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04. Februar 2012 12:16 Uhr

Anbautag

Rübenbauern verdienen gut und kämpfen mit Pilz

Weltmarktpreis liegt über dem EU-Preis für Zucker. 500 Tonnen der in Rain angelieferten Rüben waren mit neuem Pilz befallen. Deutlich höhere Befallsrate der Zuckerrübenbestände nach mehrjährigem Maisanbau Von Martin Golling

Aichach-Friedberg/Inchenhofen Seit 2006 ist der Zuckermarkt und damit auch der für die Zuckerrüben im Umbau. Die befürchteten Einbußen für die Bauern blieben bisher aus. Im Gegenteil: „Wir haben 2011 die Anbaufläche um elf Prozent erhöht, dazu kam ein Mehrertrag von 16 Prozent und das Glück, dass der Markt stabil, die Preise hoch blieben.“ Dr. Manfred Köhl ist für Südzucker in Ochsenfurt zuständig für den Geschäftsbereich Logistik in Zusammenhang mit dem Anbau der Zuckerrübe. Seine Botschaft beim Anbautag gestern in Inchenhofen hatte was von verhaltenem Spott für die Politik: „Die Politiker waren erstaunt, dass der Weltmarktpreis plötzlich über dem EU-Preis für Zucker lag. Wir haben deshalb beim Quotenzucker mehr Geld verdient – und wenn es Südzucker gut geht, dann kann der Verband entsprechend verhandeln.“ Noch eine Lehre zogen die Redner aus dem Jahr 2011: Aus den Weltvorräten für Zucker kamen nämlich keine Zuckerimporte in die EU aus dem einfachen Grund, weil eben der EU-Preis zu niedrig lag. Entsprechend gab es kaum Beiträge, die ohne Seitenhieb auf die Importquote auskamen. 15 Prozent des Zuckerbedarfs der EU muss nämlich importiert werden. Ein starres Zugeständnis aus jenen Zeiten, in der der EU-Zucker-Preis weit über dem des Weltmarkts gelegen war.

Dr. Rudolf Apfelbeck ist Geschäftsführer beim Verband der Zuckerrübenanbauer. Er rechnete den in Inchenhofen versammelten Bauern vor, was sie heuer verdient hatten: 4100 Euro pro Hektar für die Quoten-Rübe, 3200 Euro pro Hektar für die Industrie-Rübe. „Dafür homma a höhere Produktionskosten“, grummelte kaum hörbar der Tischnachbar. Südzucker ist weit mehr als nur Süße – zum Beispiel auch Hersteller von Biosprit. Zum ewig aktuellen Streit, für was der Landwirt mehr produzieren solle, für Teller, Tank oder Trog, brachte Manfred Kröhl ein eindringliches Beispiel: Bei der Produktion von Biosprit aus Getreide bleibt das dafür nicht verwendungsfähige Eiweiß zurück. Immerhin so viel Eiweiß, so Kröhl, sei dies pro Hektar Getreide, wie von 1,5 Hektar der wesentlich ertragsärmeren Soja-Bohne. Kröhl sprach auch bei der letztjährigen Diskussion um den Biosprit E10 von einem „bewusst gesteuerten Drama“.

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Der Markt reagierte ausgesprochen kurios

Wie kurios der Zuckermarkt im vergangenen Jahr reagierte, zeigte Erhard Landes, der erste Vorsitzende des Verbands bayerischer Zuckerrübenanbauer anhand weniger Beispiele auf. Die Händler in Polen bedienten sich am Spotmarkt, mussten also die hohen Weltmarktpreise zahlen – und an die Kunden weitergeben. Folglich kamen die polnischen Verbraucher nach Deutschland, um den billigen Zucker zu kaufen. Der Weltmarktpreis lag bei bis zu 650 Euro pro Tonne Zucker, der EU-Preis bei 450 Euro pro Tonne. Noch eines hielt Landes fest: „Trotz der hohen Ernten in diesem Jahr ist in der EU die Versorgungssicherheit für Zucker 2011/2012 noch nicht gegeben. Um weitere große Schwankungen zu vermeiden, riet Landes, die jetzige Zuckermarktordnung bis 2020 aufrecht zu erhalten.

Derweil haben es die Anbauer für die Zuckerfabrik Rain mit einem neuen, unerwarteten Gegner zu tun. Mit einem Pilz namens Rhizoctonia solani. „500 Tonnen der in Rain angelieferten Zuckerrüben, etwa 50 Lastwagen-Ladungen (Gesamternte in Bayern: 3,6 Millionen Tonnen) waren befallen“, informierte Stephan Steinberger die Versammlung. Steinberger war zwei Mal mit Fragebögen auf die Vertragsbauern zugegangen und hatte herausgefunden: signifikante Erhöhungen der Befallsrate gibt es beispielsweise nach mehrjährigem Maisanbau. Sicher sei auch, dass die Rüben auf leichteren Böden weniger anfällig seien. Er riet, vorsichtshalber auf rhizoctonia-resistente Sorten auszuweichen.

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