Der Mann auf der Anklagebank im Aichacher Amtsgericht schüttelt energisch den Kopf: Die beiden verrosteten Waffen habe er als Jäger nun wirklich nicht gebraucht. Trotzdem wurde er wegen unerlaubten Schusswaffenbesitzes verurteilt. Von Christian Lichtenstern Von Christian Lichtenstern
Aichach. Nein, der Mann auf der Anklagebank im Aichacher Amtsgericht schüttelt energisch den Kopf: Die beiden verrosteten und etwa 70 Jahre alten Schießprügel aus der Wehrmachtszeit (Typ: Walther P 38 und Ceska), "Erbstücke" des verstorbenen Vaters, habe er nun wirklich nicht gebraucht. Als Jäger besitzt der 38-Jährige eine Reihe von Waffen - bestens gewartet, in einem Stahlschrank gesichert und mit seiner Waffenbesitzkarte (siehe Infoartikel) vom Landratsamt legitimiert. Nur die beiden Pistolen, laut Gutachten noch schusstauglich, waren eben nicht eingetragen. Und genau diese beiden Waffen fand die Polizei bei einer Durchsuchung im vergangenen Sommer bei dem bis dato völlig unbescholtenen Handwerker und Waidmann. Die Folge: Er wurde gestern von Strafrichterin Nadine Grimm wegen unerlaubten Schusswaffenbesitzes zu einer Geldstrafe (1750 Euro) verurteilt.
Die Richterin sprach von einem minderschweren Fall und hielt dem Mann zugute, dass er ein zuverlässiger Waffenträger sei und sich nie etwas zuschulden kommen ließ. Der Angeklagte aus dem nördlichen Kreis konnte mit dem Urteil leben. Vor allem weil er durch die Strafbemessung hoffen darf, dass er seine Besitzkarte behalten darf und damit auch weiter zur Jagd gehen kann.
Aber wie ist der Mann überhaupt zu den ungeliebten "Erbstücken" gekommen, von denen er nichts wusste, wie er vor Gericht versicherte. Nach dem Tod des Vaters habe er im Wohnhaus Zimmer für Zimmer ausgeräumt, umgebaut und renoviert. In einem alten Schrank seien dabei die beiden halb automatischen Kurzwaffen aufgetaucht, so der 38-Jährige. Die hätte er möglichst schnell eintragen lassen oder unbrauchbar machen müssen - tat er aber nicht. Wobei vor Gericht unklar blieb, wie lange die rostigen Knarren in der Wohnung lagen. Einen Monat oder ein halbes Jahr?
Vermutlich wären sie auch der Polizei nie aufgefallen, wenn sich beim Jägersmann nicht eine Ehekrise dramatisch zugespitzt hätte. Die Ehefrau befürchtete, dass sich ihr Mann nach der Trennung etwas mit seinen Waffen antun könnte. Sie schaltete Ämter ein, die alarmierten die Polizei, die durchsuchten und fanden: zwei Rostknarren.
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