Samstag, 25. März 2017

25. April 2013 06:00 Uhr

Klinik

Geburtshilfe bleibt das Lieblingskind

Immer mehr Abteilungen in Bayern müssen schließen. Doch die Ärzte und Hebammen in Aichach wollen um ihre Station kämpfen. Auch wenn es für sie anstrengend und teuer ist.

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Der neue Belegarzt

Geboren im baden-württembergischen Crailsheim, hat Ronald Goerner (51) die meiste Zeit seiner medizinischen Laufbahn in Heidelberg verbracht. Dort absolvierte er auch seine Ausbildung und war als Oberarzt tätig. Nach einer Zeit im Ausland arbeitete er wieder in Deutschland, unter anderem in einer Privat- und der Uniklinik Tübingen. Zuletzt war er Chefarzt eines Krankenhauses im Rheinland und in Hamburg.

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Spezialgebiete sind unter anderem Brust- und kosmetische Chirurgie sowie gynäkologische Onkologie. Mit seiner Frau, auch Gynäkologin, hat er eine kleine Tochter. Goerner wünscht sich für die Zukunft, die Praxis, in der er seit April als Nachfolger von Dr. Karl Fürst arbeitet, in das Aichacher Krankenhauses integrieren zu können.

Kürzere Wege für Ärzte, Personal und Patienten würden Vorteile bringen. Er sei froh, jetzt in Aichach zu sein. Denn in kommunalen Kliniken könne man sich persönlicher als in privaten um die Patienten kümmern. Denn dort würde zu sehr aufs Geschäft geschaut. (cki)

Wertingen, Münchberg oder Landau: Die Liste der Geburtsstationen in Bayern, die schließen müssen, wird länger. Während in Friedberg 2012 fast 600 Babys auf die Welt kamen und die Abteilung als gesichert gilt, liegt Aichach mit etwas mehr als 200 schon seit Jahren unter einer von Experten definierten Mindestgrenze von 300 Geburten. Droht dadurch das Aus?

Ein klares Nein dazu kommt von Dr. Krzysztof Kazmierczak. Der Geschäftsführer der Kliniken an der Paar sieht die Gynäkologie und Geburtshilfe am Standort Aichach gut aufgestellt. Dem Eigenbetrieb des Kreises entstünden kaum Kosten, da Ärzte und Hebammen nicht fest angestellt und daneben in eigenen Praxen tätig sind. Für sie ist das nicht so einfach. Denn die Belastung ist hoch, der Verdienst gering.

Hebammen-Praxisleiterin Dagmar Schmaus berichtet von Stundenlöhnen unter 15 Euro, aber einer Haftpflicht pro Hebamme von rund 4300 Euro im Jahr. Die Geburten, nach denen sie bezahlt werden, könnten das nicht decken. Deshalb bieten sie und ihre fünf Kolleginnen nach der Schicht im Kreißsaal und Hausbesuchen Kurse an, um über die Runden zu kommen. „Der Ausgleich der Kassen von sechs Euro pro Geburt und acht Cent für jeden Besuch am Wochenbett sind ein Witz“, kritisiert sie. Einigen von ihnen komme da schon der Gedanke aufzuhören. Ohne ein „großes persönliches Engagement und den sozialen Gedanken“ gehe es gar nicht.

Die Belastung für die beiden Belegärzte ist ebenfalls beachtlich. Dr. Sorin Turcu-Reiz und Dr. Ronald Goerner, Nachfolger von Dr. Karl Fürst, arbeiten jeweils an 15 Tagen monatlich im Krankenhaus und sind dann rund um die Uhr in Bereitschaft. Nebenher muss die Praxis weiterlaufen. Doch sie wollen alles tun, um die Abteilung zu erhalten, betonen die beiden, und sind zuversichtlich, das zu schaffen. Daher versuchen sie, weitere Kollegen in die Praxis zu integrieren, am liebsten Goerners Frau. Sie ist ebenfalls Gynäkologin und gerade in Elternzeit. „Eine Gynäkologie ohne Geburtshilfe funktioniert genauso wenig wie andersherum“, erklärt Turcu-Reiz. „Daher hoffen wir auf eine gute Zusammenarbeit mit den Nachfolgern des früheren Belegarztes Dr. Ring.“ Die Ärzte bedauern, dass diese nicht auch in der Klinik tätig sind und sie unterstützen.

Damit Gynäkologie und Geburtshilfe attraktiv bleiben, soll die Abteilung laut Kazmierczak in den Neubau des Krankenhauses einziehen. Sie habe große Bedeutung, sagt er, denn Frauen kämen häufiger zur Behandlung als Männer. „Und die Geburtshilfe ist das Schönste, was es in einer Klinik gibt“, schwärmt er.

Auch wenn laut Landratsamt eine Zusammenlegung der Station mit Friedberg nicht geplant ist, geht der Trend doch zur Zentralisierung, erläutert Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft und früherer Chef der Kliniken an der Paar. Er geht davon aus, dass im Freistaat noch einige Abteilungen schließen werden, die alleine nicht überlebensfähig sind. Bei wesentlich weniger als 300 Geburten im Jahr beginne vielerorts das Nachdenken, ob dort auch weiter Kinder auf die Welt kommen können.

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Aichacher Nachrichten.

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Ein Artikel von
Christian Kirstges

Günzburger Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten



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