Freitag, 21. Juli 2017

21. Dezember 2015 09:58 Uhr

Aichach-Friedberg

Unfallfahrer lässt schwer verletzte Schwestern im Straßengraben liegen

Ein 50-Jähriger hat zwei junge Frauen angefahren und sie dann einfach schwer verletzt im Straßengraben liegen lassen. Warum er dennoch nicht ins Gefängnis muss.

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Die Schwestern lagen nachts schwer verletzt im Straßengraben.
Foto: Symbolbild, Alexander Kaya

Er fährt ein Schwesternpaar (21 und 25 Jahre alt) an einem Sonntag frühmorgens bei Laimering an und lässt die jungen Frauen schwer verletzt liegen, ohne sich um sie zu kümmern. Diese Unfallflucht in der Gemeinde Dasing sorgt Mitte November 2014 landkreisweit für Empörung. Trotzdem und obwohl ein 50-Jähriger vorbestraft ist, muss er für diese Tat nicht ins Gefängnis.

Staatsanwältin Sabine Graf-Peters plädierte gestern bei der Verhandlung vor dem Aichacher Schöffengericht auf ein Jahr und elf Monate ohne Bewährung. Ein Jahr und sechs Monate wurden es – ausgesetzt zu vier Jahren Bewährung. Ausgerechnet die Tatsache, dass der Mann schon mal im Gefängnis saß, ließ die Kammer unter Vorsitz von Richterin Sabine Igloffstein zugunsten des Angeklagten ins Gewicht fallen: „Denn wenn Sie jetzt erneut in Haft gehen, sind Sie hinterher arbeitslos und dann wäre es schwierig mit der Wiedergutmachung“, so die Richterin.

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Wegen zweier Ladendiebstähle kurz nacheinander saß der 50-Jährige vergangenes Jahr vier Monate in der JVA Aichach ein – und verzichtete dabei auf den möglichen Teilerlass der Strafdauer.

50-Jähriger entschuldigt sich bei Frauen für Unfallflucht

Völlig unstrittig war die Unfallflucht, die der 50-Jährige nicht nur zugab. Für die hat er sich im Hauptverfahren und auch vorher schon bei den Betroffenen entschuldigt. Wiedergutmachung in Euro hat er bisher allerdings keine geleistet; sein Rechtsanwalt Marc Sturm nannte offene versicherungsrechtliche Fragen als Grund der Zurückhaltung. Der Fall sei sehr schwierig zu beurteilen, weil ein Unfallgutachten erstellt wurde, das „viele offene Fragen ließ an Stellen, wo Fragen unbedingt hätten beantwortet werden müssen“, so Igloffstein.

Vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung war der 50-Jährige auf der Basis des Gutachtens freigesprochen worden: Er habe die Mädchen, die auf freier Strecke aus einem auf ihre Bitte hin haltenden Bus ausgestiegen und über die Straße gegangen waren, nicht rechtzeitig sehen können in jener Nacht.

Zu seinen Gunsten wurde von der Kammer jetzt gewertet, dass der 50-Jährige nach seiner Gefängnisstrafe um den Erhalt seines Arbeitsplatzes kämpfte und dabei – wenn auch mit Abstrichen – erfolgreich war. Als besonderer Umstand sprach, dass 2014 für den Mann ein „schwarzes Jahr war“, wie es die Richterin ausdrückte. So schwarz, dass ein ermittelnder Polizeibeamter knapp davor stand, den Mann zu dessen eigenem Schutz einzuweisen.

Angeklagter ließ Schwestern nachts im Straßengraben liegen

Andererseits sei die Unfallflucht eine von der „ganz, ganz, ganz schweren“ Sorte, so Igloffstein. Den Aufprall des Kopfes der schwerer verletzten Schwester musste der Autofahrer mitbekommen haben. Die Schwerverletzten im Straßengraben einfach liegenzulassen, nachts, bei Regen und ohne Wissen, wann Hilfe kommt oder ob sich die Verletzungen verschlimmerten, das dürfe nicht sein.

Bei der Befragung des Angeklagten sah man den Juristen an, dass sie es schier nicht glauben konnten, dass der 50-Jährige in dieser Nacht von Samstag auf Sonntag nach dem „dumpfen Krach“, wie es der Autofahrer schilderte, einfach schlafen gegangen ist.

Um die Freigabe seines Führerscheins, der seit dem Unfall eingezogen ist, kann sich der Mann aus dem Landkreisnorden frühestens in sechs Monaten wieder bemühen. Rigoros war die Schöffenkammer beim Schadenersatz: 20.000 Euro seien an die Schwestern bis spätestens März 2016 zu überweisen. Sollte der Mann in einem zivilrechtlichen Verfahren zu Schadensersatz verurteilt werden, wird diese Summe gegengerechnet. „Wir sind der Auffassung, dass da jetzt ganz schnell Geld fließen muss“, so die Richterin. Der Unfallfahrer wohnt nach dem Tod seiner Eltern im Eigenheim, das ihm zusammen mit seiner Schwester gehört, wobei diese ihm ihren Anteil zur Verfügung stellt. Und es ist auch Vermögen im fünfstelligen Bereich vorhanden, wie der Mann nach langem Zögern vor Gericht zugab.

Ab Januar muss der Handwerker zudem monatlich 150 Euro seines nicht gerade üppigen Salärs, das er verdient, abführen. Die Tagessätze sind erst abgearbeitet, wenn 7000 Euro erreicht sind. Wobei Richterin Sabine Igloffstein in Richtung der Angehörigen klar betonte: „Den Schicksalsschlag, den die Mädchen mit ihren Familien erlitten haben, kann kein Gericht der Welt ungeschehen machen.“

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Laimering | Dasing | Marc Sturm

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