Freitag, 26. Mai 2017

24. Mai 2016 05:30 Uhr

Kinder

Wenn Eltern in Not geraten

KoKi – das „Netzwerk frühe Kindheit“ hilft Eltern in Krisenzeiten. Hebammen, Familienpaten und Co. springen dort ein, wo die Gesellschaft junge Familien mit Kindern alleine lässt.

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Anna Brickmann, Koordinatorin beim Netzwerk frühe Kindheit Koki des Jugendamts in Aichach-Friedberg (links) neben Anna Helleis (Familienhebamme), Karin Selig (Familiengesundheits- und Kinderkrankenpflegerin) und Christine Smetana (Familienpatin).
Foto: Katja Röderer

In drei Jahren haben sich die Zahlen bei KoKi verdreifacht. 50 Familien nahmen im vorigen Jahr im Wittelsbacher Land die Hilfen des „Netzwerks frühe Kindheit“ in Anspruch. Die Mitarbeiter unterstützen Familien mit Babys oder Kleinkindern im Alltag, wo immer gerade Hilfe gebraucht wird. Noch sind die Kapazitäten nicht ausgeschöpft, wie Anna Brickmann erklärt. Bei ihr laufen die Fäden im Jugendamt Aichach-Friedberg zusammen. Die Koordinatorin vermutet, dass manch eine junge Familie sich scheut, beim Jugendamt um Unterstützung zu bitten, obwohl sie dringend welche bräuchte. Und obwohl Anna Brickmann auch schnell Hilfe organisieren könnte. „Wenn uns eine Mutter anruft und sagt, dass es jetzt überhaupt nicht mehr geht, dann kümmern wir uns sofort“, versichert sie.

Normalerweise käme laut Brickmann innerhalb einer Woche ein Termin zustande. Bald danach packen Familienpaten, Familienhebammen, Familienpfleger oder Familienkinderkrankenpfleger dann zu Hause mit an. Auch pädagogische Hilfen werden angeboten. Wie schnell es manchmal gehen muss, berichtet die ehrenamtliche Familienpatin Christine Smetana. Sie erzählt von einer Mutter, die nach einer Schwangerschaftsvergiftung selbst sehr entkräftet war und sich in diesem Zustand um ihr noch sehr kleines Frühchen kümmern sollte. Die Familienpatin nahm der Mutter ein Mal in der Woche das Baby ab, fütterte es und ging damit spazieren. Dabei war Christine Smetana eines sehr wohl bewusst: „Man bekommt das Kostbarste anvertraut, das die Familie hat.“ Die geschaffte Mutter konnte die gewonnene Zeit nutzen, um wenigstens ein paar Stunden zu schlafen oder Kraft zu tanken.

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Hebamme hilft zwei Mal pro Woche  

Zehn Minuten in Ruhe duschen – das können Mütter in solchen Situationen fast als Urlaub empfinden. Familienhebamme Anna Helleis weiß das nur zu gut. Sie sagt, dass fast allen Familien, die von Koki unterstützt werden, die verlässlichen Beziehungen fehlen. Sie können oft nicht auf die Hilfe der Großeltern oder Freunde zurückgreifen. Der Krafthaushalt der Eltern ist erschöpft. Die Familienhebamme begleitete zum Beispiel eine Mutter, die während der Schwangerschaft starke Medikamente nehmen musste. Nach der Geburt weinte das Neugeborene viel – ohnehin eine Belastungsprobe für jede Familie. Kaum vorstellbar, wie eine erkrankte Mutter mit der Situation zurechtkommen soll. Die Hebamme Anna Helleis kam zwei Mal in der Woche vorbei, erstellte Notfallpläne mit der belasteten Mutter, führte lange Gespräche und tat alles, um beispielsweise zu vermeiden, dass das Baby geschüttelt wird, weil die Mutter sich überfordert fühlt. Anna Helleis erklärte der Mutter auch, wie ein kleines Kind versorgt werden muss. Die Familienhebamme hatte wesentlich mehr Zeit für die Mutter, als eine gewöhnliche Hebamme es je leisten könnte. Nach etwa drei Monaten hatte die Mutter die Lage wieder im Griff.

Auch Hilfe in medizinischen Fragen

Damit hat KoKi das Ziel erreicht. Die Familien sollen über Krisenzeiten hinweg begleitet werden, bis sich ihre Lage stabilisiert hat. Wenn dafür medizinisches Wissen erforderlich ist, hilft Karin Selig weiter. Die Familiengesundheits- und Kinderkrankenpflegerin begleitet beispielsweise Familien, in denen Mütter sich um kranke oder behinderte Kinder kümmern. Karin Selig organisiert die Flut an Terminen in Arztpraxen und Kliniken. Sie hilft, medizinische Fachsprache zu übersetzen, und bemüht sich darum, die Eltern dabei zu unterstützen, für die Kinder die optimale Behandlung oder Unterbringung zu finden. Ohne Hilfe von außen können Familien diesen Kraftakt manchmal kaum bewältigen.

Die Mitarbeiter müssen flexibel reagieren können. Mal geht es um finanzielle Sorgen, mal um psychische oder körperliche Belastungen oder um schwierige Familienkonstellationen. Dabei soll die Familie als Ganzes im Fokus stehen. Die Helfer würden sich wünschen, dass Hebammen, Frauenärzte oder Mediziner in Kliniken möglichst früh beim „Netzwerk frühe Kindheit“ Bescheid geben, wenn sie erkennen, dass eine Familie vorübergehend Hilfe brauchen könnte, um schnell ansetzen und planen zu können. Kurzzeitige Unterstützung in frühen Jahren kann in vielen Fällen spätere langfristige Hilfen überflüssig machen, so die Überzeugung.

Ansprechpartner bei KoKi – „Netzwerk frühe Kindheit“ Anna Brickmann, Telefon 0821/609199, E-Mail anna.brickmann@lra-aic-fdb.de, Landratsamt Aichach-Friedberg, Außenstelle Friedberg in der Konradinstraße 4.

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Katja Röderer

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Ressort: Lokales

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