Er steht unter Missbrauchsverdacht, jetzt wendet sich ein Geistlicher einer Gemeinde aus dem Kreis Aichach-Frieberg an die Staatsanwaltschaft. In einem Brief schildert er seine Sicht. Von Christian Lichtenstern

Er steht unter Missbrauchsverdacht, jetzt wendet sich ein Geistlicher einer Gemeinde aus dem Landkreis Aichach-Frieberg an die Staatsanwaltschaft. In einem Brief schildert er die Ereignisse von 1999 aus seiner Sicht.
Der wegen Kindesmissbrauchs beschuldigte ehemalige Pfarrer hat auf ein Ultimatum der Diözese reagiert und mit einem Brief an die Staatsanwaltschaft ein Verfahren angestoßen. Die betroffene Gemeinde im nördlichen Kreis Aichach-Friedberg, die der Pfarrer 1999 plötzlich verlassen musste, ist heute wieder ein Stück weit so aufgewühlt wie damals.
Der Geistliche habe der Justiz über einen Anwalt ein Schreiben zukommen lassen, in dem er einen Vorfall im Jahr 1999 aus seiner Sicht schildere, bestätigte gestern Matthias Nickolai, Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg. Der Sachverhalt werde geprüft, auch auf eine mögliche Verjährung hin. Dann falle die Entscheidung, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde.
Die Diözese selbst hatte den Priester, der seit elf Jahren mit einer Aufgabe ohne Kontakt zu Kindern und Jugendlichen betraut ist, vergangene Woche nach einer Befragung von seinen Aufgaben entbunden und in einem Ultimatum zur Selbstanzeige gedrängt. Ansonsten schalte das Ordinariat selbst die Staatsanwaltschaft ein, hieß es am Montag. Von dritter Seite liege aber keine Anzeige in der Sache vor, so Nickolai.
Bekannt waren die Vorwürfe gegen den Priester bei der Diözese spätestens seit Mitte 1999, ohne dass die Justiz eingeschaltet wurde. Betroffene Eltern hatten die Bistumsleitung über "moralisch fragwürdige Verhaltensweisen des Pfarrers" informiert und die Abberufung des Geistlichen, aber keine Anzeige und kein öffentliches Aufsehen gefordert, um die Kinder zu schützen. "Wenn er nur weg ist, dann ist es gut", hieß es damals.
Domkapitular Heigl will sich zu dem Fall nicht mehr äußern
Dabei hatten sich die Gerüchte in der Gemeinde über Fehlverhalten des Pfarrers bei Ausflügen mit Kommunionkindern und Ministranten über längere Zeit aufgeschaukelt. Ein Vorfall, der als sexueller Missbrauch gewertet wird, brachte aber das Fass zum Überlaufen und zwang den damaligen Personalreferenten, späteren Generalvikar und jetzigen Domkapitular Heigl zum Handeln: Er versetzte den Pfarrer unverzüglich. Gegenüber unserer Zeitung wurde der Abschied damals allerdings auch auf konkrete Nachfrage hin "als Wechsel aus freien Stücken" dargestellt.
Zu dem offensichtlichen Widerspruch zwischen seiner damaligen öffentlichen Stellungnahme und dem Ultimatum des Bistums vom Montag wollte sich Heigl gestern nicht äußern: "Das ist nicht mehr mein Zuständigkeitsbereich und ich bin auch nicht dazu befugt." Christian Lichtenstern
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