Aichach Nichts geht mehr: Der Bildschirm ist blau, der Computer abgestürzt. Wenig Stabilität - das ist ein Grund, warum Jörg Schneider-Simon (38) seit sechs Jahren das Betriebssystem Linux (siehe Infokasten) auf seinem Rechner installiert hat. Anstatt des weit verbreiteten Systems Windows des Microsoft-Konzerns. Er ist überzeugt von der kostenlosen Software, bei der jeder mitprogrammieren kann.


Quellcode ist für alle Nutzer einsehbar
Inzwischen hat er sogar eine Linux-User-Gruppe in Aichach gegründet: um sich auszutauschen und gegenseitig zu helfen. Seit eineinhalb Jahren treffen sich jeden zweiten Freitag im Monat im Re(h)staurant in Aichach zwischen zehn und 20 Linux-Interessierte. "Wir sind keine Freaks", erklärt Jörg Schneider-Simon lachend, sondern eine bunt gemischte Truppe. Der Älteste ist inzwischen 81 Jahre alt, der Jüngste 15 Jahre. Der 38-Jährige ist in der IT-Branche im Produktmarketing einer Anti-Viren-Firma tätig. Aber in der Linux-User-Gruppe Aichach sind auch Psychologen, Rentner oder Schüler anzutreffen. "Nicht nur Computerspezialisten", betont Jörg Schneider-Simon.
Die Treffen haben in der Regel einen festen Ablauf. Normalerweise stellt ein Linuxer zu Beginn seine Erfahrung mit einem Problem oder einer neuen Technologie vor. Dann bespricht die Gruppe Lösungsmöglichkeiten und sitzt gemütlich zusammen. Das Schöne an Linux sei, so Jörg Schneider-Simon, dass man unter die Motorhaube sehen könne. Denn der Quellcode ist für alle Nutzer einsehbar. Jeder kann so seinen Teil zur Verbesserung des Betriebssystems beitragen. Das seien aber nicht nur Programmierer. "Manchmal müssen auch Texte übersetzt oder Logos gemacht werden", erklärt der Aichacher. Die Desktop-Verbreitung der freien Software schätzt Jörg Schneider-Simon weltweit auf eine Zahl im einstelligen Prozentbereich.
800 neue Viren pro Stunde bei Windows
1994 hatte er sich das erste Mal mit Linux beschäftigt. "Ich hatte einfach die Nase voll von Windows", erklärt der dreifache Vater. Vor allem zwei Aspekte sprechen seiner Meinung nach für das Betriebssystem Linux: die Benutzung ohne Lizenzsorgen. "Linux ist frei", sagt Jörg Schneider-Simon. Anders als bei Windows, wo man sich mit einer Kopie auf das "juristische Glatteis" begebe. Zudem gebe es beim freien Betriebssystem nur etwa 250 Viren, bei der Variante des Microsoft-Konzerns treten etwa 800 neue Viren pro Stunde auf. Für ihn als Vater hat Linux noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: "Ohne Passwort kann mein zwölfjähriger Sohn nicht einfach ein Computerspiel auf meinem Laptop installieren", erklärt er. Somit sei das System "kontrollierbarer, allerdings in einem positiven Sinn".
Für den 14. März plant die Gruppe um Jörg Schneider-Simon einen Linux-Infotag in Aichach. Der Ort steht noch nicht fest, wird aber demnächst bekannt gegeben. Bei der Veranstaltung soll eine kurze Einführung in das Thema Linux gegeben werden. Außerdem sind eine Reihe von Mini-Workshops und "Stationen" geplant, an denen sich Interessierte Linux ansehen können. "Damit sollen die Leute ein Gefühl für Linux erhalten und eventuelle Hemmschwellen abgebaut werden", erklärt der 38-Jährige.
Treffen Die Linux-User-Group Aichach trifft sich das nächste Mal am Freitag, 13. Februar, um 19 Uhr im Re(h)staurant in Aichach. Mehr Informationen über die Gruppe gibt es auch im Internet unter www.lug-aichach.de
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