Dienstag, 26. September 2017

08. Juli 2014 00:32 Uhr

Ausstellung

Ein Teppich ohne Funktion

Der Nürnberger Sebastian Kuhn stellt in Aichach aus und schafft es, Alltagsgegenstände zu inszenieren Von Manuela Rieger

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Viel Plexiglas in allen Farben, dazu einmal ein Teppichboden oder Lüftungsgitter: Sebastian Kuhn fügt alltägliche Gegenstände zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Wer den Ausstellungsraum betritt, bleibt unwillkürlich stehen und hält kurz den Atem an. Denn der in Nürnberg lebende Künstler beweist, dass er mit sparsamen Mitteln spektakuläre Inszenierungen schaffen kann.

Jakob Steinberger, Vorsitzender des Kunstvereins Aichach, und Bürgermeister Klaus Habermann begrüßten die zahlreichen Gäste zur Ausstellungseröffnung „Afterglow“ im San-Depot an der Donauwörther Straße. Sebastian Kuhn stellt dort Objekte vor, die eigens für diese Ausstellung erarbeitet wurden. Die Hamburger Kunsthistorikerin Prof. Ursula Panhans-Bühler sprach erklärende Worte zu des Künstlers Arbeiten. Sebastian Kuhn arbeitet mit Objekten des Alltags und nutzt den Umstand, dass diese eine Vorgeschichte haben und Betrachter bestimmte Erfahrungen, Funktionen, Handlungen und Gefühle mit ihnen verbinden. Zudem zeigt kein Objekt die Verwendung eines einheitlichen Materials.

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Der Stoff, aus dem zum Beispiel das Werk „Display Devices“ besteht, ist verschiedenartig, separiert und nur gehalten von einer Hobelmesserklemme, die man öffnen muss, um die Kraft zu besiegen, die das gesamte Werkstück an der Wand hält.

Bei „RedBlackLightStrangelet“ hängt die Materie im architektonischen Raum, ein momentaner Stillstand in einer unendlichen Reihe von Arrangements, die unserem Blick verborgen bleiben, und unsere gewohnte Art, Dinge einzuordnen, wird zu neuen Konstellationen des Verstehens.

Nüchternes Plexiglas als Ausgangsmaterial

Obwohl die Objekte hauptsächlich aus nüchternem Plexiglas bestehen, erinnern diese in Form und visuellem Gewicht an Bewegungen und Gestalt einer Art schwereleichter Skulptur, wie sie ihre Blütezeit in den 1960ern und 1970ern hatte, als untypische Materialien wie Walzblech mit entsprechenden industriellen Techniken zusammengesetzt wurden.

In den „Display Devices“ ist jeweils ein Objekt aus der Alltagswelt der Ursprung für ein Werk, das dann mit anderen Gegenständen, wie Plexiglas und Nägel, zu einer Skulptur wird.

Es sind altbekannte Elemente, oft Teile alltäglicher Gebrauchsgegenstände, die Sebastian Kuhn in seinen Plastiken verbaut. Dennoch wirken seine Skulpturen nicht wie von dieser Welt. Etwas Fantastisches haftet ihnen an. Kuhn bezieht sich immer wieder auf Altbekanntes und vollzieht dabei eine Gratwanderung zwischen Wiedererkennbarkeit und Verfremdung: Ein Werk stammt aus der Reihe „The Kubrick Sessions“, die sich mit Stanley Kubricks Bilderwelt befasst. Sehenswert, Zeit nehmen und unbedingt ansehen.

Die Ausstellung „Afterglow“ im Aichacher San-Depot ist bis einschließlich Sonntag, 24. August, immer samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung zu sehen.

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