Das Hubschrauber-Unternehmen Heli Aviation beantwortet erstmals öffentlich Fragen und zeigt Kompromissbereitschaft. Die Lärm-Kommission setzt auf eine einvernehmliche Lösung. Von Thomas Gossner

Am Ende zeigte sich die Firma Heli Aviation offen für Gespräche. „Wir sind gerne bereit zu Kompromissen“, sagte Chefpilot Alexander Neumann gestern bei der Sitzung der Fluglärmkommission. Das Unternehmen stellte sich dabei erstmals öffentlich den Fragen und Beschwerden der Flughafen-Anwohner. Vorausgegangen waren teilweise emotionale Debatten, bei denen neben Heli Aviation auch Flughafen-Geschäftsführer Peter Bayer, die Augsburger Wirtschaftsreferentin Eva Weber und Dr. Robert Biberger vom Luftamt Südbayern im Kreuzfeuer der Kritik standen.
Für besonderen Ärger sorgte der Umstand, dass die zeitlichen Beschränkungen für die Schulungsflüge mit Hubschraubern auf kaltem Wege ausgehebelt wurden. Sie gelten nämlich nur für den Bereich des Segelfluggeländes, sodass die Piloten während der Mittagszeit und am Wochenende einfach auf das übrige Flughafengelände ausweichen. Eine interne Regelung, wonach die Schulungsflüge nur auf dem Segelfluggelände stattfinden dürfen, hat offenbar keinen Bestand. Auch die in der Fluglärmkommission erarbeitete Platzrunde ist nur eine Empfehlung an die Piloten.
So berichteten die Anwohner denn auch von einer stark gewachsenen Lärmbelastung – im gesamten Umfeld des Flughafens. Über einem Anwesen auf Gersthofer Flur wurden Anfang Dezember 36 Flugbewegungen binnen 45 Minuten gezählt. Beschwerden laufen meist ins Leere – die Flugsicherung fühlt sich nicht in der Lage, entsprechenden Hinweisen nachzugehen. Ob Mindestflughöhen tatsächlich eingehalten werden, kann auch der Tower nur mit bloßem Auge beurteilen.
„So geht es nicht“, stellte Affings 2. Bürgermeister Rolf Fissel fest, der darum ein Beschwerdemanagement forderte: „Es muss die Möglichkeit geben, dass Anwohner Fragen stellen und Antworten bekommen.“ Augsburgs Wirtschaftsreferentin Weber stellte in Aussicht, dass im Internet dazu mehr Transparenz geschaffen werden soll (siehe Infokasten).
Die Zahl der Flugbewegungen hat laut Flughafen-Geschäftsführer Bayer im vergangenen Jahr zugenommen, um rund 6000 auf etwa 55 000. Auf die Firma Heli Aviation, die seit April 2011 in Augsburg ansässig ist, entfallen 1754 Starts und Landungen. Wie Chefpilot Neumann berichtete, soll sich diese Zahl nicht erhöhen. Nach seinen Angaben werden in Deutschland pro Jahr konstant an die 70 Hubschrauberpiloten ausgebildet, davon 20 durch Heli Aviation am Standort Augsburg.
Neumann betonte, dass 95 Prozent der Beschwerden nicht die Aktivitäten von Heli Aviation beträfen, da sie besonders leise Maschinen im Einsatz habe. „Sie brauchen als Bürger den Hubschrauber genauso“, warb er um Verständnis, sei es für Rettungseinsätze oder für den Bau von Offshore-Windanlagen. Offen blieb die Frage, was die Ansiedlung des Unternehmens der Stadt Augsburg überhaupt bringt: Wirtschaftsreferentin Weber lehnte eine Aussage mit Hinweis auf das Steuergeheimnis ab, Flughafen-Geschäftsführer Bayer sprach lediglich von Erlösen im niedrigen sechsstelligen Bereich.
Der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Friedbergs 3. Bürgermeister Manfred Losinger, drängte gleichwohl darauf, zu einer freiwilligen Vereinbarung zu kommen. In einem ersten Schritt wurde gestern die empfohlene Platzrunde so festgelegt, dass Hubschrauber künftig mehr Abstand vom Reiterhof Waldhaus halten. Eine komplette Überarbeitung der Runde soll folgen.
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