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06. Februar 2012 12:03 Uhr

Finanzgeschäfte

Konservative Geldanlagen im Wittelsbacher Land

Risikoreicher Derivathandel ist den Gemeinden im Landkreis nicht erlaubt. Klare Vorgaben für die Kämmerer Von Ariane Attrodt

Aichach-Friedberg Anleger setzen in der heutigen Zeit auf moderne Finanzinstrumente wie Derivate (siehe Infokasten). Auch manche Kommunen und Städte erhoffen sich dadurch einen Gewinn. In Zeiten der Finanzkrise sind solche Geschäfte aber sehr risikoreich. Die Stadt Landsberg hat auf diese Weise über drei Millionen Euro bei „Zinswetten“ verloren (wir berichteten mehrfach im Hauptteil unserer Zeitung). Im Wittelsbacher Land setzt man im Bereich Finanzen dagegen nach wie vor auf traditionelle Anlagen und Darlehen.

Kreiskämmerer Josef Grimmeiß hat die Berichterstattung über die Finanzaffäre in Landsberg nach eigener Aussage „ganz ruhig“ verfolgt. Der Landkreis setze keine dieser modernen Finanzinstrumente ein. Grimmeiß erklärt: „Wir haben ganz konservative Darlehen mit Festzinsanlage. Wie die Häuslebauer.“ Im Hinblick auf Geldanlagen werde das meiste kurzfristig als Tagesgeld angelegt, der restliche kleinere Teil als Festgeld.

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Natürlich habe man sich bereits vor Jahren auch im Finanzausschuss des Kreistags mit den modernen Geldgeschäften beschäftigt, so Grimmeiß. Am Ende habe man sich dagegen entschieden. Er begründet: „Diese Produkte sind alle sehr kompliziert und außerdem ist man abhängig von der Beratung Dritter.“ Der Kreiskämmerer kennt zwar viele, die damit gute Geschäfte gemacht haben, aber „es kann auch alles schief gehen“.

Geldgeschäfte der Kommunen werden regelmäßig überprüft

Damit genau das im Landkreis nicht passiert und keine Gemeinde Derivatgeschäfte abschließt, werden ihre Geldgeschäfte regelmäßig geprüft. Laut Manfred Müller vom Landratsamt werden die Gemeinden mit bis zu 5000 Einwohnern von der staatlichen Rechnungsprüfungsstelle im Landratsamt überwacht, Gemeinden mit mehr Einwohnern vom kommunalen Prüfungsverband. Müller erklärt: „Jede Gemeinde wird alle vier bis fünf Jahre überprüft. Die Mitarbeiterin ist dann direkt vor Ort und schaut, wie das Geld angelegt wurde.“

Wenn eine Gemeinde mit Derivaten handle, werde das selbstverständlich beanstandet, so Müller. „Im Gemeinderat wird dann über die kommenden Schritte beschlossen. Ob es dann persönliche Strafen gibt, hängt immer davon ab, in welchem Ausmaß Derivatgeschäfte abgeschlossen worden sind“, sagt Müller. Denn im Landkreis gebe es ein generelles Verbot von Derivathandel.

Auch Sabine Funk, Kämmerin der Marktgemeinde Aindling, spricht von „ganz klaren Vorgaben“, wie das Geld angelegt werden soll. Auch für ihren Vorgänger seien moderne Finanzinstrumente wie Derivate kein Thema gewesen, so Funk. „Von unserer Seite sind wir eher für bodenständige Geldanlagen“, erklärt sie. Im Wittelsbacher Land habe man keine vergleichbare Situation zur Stadt Landsberg: „Wir haben hier keine Millionen anzulegen so wie in Landsberg. Das Problem stellt sich also bei uns nicht“, erklärt Funk.

Für Wilhelm Rottenkolber, den Stadtkämmerer in Aichach, ist es schwer zu beurteilen, wie risikoreich der Einsatz von Derivaten und Swaps ist. „Wir haben uns nach der Entscheidung im Finanzausschuss des Stadtrats nicht mehr weiter damit beschäftigt“, erklärt er. Die modernen Finanzinstrumente werden „auch in absehbarer Zeit nicht kommen“, so Wilhelm Rottenkolber weiter.

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