Donnerstag, 23. März 2017

18. Oktober 2010 21:25 Uhr

Affing-Aulzhausen

Für Völkerverständigung und gegen Vorurteile

Diese traurige Geschichte ist der Beginn einer Freundschaft: Zitternd und abgemagert steht der 22-jährige Pole in der Kälte. Vor ihm zieht ein Gespann den hölzernen Karren mit seinem Sarg. Ein gedrehter, fester Strick, passend für seinen Hals, wartet bereits auf ihn. Tod durch Erhängen: So wird der Aulzhausener Zwangsarbeiter Michael Kwik 1944 ums Leben gebracht, weil er die Uniform eines Wehrmachtsoffiziers beschädigt hat. Von Saskia Kerschbaum

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Affing-Aulzhausen. Diese traurige Geschichte ist der Beginn einer Freundschaft: Zitternd und abgemagert steht der 22-jährige Pole in der Kälte. Vor ihm zieht ein Gespann den hölzernen Karren mit seinem Sarg. Ein gedrehter, fester Strick, passend für seinen Hals, wartet bereits auf ihn. Tod durch Erhängen: So wird der Aulzhausener Zwangsarbeiter Michael Kwik 1944 ums Leben gebracht, weil er die Uniform eines Wehrmachtsoffiziers beschädigt hat.

Jahrzehnte später interessiert sich der Aulzhausener Johannes Grabler jun. für die Geschichte des inzwischen namenlosen "Polengrabs" und findet Kwiks noch lebende Schwestern in Polen. Auf seinem Grab errichtet er zum Gedenken das sogenannte Polnisch-Deutsche Versöhnungskreuz. Dieses Kreuz gab den Anlass für eine Partnerschaft zwischen Kwiks Heimatgemeinde Lobez (gesprochen: "Wopesch") in der Nähe der Ostsee und der Gemeinde Affing, die seit 1997 und bis heute intensiv gepflegt wird.

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Gestern Abend tagte das Affinger Partnerschaftskomitee und Lorenz Drexl, seit 13 Jahren Vorsitzender, stellte sich wieder zur Wahl. Eigentlich hätten ein paar Vertreter des Komitees in diesem Jahr das Erntedankfest in Lobez gefeiert, aber "das ist wegen eines Hagelsturms leider ausgefallen", bedauert Drexl. Auch ob die Freunde aus Polen zum Affinger Weihnachtsmarkt kommen, ist noch offen. Im nächsten Jahr sind aber zwei Besuche geplant: Die Affinger wollen den Ostermarkt in Lobez mit einer Delegation besuchen und Ende des Jahres sollen die Partner an den Lechrain kommen. Fest steht auch ein anderer Termin: Am nächsten Montag legt wieder ein Vertreter des polnischen Generalkonsulats einen Kranz am Grab von Michael Kwik in Aulzhausen nieder.

An diesem Grab ist auch der Freundschaftsvertrag der beiden Städte begründet: "Wir, das heißt die Gründungsmitglieder des Komitees waren alle 1997 bei der erneuten Weihung von Michael Kwiks Grab dabei, zum Beispiel der damalige Affinger Bürgermeister Helmut Tränkl und sein polnischer Kollege Marek Romeyka." Eine Partnerschaft sei ihnen damals als ein natürlicher Schritt erschienen.

Es folgte ein regelmäßiger Austausch einzelner Reisegruppen, die für jeweils eine Woche die Partnerstadt kennenlernen dürfen. Drexl selbst war bereits 17-mal in Lobez und ist von der Stadt begeistert. "Sie ist ungefähr so groß wie Aichach, um die 15 000 Einwohner. Vor 17 Jahren sah Lobez noch aus wie eine typische Ostblockstadt, aber inzwischen hat sich viel getan." Dazu hat auch das Komitee seinen Beitrag geleistet: Mithilfe gesammelter Spenden unterstützen die 45 Mitglieder das Behindertenheim, das Waisenhaus und die Lobezer Grundschule.

Dazu Drexl: "Wir haben zum Beispiel einen Klassenraum gesponsert, aber auch Bücher und Schulranzen." 2003 und 2004 entsandte das Komitee im Rahmen einer Hilfsaktion außerdem medizinische Geräte für Sozialeinrichtungen in Lobez. Dabei bleibt es allerdings nicht. In den folgenden Jahren kommt es zu einem regelmäßigen musikalischen und sportlichen Austausch. So besucht die Volkskapelle Lapuz zweimal die Veranstaltung "Klingendes Affing", die das Komitee gemeinsam mit der Volkstanzgruppe Anwalting organisiert.

Im Gegenzug fährt die Musikgruppe Affing im Jahr 2000 in die polnische Partnerstadt und sorgt mit bayerischer Blasmusik für gute Stimmung. Aber auch sportlich entdeckt man einige Gemeinsamkeiten: Affing und Lobez tauschten schon einige Male Volleyball- und Fußballmannschaften aus. So gewinnt die "Affinger Elf" mit Bürgermeister Rudi Fuchs 2007 das internationale Hallenfußballturnier in Lobez.

Für viele Jahre Engagements wurde der heute 64-Jährige im Mai 2007 von der Augsburger Allgemeinen mit der Silberdistel ausgezeichnet. Darauf sei er sehr stolz, sagt Drexl dazu. "Aber viel wichtiger ist es mir, Polen als Land ins Bewusstsein zu rufen. Gerade bei der deutsch-polnischen Vergangenheit möchte ich einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten."

Spendenadresse Augusta Bank Augsburg, BLZ 720 900 00, Kontonummer 0 416 223.

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