Freitag, 28. April 2017

23. März 2015 11:04 Uhr

Aichach

Gymnasiasten spielen Schillers "Maria Stuart" 

Es war ein Experiment auf hohem Niveau: Die Theatergruppe des Aichacher Gymnasiums spielte Friedrich Schillers „Maria Stuart“. Von Vicky Jeanty

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Die bösen Geister als personifiziertes schlechtes Gewissen umkreisen Maria Stuart (Julia-Maria Schiemann) in ihrem Gefängnis.
Foto: Vicky Jeanty

Aichach Majestätisch in ihrer Robe, mit knallroten Lippen im blass geschminkten Gesicht, schreitet Königin Elisabeth I. von England daher. Im Tross ihre nicht minder machtgierigen Lords. Miriam Fendt (Q12) als Elisabeth lässt sich gnädig beim Ersteigen ihres Throns helfen, sitzt endlich, schön erhöht, und fixiert wortlos und hochnäsig ihr Volk.

Die Theatergruppe des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums zeigten am Freitag und Samstag Friedrich Schillers „Maria Stuart“ in der neuen Aula. Sie hatten sich dazu einiges einfallen lassen.

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Das Auf- und Absteigen der Königin vom Podest spielt in dem Drama um die Rechte zweier machthungriger Frauen – Königin Elisabeth I. von England und Maria Stuart, Königin von Schottland – eine wichtige Rolle. Hier kann sich Elisabeth zurückziehen, hier empfängt sie ihre Untergebenen. Es sei denn, das Volk samt Hofstaat versammelt sich vor diesem Podest der Macht. Um anzuklagen, um Gnade für die eingekerkerte Maria zu erbitten oder deren Tod einzufordern.

In diese Niederungen muss auch Elisabeth gelegentlich hinab steigen. Hier trifft sie die Rivalin Maria Stuart (Julia-Maria Schiemann, Q11). Hier tänzelt sie mit dem um ihre Gunst buhlenden Leicester (Simon Paulus). Hier überbringt man ihr die Nachricht von Marias Hinrichtung. Triumph und Hass, Sehnsucht und Trauer, Einsamkeit und Enttäuschung finden hier unten statt.

Miriam Fendt muss dafür ihre anfänglich starre Mimik loslassen und Gefühle zeigen. Das gelingt ihr gut. Am Ende, als sie von allen verlassen mit dieser Todesbotschaft da sitzt, verreibt die Schöne das Rouge übers halbe Gesicht, krallt die rot lackierten Fingernägel wie eine geschlagene Löwin in den Bühnenboden und offenbart ihr unglückliches Ich.

Ausschließlich auf diesen harten Boden ist Maria Stuart, Königin von Schottland und Elisabeths Cousine, verbannt. 19 Jahre Haft haben ihre Hoffnung auf Milde durch Elisabeth nicht gebrochen. Die katholische Maria ist laut Abstammung ebenfalls thronberechtigt, doch die protestantische „virgin queen“ Elisabeth lässt die Rivalin einkerkern.

Um die beiden Frauen intrigiert ein männlicher Hofstaat. Doppelagent Mortimer (Hannes Köppel, Q12) übernimmt sich in seiner selbst ernannten Rolle als Marias Lebensretter. Leicester (Simon Paulus) setzt abwechselnd auf Maria und Elisabeth und flieht am Ende vor jeglicher Verantwortung. Allein Burleigh (Lucas Reiner, Q11) bleibt seiner fiesen Rolle als scharfzüngiger Einflüsterer treu. So wie Lady Shrewsbury (Katharina Ungelenke, Q12) – bei Schiller ist das ein männlicher Part – unablässig, doch vergebens an Elisabeths Milde appelliert.

Titelheldin Maria ist von Beginn an in einer hoffnungslosen Lage. Nur ihre Zofe Hanna (Lena Heitmeir, Q11) und ihr Hüter Paulet (Isabella Kaczmarek, Q12) heitern sie gelegentlich auf. Mortimer weist sie zurück, der angeblich treue Leicester lässt sie im Stich. Im Wortduell mit Elisabeth schlagen sich beide mit schauspielerischer Bravour durch eine politisch, religiös und sexuell aufgeladene Privatfehde, die Maria zu Boden ringt. Julia-Maria Schiemann mimt glaubwürdig die abgekämpfte, reumütige, doch im Innern ungebrochene Königin.

Der Schiller-Klassiker enthält in der Inszenierung von Silke Frauenholz-Funk und ihren 21 Spielern trotz Kürzung alle wichtigen Szenen. Die Botschaft ist aktuell: Welche Religion ist die richtige und verführt zu welchen Ausschreitungen? Dass Frauen in männlich besetzten Domänen zu sehen sind, ebenso.

Schwarze Wände bilden den Hintergrund des Bühnengeschehens: rechts Elisabeths erhöhte Domäne, links Marias nacktes Verlies. Aus der Aula zur Bühne hin stürmt gelegentlich das aufgebrachte Volk, französische Gesandte radebrechen sich um Kopf und Kragen, ein einsamer Scheinwerfer verfolgt die Auf- und Abtritte der Protagonisten. Musik begleitet die Stimmungslage der Darsteller.

Eine sehr gelungene Inszenierung, die an beiden Tagen von über 300 Zuschauern mit frenetischem Applaus gefeiert wurde. Tolle Kostüme, tadellose Technik, eine eigene Theaterzeitung von Theo Harzer und Maximilian Glas. Für den erkrankten Benedikt Gattner (Q,12), sprang Simon Paulus ein. Er lernte seinen Text in vier Tagen.

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