Mit Wut und Bestürzung haben Anwohner im Raum Affing gestern darauf reagiert, dass am Augsburger Flughafen eines der modernsten Hubschraubercenter Deutschlands entstehen soll. Das Luftfahrtunternehmen Heli Aviation will kräftig erweitern. Die Bürger befürchten, dass die Lärmbelästigung dadurch weiter zunimmt. Ein Großteil des Flughafens liegt auf der Flur der Gemeinde Affing.
„Der Augsburger Flughafen ist die Müllkippe von Südbayern"
Manfred Hengster aus dem Affinger Ortsteil Miedering ist Vorsitzender der Initiativen gegen Fluglärm in Gersthofen, Augsburg und Umgebung. Ihm hat die gestrige Nachricht das ganze Wochenende verdorben. „Schlimmer geht es nicht mehr. Die Hubschrauber sind etwas ganz Ekelhaftes“, verweist er auf das lange und laute Geräusch der Maschinen. Der Rechtsanwalt der Initiativen, Hermann Michael Girr, formuliert es noch drastischer: „Der Augsburger Flughafen ist die Müllkippe von Südbayern. Alles, was anderswo weg muss, wird hier mit offenen Armen empfangen.“
Wie berichtet, verlegte die Firma Heli Aviation erst im April ihren Betriebssitz von Wallerstein (Kreis Donau-Ries) nach Augsburg. Ein Grund für den Ortswechsel war massiver Ärger mit den Anwohnern in Wallerstein wegen Fluglärms. Das Unternehmen bietet unter anderem Fracht-, Personen-, Rund- und Filmflüge mit dem Hubschrauber an. Vier Hubschrauber sind bereits in Augsburg stationiert, zwei weitere sollen folgen.
Die Firma hat es sich nach eigenen Angaben zum Ziel gesetzt, einen der modernsten Schulungsbetriebe für Privat- und Berufspiloten in Deutschland zu betreiben. Dazu sollen unter anderem fünf Millionen Euro investiert und das Personal bis zum Sommer 2012 von 17 auf mindestens 60 Mitarbeiter aufgestockt werden. Zwar war im April bereits von Erweiterungen die Rede, das jetzige Ausmaß erscheint aber neu.
Affings Bürgermeister überrascht
Auch Affings Bürgermeister Rudi Fuchs zeigte sich gestern überrascht über die erhebliche Expansion. Er betonte jedoch, dass das Vorhaben durch den Planfeststellungsbeschluss gedeckt sein müsse. Insbesondere das Luftamt Südbayern habe zu prüfen, ob die Spielregeln eingehalten werden. Derzeit gebe es keine aktuellen Beschwerden Affinger Bürger. „Die Gemeinde und insbesondere die Anlieger werden aber sicher mit Argusaugen beobachten, ob die Lärmbelästigung zunimmt“, so Fuchs.
Nicht nur Rechtsanwalt Girr und Hengster sind davon überzeugt, dass Letzteres der Fall sein wird. Auch Rolf Fissel aus dem Affinger Ortsteil Aulzhausen erklärt: „Die Hubschrauber kommen ja nicht, um am Boden zu stehen.“ Fissel ist stellvertretender Affinger Bürgermeister und Mitglied der Flughafen-Lärmschutzkommission. Er berichtet, dass insbesondere der Friedberger Stadtteil Derching und Dickelsmoor seit April unter stärkerer Lärmbelästigung zu leiden hätten.
Heli Aviation verwehrt sich mit Verweis auf die Auflagen dagegen, dass künftig mehr Lärm entsteht. Laut Betriebsbestimmung darf beispielsweise immer nur ein Helikopter über dem Flughafen und seinem Umkreis in der Luft sein. Girr und Hengster vermuten jedoch schwer, dass die Augsburger Flughafen GmbH schon bald einer Aufweichung dieser Regelung zustimmen wird. Hengster kündigte an, dass die Initiativen schon jetzt rechtliche Möglichkeiten ausloten werden.
Er setzt vor allem auf die Überprüfung der Lärmprognose, die im Planfeststellungsbeschluss festgeschrieben ist. Dort sei nach Hengsters Wissen von abnehmendem Hubschrauberlärm die Rede.