Montag, 27. März 2017

15. März 2016 16:00 Uhr

Aichach

Kafkaesker Prozess

Am Aichacher Deutschherren-Gymnasium wird Franz Kafkas Klassiker „Der Prozess“ aufgeführt. Mit einem vierfachen Josef K., in einer gesonderten Textfassung und in Schwarz-Weiß Von Vicky Jeanty

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Aichach Es beginnt im Schlafzimmer. Zwei Gesetzeswächter betreten Josef K.’s Schlafgemach und teilen ihm seine Verhaftung mit. Der unbescholtene Prokurist gerät in die Zahnräder einer Justiz, die ihn zermalmen werden. Er irrt umher in einer kafkaesken Welt, die die Gesetze aushebelt und die doch das Gesetz zum Maßstab aller Dinge erhebt. Weder K. noch die Schergen noch die Richter scheinen deren Mechanismen zu verstehen, die dem einen zum Verhängnis werden und die die anderen in ihrem Recht belassen. Grotesk, absurd, dunkel, wahnhaft ist diese Welt, die Josef K. in ihren unsichtbaren Klauen hält. Franz Kafkas Roman „Der Prozess“ verfolgt den Leidensweg dieses Josef K. in einer gesonderten Theaterfassung brachte das Oberstufentheater des Deutschherren-Gymnasiums diesen „Prozess“ zur Aufführung.

Dunkel und mit schweren Carmina Burana Klängen geht es los. Dunkel sind all diejenigen gewandet, die den K. in den Wahn treiben, die Wächter, die Schergen, der Richter, der Geistliche. Monoton, teilnahmslos, meist ohne Augenkontakt zum Angeklagten, sagen sie die ungehörigsten Dinge demjenigen ins Gesicht, der sich in dem Spinnennetz ungesagter Anschuldigungen windet. Josef K. ist das Opfer (s)eines Prozesses, seine fast triebhafte Suche nach der allen zustehenden Gerechtigkeit verdichtet sich derart, dass er, und auch der Zuschauer, nie wissen, ob das noch Realität oder bereits wahnhafte Vorstellung ist.

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Vier Darsteller mimen Josef K.

In Aichach ließ Regisseurin Silke Frauenholz-Funk den K. in vierfacher Ausführung spielen. Wie Krebskranke sehen die vier aus – mit Glatze, dünn, gespenstisch weiß – reduzierte Gestik, reduzierte Sprache, kaum aufbrausend, schnell unterwürfig, den weiblichen Reizen nicht aufgeschlossen. Katja Blessing, Matthias Fendt, Julia Schiemann und Franca Maiterth haben diese schwere Rollenkost gemeistert. Für sie, wie auch für alle anderen Oberstufenspieler, blieb das anspruchsvolle Unterfangen eine große Herausforderung, zumal nicht alle Darsteller Bühnenerfahrung mitbrachten. Die Spielleiterin hatte eine Rollenfassung zur Hand, die einer ihrer Lehrerkollegen arrangiert hatte. Sie musste Andreas Kriegenburgs kongeniale Inszenierung in den Münchner Kammerspielen mit einem achtfachen K. im Hinterkopf haben. Runterdividiert für eine Schultheaterbühne, bot die Inszenierung viele kleine Sequenzen an, die das Nachvollziehen einer unfassbaren Sachlage auf jeden Fall erleichterten.

Die Textfassung behielt wesentliche Passagen bei. Facettenreich spiegelte sich K.’s Befindlichkeit, seine Gerechtigkeitssysiphusarbeit in der Rollenaufsplitterung wider, gestützt durch eine gewollt hilflose, resignierende Körperhaltung der Darsteller. Wie sollte auch Hoffnung aufkommen, wenn selbst der Geistliche in der Domszene empfiehlt, K. solle gar nicht erst versuchen zu verstehen, Meinungen seien eh unwichtig. Wenn die Parabel „Vor dem Gesetz“ nur mit dem Tod des nach Gerechtigkeit lechzenden Individuums endet. Wenn sogar der Advokat (Florian Oberhauser) einen eindeutigen Freispruch eines nicht nachweisbaren, schuldhaften Vergehens als unrealistisch einschätzt. Was Recht ist und was Gesetz sein könnte, darauf gibt es keine Antwort.

Die Nebendarsteller übernahmen mehrere Rollen

Die Nebenakteure stemmten zum Teil mehrere Rollen. Es waren die Frauen, die dem Geschehen Farbe gaben und Gefühle zeigten: die mütterliche Vermieterin Grubach (Johanna Lindermeir spielte auch die dominante Leni, Pflegerin des Advokaten), die emanzipierte Nachbarin (Annabel Jakob), die liebeshungrige Frau des Gerichtsdieners (Ida Markowski), die lebenslustige, taktierende Gerichtsporträtistin (Barbarella Petz). K ist in deren aller Köpfe, gelegentlich auch in deren Herzen, omnipräsent.

Viel begleitende Musik, tolle Off-Stimmeneinspielungen, eine tadellose Beleuchtungsszenerie, all das waren wesentliche Zutaten, die die durchgehend kafkaeske Bedrücktheit des Prozesses begleiteten. Starke Bilder gab es ganz zum Schluss: weiß behandschuhte Hände schwarzer Schergen greifen nach einem K., der vom Stuhl gestoßen wird, beim Fallen seinen weißen Zylinderhut zu retten versucht. Eine diffus beleuchtete Bühne, ein aufgebahrter K., in dessen Brustkorb ein glattes Schwert gestoßen wird.

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Aichach | Franz Kafka

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