Er hatte es lange nicht leicht: Seine Mitschüler haben ihn gehänselt, ihm ins Trinken gespuckt und körperlich angegriffen. Derart provoziert hat ein 18-Jähriger an seiner Augsburger Schule einen Amoklauf angedroht. Von Evelin Ullmann
Von Evelin Ullmann
Aichach-Friedberg/Augsburg - Er hatte es lange nicht leicht an seiner Schule. Seine Mitschüler haben ihn gehänselt, ihm ins Trinken gespuckt und ihn auch körperlich angegriffen.
Derart provoziert hat ein 18-Jähriger aus dem westlichen Landkreis Aichach-Friedberg an seiner Augsburger Schule einen Amoklauf angedroht. Das brachte ihm jetzt am Aichacher Amtsgericht eine Verurteilung wegen Störung des öffentlichen Friedens ein.
Richter Dieter Gockel stufte den jungen Mann zwar nicht als gewaltbereit ein, dass der Angeklagte mehrere Drohungen ausgesprochen hat, stand aber nie in Zweifel. "Sie galten als Außenseiter und auch die bisherigen Amokläufer waren meist Außenseiter", hielt Gockel das Verfahren durchaus für gerechtfertigt. Der Jugendliche muss jetzt 40 Stunden sozialen Hilfsdienst in einem Altenheim leisten und drei Beratungsgespräche bei der Brücke führen. Der 18-Jährige nahm das Urteil an; somit ist es rechtskräftig.
Der Angeklagte machte vor Gericht alles andere als einen aggressiven Eindruck. Bleich, hager, mit Akademiker-Brille und gefalteten Händen saß der schüchtern, fast verängstigt wirkende junge Mann auf seinem Stuhl. Die Anklage warf ihm vor, Anfang 2008 gesagt zu haben, dass er Amokläufer cool finde. Wenn er 18 ist, werde er sich in Holland eine Waffe kaufen, habe er hinzugefügt.
Damals wurden in der Schule im Deutschunterricht gerade die Gründe von Amokläufen Jugendlicher durchgenommen. Im Februar diesen Jahres dann stürzte dem 18-Jährigen das Finanzbuchhaltungssystem am Computer ab, woraufhin er zu seinen Mitschülern sagte, er werde sie alle abknallen.
Der Angeklagte räumte die Vorwürfe ein und entschuldigte sich. "Ich hatte wirklich nicht die Absicht, jemanden zu verletzen", betont er. Er habe im Affekt gehandelt und seine Worte nicht ernst gemeint. Bei einer Hausdurchsuchung wurden keine Waffen gefunden.
Die Geschichte war ins Rollen gekommen, als die Mutter einer Mitschülerin die Polizei informierte. Die Schule erfuhr erst von dem Vorfall, als der 18-Jährige angeklagt wurde. Dies wertete Pflichtverteidigerin Ursula Langer-Martin so, dass die Drohungen von den meisten Schülern nicht ernst genommen wurden.
So sah es auch einer der Lehrer des Angeklagten, der vor Gericht befragt wurde. Er bestätigte, dass es der junge Mann nicht leicht gehabt habe, da er ständig gemobbt worden sei - insbesondere von einer Gruppe männlicher Mitschüler. Dass der Gepeinigte einen Amoklauf verüben könnte, hielt der Lehrer für völlig abwegig. "Er ist ein freundlicher, friedfertiger Schüler, der großes Verantwortungsbewusstsein zeigt", betonte er. Da der Jugendliche jetzt in eine andere Klasse gehe, habe sich die Lage mittlerweile entspannt.
Auch das Jugendamt sieht den 18-Jährigen auf einem guten Weg, obwohl er auch privat hart zu kämpfen hat. Da seine Mutter sterbenskrank ist, verbrachte er einige Jahre im Kinderheim und wohnt jetzt unter der Betreuung des Jugendamts in einer eigenen kleinen Wohnung.
Staatsanwältin Constance von Stetten warnte davor, derartige Drohungen zu verniedlichen und forderte, dem Angeklagten eine Lektion in Form von 72 Stunden Hilfsdienst zu erteilen. Verteidigerin Langer-Martin plädierte dagegen für psychologische Hilfe und lediglich eine Verwarnung. "Wir sagen doch alle gelegentlich, da könnte ich Amok laufen", führte sie ins Feld.
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