Das Wetter war zwar nicht hold, aber es hielt. Ohnehin ließen sich die Musikfreunde nicht durch graue Wolken und gelegentliche Tropfen von ihrem Besuch der zweiten Aichacher Orgelnacht abhalten. Von Stephanie Knauer



Aichach. Das Wetter war zwar nicht hold, aber es hielt. Ohnehin ließen sich die Musikfreunde nicht durch graue Wolken und gelegentliche Tropfen von ihrem Besuch der zweiten Aichacher Orgelnacht am Freitag abhalten. Alois Kammerls Befürchtung, das von ihm und dem Aichacher Förderkreis "Kirchenmusik im Wittelsbacher Land" vorbereitete Ereignis werde "in die Hose gehen", bewahrheiteten sich nicht: Die Stadtpfarrkirche war schon im ersten Teil gut besucht.
Andächtig lauschten die Besucher zum Einstieg dem rund 50-minütigen Orgelkonzert von Julian Müller-Henneberg, Kirchenmusiker am Augsburger Dom. Der zog an der großen Klais-Orgel buchstäblich alle Register und zeigte mit barockem und romantischem Repertoire, was an Klangfarben drinsteckt. "Ungewohnt", aber "spannend", sagte eine Besucherin: Es sei beeindruckend, was die Orgel hervorbringe.
Machtvoll tönte die Toccata d-Moll von Dietrich Buxtehude von der Orgelempore, gewaltig Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge C-Dur, BWV 545. Auch das Schwellwerk kam zum Einsatz in Franz Liszts Präludium und Fuge über Bach, eine virtuose, bizarr-wechselvolle Hommage an den verehrten Barock-Komponisten. Schnell packte der junge Organist Müller-Henneberg nach seinem bravourösen Spiel seine Tasche und verschwand Richtung Spitalkirche, wo er gegen zehn Uhr alte Meister an der kleinen Orgel darbot.
Gewollte Vielseitigkeit von der Tradition bis zur Moderne
Währenddessen sang der Wittelsbacher Knabenchor vor dem Altar der Stadtpfarrkirche unter der Leitung von Alois Kammerl und, "von oben" begleitet von Hans Dietrich an der Orgel, getragene, einstimmige Gesänge von Antonin Dvorak und César Franck. Die Mädchen-Kantorei Aichach folgte kurze Zeit später mit ähnlich Andächtigem wie Leo Delibes' "O salutaris hostia". Beide Kinderchöre lockten neue Besucherströme in die Kirche.
Zwischen ihren Auftritten lagen Alois Kammerls Orgelsolo, ein "Heimspiel" mit Marcel Duprés fast kapriziösem "Präludium und Fuge" H-Dur; und der feierlich klangvolle Beitrag von Trompeter Martin Linck und Organist Alexander Serr mit Werken von J. S. Bach, Friedrich Kühmstedt (19. Jahrhundert) und Hans-Uwe Hielscher (geboren 1945). Die Vielseitigkeit war im Sinne der Veranstalter.
Alois Kammerl sagte, ihm sei ein "möglichst vielschichtiges" Programm von der Tradition bis zur Moderne wichtig gewesen, das die Bandbreite und vielen "Kombinationsmöglichkeiten" der Orgelmusik vor Augen und Ohren führe. Das ist ihm gelungen: Allein Stefan Poloczeks spätes Konzert in der Stadtpfarrkirche durchlief eine lange Musikgeschichte. Bereits das wechselvolle Präludium e-Moll des norddeutschen Barockkomponisten Nicolaus Bruhns zeigte verschiedene Charaktere von verhalten bis prachtvoll. Im Laufe des Abends entpuppte sich trotzdem ein unterschwelliger "roter Faden": Wiederholt war eine Vertonung des Hymnus "Ave maris stella" zu hören.
Auch Sakralmusik und die Kunst des Kontrapunkts spielten, der Natur der Orgel gemäß, eine wichtige Rolle. Ohne Orgel kam dagegen das Blockflötenoktett in der Spitalkirche aus: mit Jantje Nowodworsky, Marion Füllenbach, Sebastian Lorenz (Sopranblockflöten), Theresa Schilberth, Dr. Wolfgang Helfer (Altblockflöten), Sandra Schäffer, Dr. Josefine Sedlmayr (Tenorblockflöten) und Beate Klobe (Bassblockflöte). Sie spielten gekonnt alte und neue Tänze von der Renaissance bis zum Piazzolla-Tango.
Vor dem krönenden Abschluss gen Mitternacht mit dem Kammerchor St. Sebastian und alten, englischen Motetten gab es ein spirituelles Klangerlebnis mit der Augsburger Sopranistin Isabell Münsch und dem Obertonsänger Armin Wenger aus Salzburg. So wurde auch die zweite Aichacher Orgelnacht ein voller Erfolg. Von Stephanie Knauer
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