Mittwoch, 28. September 2016

10. Januar 2016 06:03 Uhr

Reisebericht

Landmannsdorfer bereist mit dem Motorrad Afrika

Zwei Monate lang ist Franz Grieser aus dem Adelzhauser Ortsteil mit Peter Held aus Thalhausen unterwegs. Sie legen 10 000 Kilometer durch zehn Länder zurück. Von Franz Grieser

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10000 Kilometer, zehn Länder: Gemeinsam mit Peter Held aus Thalhausen (Kreis Dachau) ist Franz Grieser aus Adelzhausen (rechts) zwei Monate lang mit dem Motorrad durch Afrika gefahren – nicht zum ersten Mal. Auf ihrer Reise haben sie nicht nur zuvor gesammelte Spenden an Waisenhäuser, Kliniken und Schulen verteilt, sondern auch vieles gesehen: etwa diese Dampfmaschine in Simbabwe. Ausführlich von der Reise berichtet Grieser im Rahmen von Diavorträgen und in unserer Zeitung.

Adelzhausen-Landmannsdorf/Afrika Schweißgebadet kämpfen wir uns durch den dichten Dschungel des Bwindi-Nationalparks in Uganda. Wir sind auf den Spuren der „Gorillas im Nebel“, der letzten Berggorillas. Manchmal bleiben wir stehen, und unser Reiseführer versucht, die Gorillas zu hören. Eineinhalb Stunden sind wir bereits unterwegs, als es plötzlich vor uns in den Büschen knackt. Hinter uns bricht ebenfalls ein Ast. Überall raschelt es plötzlich. Wir stehen mitten in der Gorilla-Gruppe. Doch zu sehen ist keiner. Unser Reiseführer warnt uns, dass wir den Tieren nicht näher als sieben Meter kommen dürften. Die Gefahr, sich mit Krankheiten anzustecken, sei sonst zu groß.

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Plötzlich brechen Äste in unmittelbarer Nähe. Ein „Blackback“, ein ausgewachsenes Männchen, hat uns entdeckt und stürmt mit Geschrei auf uns zu. In diesem Moment rutscht mir das Herz in die Hose. Ein 200 Kilo schwerer Gorilla greift an, und unser Reiseführer hat nur ein kleines Buschmesser in der Hand. Der Reiseführer stellt sich vor uns, fuchtelt mit seinem Messer und beschwichtigt den Angreifer, der nur noch zwei Meter von uns entfernt ist, mit gurrenden Lauten. Das Männchen macht kehrt und verschwindet im Dschungel. Vielleicht war es nur ein Scheinangriff, um Macht zu demonstrieren. Für uns auf jeden Fall war es ein Erlebnis, das wir so schnell nicht vergessen.

Die weiteren Erlebnisse, die wir auf der Fahrt ab Kenia hatten, waren bei Weitem nicht so abenteuerlich wie dieses, doch oft noch schöner. Die Reise beginnt am Lake Magadi, einem Salzsee im Massaigebiet. Hier, am ersten Tag, haben wir bereits die erste Panne. Der Anlasser an Peters Motorrad ist defekt. Wir schieben die Maschine an und reparieren sie am nächsten Tag.

Im Norden von Uganda, am Mount Elgon, besuchen wir Schulen, um unsere Spenden zu übergeben. Eine Schule ist von Weitem zu erkennen, da sie im Dorf meist das einzige Gebäude ist, das aus Stein gebaut ist. Wir parken die Motorräder am Sportplatz. Unsere Ankunft wird sofort bemerkt, Motorenlärm ist eher ungewöhnlich in dieser Gegend. Aus allen Fenstern lachen uns Kindergesichter an. Und plötzlich strömen Hunderte Kinder schreiend und winkend auf den Pausenhof.

Als wir ihren Lehrern sagen, dass wir die Schule mit ein paar Hundert Euro unterstützen wollen, ist die Freude groß. Die Kinder schreien, tanzen, singen. Einige versuchen, sich vorzudrängeln, um den „Muzungus“ die Hand zu geben. „Muzungu“, so werden in Uganda Weiße genannt. Immer wieder spüre ich, dass meine Haut an den Schultern und Armen berührt wird. Die Kinder wollen offenbar herausfinden, wie sich die Haut eines Weißen anfühlt. Peter mit seiner blonden Löwenmähne ist besonders beliebt. Als wir uns verabschieden, laufen Kinder hinter den Motorrädern her und rufen „Muzungu, Muzungu, Ashante“ („Weißer, Danke“).

Am Nachmittag erreichen wir die „Sipi Falls“. Die „Sipi Falls“ bestehen aus einer Serie von drei Wasserfällen. Der letzte fällt 100 Meter in die Tiefe. Hier ist es immer feucht. Alles wächst und gedeiht. Unsere Reiseführer fangen mehrere Chamäleons, um sie uns zu zeigen. Je näher wir dem Wasserfall kommen, desto lauter wird das Getöse. Die Luft ist feucht, die Gischt spritzt empor. Die tief stehende Sonne erzeugt einen Regenbogen in der feuchten Luft. Wir stehen direkt am Fuße des Wasserfalls: ein wunderschöner Anblick. Nach einer Weile machen wir uns auf den Rückweg. Unsere Kleidung ist nicht nur vom Wasser feucht. Auch der Aufstieg kostet viel Schweiß. Doch wer diese Mühen scheut, erlebt nichts.

In Ruanda besuchen wir die Genozid-Gedenkstätte in Nyamata. Die Kirche in Nyamata war in den 1990er-Jahren beim Völkermord in Ruanda ein Zufluchtsort der Tutsi-Minderheit. In einer Nacht kamen die Hutu-Rebellen. Mehr als 10000 Menschen verloren in der Kirche und auf dem Gelände ihr Leben. Im Kircheninnenraum sind heute noch die blutigen Kleider der Opfer aufbewahrt. Wortlos und betroffen verlassen wir diesen schrecklichen Ort. Es grenzt beinahe an ein Wunder, dass Hutu und Tutsi heute, nur 20 Jahre später, friedlich zusammenleben.

In Tansania durchfahren wir den Mikumi-Nationalpark und das Baobab Valley. Überall lodern Buschfeuer. Seit fünf Monaten ist im südlichen Afrika kein Tropfen Regen gefallen, das Land ist wie ausgedörrt. Malawi dagegen, unsere nächste Station, trägt den Beinamen „Das warme Herz Afrikas“ – und das nicht umsonst. Die Leute hier sind zwar sehr arm, aber derart freundlich und warmherzig, dass wir beschließen, mehrere Tage zu bleiben. Auch hier übergeben wir wieder Spenden an Schulen.

Im Norden von Mosambik werden wir dann abermals mit der extremen Armut der Bevölkerung konfrontiert. Die Hitze, die hier im Sambesi-Tal herrscht, ist beinahe unerträglich. Sie treibt das Thermometer auf 47 Grad. Hier ist unsere Motorradkleidung mehr Schutz vor der erbarmungslosen Sonne.

Simbabwe dagegen ist bekannt für seine Nationalparks. Doch mit den Motorrädern dürfen wir nicht hinein. Riesige Getreidefelder liegen zum Teil brach. Früher, als das Land noch Rhodesien hieß, lag hier die „Kornkammer Afrikas“. Nachdem die weißen Farmer vertrieben oder ermordet wurden, versank der neue Staat Simbabwe in Armut. Doch der Aufschwung im Land ist mittlerweile überall zu sehen. In Sambia besuchen wir die Viktoriafälle. Der Fluss Sambesi führt sehr wenig Wasser, sodass ein Großteil der Fälle versiegt ist. Bei einer Safari im Chobe-Nationalpark in Botswana sehen wir neben Antilopen und Giraffen Elefantenherden und Nilpferde. Sogar außerhalb des Parks steht neben dem Straßenrand eine Elefantenherde. Peter posiert neben den Tieren, ich fotografiere, dann wechseln wir. Die Tiere werden unruhig und nehmen ihre Jungen in ihre Mitte. Die Elefanten werden immer nervöser. Ich auch. Als Peter die Fotos geschossen hat, verschwinden wir so schnell wie möglich. Ein Erlebnis, das Herzklopfen verursacht.

Im Nordosten Namibias, im sogenannten Caprivizipfel, besuchen wir ein Eingeborenendorf vom Stamm der Mafwe am Kwando River. Die Frauen stampfen Hirse zu Mehl. Der Medizinmann, ein 75 Jahre alter Mann, tanzt im Takt der Trommeln, Frauen klatschen dabei in die Hände und singen.

Eine 80 Kilometer lange Piste führt uns anschließend in die Wüste Kalahari. Eine sehr sandige, sechs Kilometer lange Piste bringt uns zu einem Dorf. Sie ist derart schlecht, dass das Fahren zum Horror wird. Meine Arme schmerzen. Peters Motorrad fällt immer wieder um. Doch er stellt den schweren Bock jedes Mal wieder wortlos auf die Räder. Nur weiter, immer weiter.

Irgendwann steht auf einem Schild „Jo Hoansi, Traditional Village“. Die Jo Hoansi sind ein Stamm, der zum Volk der San gehört – dem mutmaßlich ältesten Volk der Erde. Die Nomaden haben von jedem Volk der Erde ein Genom. Man kann asiatische, europäische und afrikanische Gesichtszüge bei ihnen entdecken. Der Stamm hat gelernt, in Zentralkalahari, dieser unwirtlichen Gegend, in die er abgedrängt wurde, zu überleben. Die Jo Hoansi sind gute Fährtenleser und können ein Tier solange durch die Kalahari hetzen, bis es vor Erschöpfung zusammenbricht.

In ihrem Dorf werden wir von einem Englisch sprechenden Reiseführer herzlich empfangen. Man zeigt uns, wie man aus einem Ast des Mopanebaums und einem Stück Eisenholz Feuer macht. Der Medizinmann begrüßt den Morgen und tanzt sich langsam in Ekstase. Die Frauen singen und klatschen in die Hände. Der Medizinmann ist jetzt in Trance und nimmt dabei Kontakt mit den Verstorbenen auf. Eine interessante Zeremonie für einen Europäer.

Nachdem wir von den Jo Hoansi aufgebrochen sind, bereisen wir noch eine Woche die Sehenswürdigkeiten Namibias, bevor Peter nach Hause fliegt. Ich bleibe weitere 16 Tage. Meine Frau und ein paar Freunde kommen, wir machen eine Rundreise in Namibia – allerdings nicht auf zwei Rädern, sondern mit einem Geländewagen.

Termine Franz Grieser hält Diavorträge am heutigen Samstag, 9. Januar, im Gasthaus Häuserer in Hilgertshausen-Tandern (Kreis Dachau), am Freitag, 15. Januar, im Gemeindehaus in Thalhausen und am Samstag, 30. Januar, im Pfarrheim in Petersdorf-Alsmoos. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen. Laut Grieser sollen sie bei seiner Reise nach Indien verteilt werden.

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