Freitag, 15. Dezember 2017

04. April 2014 06:00 Uhr

Aichach-Friedberg

Feuerwehr: Unfall-Fotos bei Facebook können schlimme Folgen haben

Schaulustige fotografieren immer häufiger Unfälle und stellen die Bilder ins Internet - mit teils katastrophalen Folgen.

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Sommer vergangenen Jahres. Ein schwerer Autounfall ereignet sich auf der Bundesstraße B 300. Ein Mann aus dem Landkreis Aichach-Friedberg kommt dabei ums Leben. Die grausame Nachricht erfahren die Angehörigen über das soziale Medium Facebook. Stunden, bevor die Polizei sie informiert, sehen sie das Bild des zerstörten Autos im Internet. Ein Schaulustiger hat es beim Vorbeifahren gemacht und auf seiner privaten Facebook-Seite gepostet. Als ein Bekannter des Verstorbenen das Unfallauto erkennt, informiert er die Familie – eine Tragödie.

„Warum das Leid anderer Menschen im Internet posten?“

Kreisbrandrat Ben Bockemühl erinnert sich noch genau: „Das war ein markantes Auto. Deshalb wusste man sofort, wer das Opfer ist.“ Er findet: Solche Bilder haben in den sozialen Medien nichts verloren: „Warum muss ich das Leid anderer Menschen im Internet posten?“ Gegen den Voyeurismus von Schaulustigen ist die Feuerwehr machtlos. „Dagegen können wir nichts machen“, sagt Bockemühl. „Wir können lediglich an die Vernunft der Menschen appellieren.“

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Der Kreisbrandrat nahm diesen Vorfall in den jüngsten Versammlungen zum Anlass, um seine eigenen Leute für dieses Thema zu sensibilisieren. Schließlich könnte der ein oder andere in die Versuchung kommen, einen Unfall zu fotografieren und zu posten. So etwas habe es im Landkreis Aichach-Friedberg zwar noch nie gegeben, ist sich Bockemühl sicher. Dennoch weisen die Verantwortlichen der Feuerwehr auf ihren Versammlungen verstärkt auf den richtigen Umgang mit Facebook hin. „Wir bitten unsere Kameraden, genau zu überlegen, was sie ins Internet stellen und was nicht“, sagt Bockemühl.

Klare Vorgaben bei der Feuerwehr Aichach

Die Freiwillige Feuerwehr Aichach ist seit gut einem halben Jahr bei Facebook aktiv. Sie postet Informationen und Links zu Bildergalerien auf ihrer Internetseite. Ihrer Verantwortung seien sich die Internetbeauftragten der Aichacher Feuerwehr bewusst, sagt Kommandant Michael Sieber: „Wir haben klare Vorgaben. Es dürfen keine Personen zu sehen sein und keine privaten Fotos gemacht werden.“ Seiner Meinung nach geht die größte Gefahr aber nicht von den Einsatzkräften aus, sondern von Schaulustigen. Das hat Sieber vermehrt bei Einsätzen auf der Autobahn beobachtet: „Gefühlt holt jeder Zweite sein Handy raus und fotografiert oder filmt den Unfall.“ Kurz danach steht das Material in Youtube oder auf Facebook. „So schnell sind wir natürlich nicht“, sagt Sieber. Die Aichacher Feuerwehr bemüht sich dennoch, die Internetseite möglichst aktuell zu gestalten. Wenige Stunden nach einem Unfall erfährt der Nutzer, was passiert ist.

Für Kreisbrandrat Bockemühl ist die Öffentlichkeitsarbeit im Internet eine Notwendigkeit: „Es ist wichtig, dass wir über unsere Arbeit berichten.“ Dabei nutzt die Feuerwehr die Vorteile des Internets: Jugendliche und Feuerwehrmitglieder sind so viel besser und vor allem schneller zu erreichen.

Kreisbrandrat appelliert an das Feingefühl seiner Leute

Verhaltensrichtlinien für soziale Medien gibt es für die Feuerwehren im Landkreis Aichach-Friedberg nicht. Bockemühl appelliert aber an das Feingefühl seiner Leute: „Sie sollen sich immer die Frage stellen, ob dieses Bild wirklich wichtig für die Welt ist.“ Die einzige Vorgabe sei abzuwarten, bis die Angehörigen über den Unfall informiert worden sind. Dann dürfe das Bild online gestellt werden.

Im Gegensatz zur Feuerwehr Augsburg dürfen die Feuerwehrleute aus dem Wittelsbacher Land ihre Handys mit zum Einsatz nehmen. Fotos sind hingegen tabu. Die Feuerwehr Aichach hat deshalb eine Feuerwehrkamera. Damit macht das eigene Presseteam Bilder und stellt sie ins Internet. „Natürlich nur nach Rücksprache mit den Kommandanten“, betont Kommandant Michael Sieber.

Die Feuerwehr München ging vor etwa einem Jahr noch einen Schritt weiter und entwickelte ein eigenes Regelwerk. Auf drei Seiten wird beschrieben, wie sich die Feuerwehrleute in den sozialen Netzwerken verhalten sollen. Florian Hörhammer von der Pressestelle erklärt: „Jeder weiß, dass er von Einsätzen nichts weiterzugeben hat.“ Gerade Bilder seien ein absolutes Tabu. Falls jemand gegen die Regeln verstoße, müsse er mit drastischen Folgen rechnen. Das führte in der Vergangenheit bis zur Entlassung. „Da gibt es kein Pardon“, sagt Hörhammer.

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