganze Aufbauarbeit geleistet haben. An der Eberesche erklang nicht nur das Lied vom „Vogelbeerbaum“, sondern auch ganz inbrünstig gesungen das Böhmerwaldlied aus Ogfolderhaid.
Zuvor war im Rahmen eines Filmvortrags der Jahresablauf in der ehemaligen Heimat wieder lebendig geworden.
Noch im Sommer werden die Ogfolderhaider aus Pöttmes, aus Mering, aus Württemberg, wieder nach Lackenhäuser im Dreieck Bayerischer Wald, Böhmerwald und Österreich fahren und von dort einen Tag ins tschechische Sperrgebiet. Jenes Areal also, in dem einst ihre Heimatgemeinde Ogfolderhaid stand und von der heute nichts mehr übrig geblieben ist. „Vergangen, aber nicht vergessen“, so hat es Erwin Franz formuliert, und dies soll noch viele Jahre so bleiben. „Aus der Vergangenheit lernen“, hat Bürgermeister Franz Schindele den am Galgenberg Versammelten mit auf den Weg gegeben. Und mit der Heimat – der Natur und der eigenen Umwelt – sorgsam umgehen. Damit der Vogelbeerbaum am Galgenberg weiter wächst und gedeiht.