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06. Mai 2011 11:00 Uhr

Schauspiel

Wenn Träume fliegen lernen

Pegasus-Theater wagt sich mit „A kiss for Cinderella“ von James Matthew Barrie an deutsche Uraufführung

Aichach Seit 20 Jahren liegt die Übersetzung von „A kiss for Cinderella“ in der Schublade von Meinrad Schmitt. Laut dem künstlerischen Leiter des Pegasus-Theaters wurde es auf Deutsch noch nie aufgeführt. „Ich habe es jedes Jahr wieder rausgeholt“, erzählt Schmitt. Er habe es aber immer für zu schwer befunden. In der Spielzeit 2011 wagt er sich zusammen mit den Schauspielern an die deutsche Uraufführung des Stücks.

Geschrieben hat „A kiss for Cinderella“ James Matthew Barrie, dessen bekannteste Figur Peter Pan ist. Barrie wurde 1860 in einer schottischen Kleinstadt geboren, auf dem Höhepunkt seiner Schaffenszeit lebte er Anfang des 20. Jahrhunderts aber in London.

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In „A Kiss for Cinderella“ arbeitete der Autor mit dem Mittel, das für ihn typisch wurde: dem Wechsel zwischen Traumwelt und Realität. Hauptfigur ist Jane Thing, eine junge Londonerin, die sich während des Ersten Weltkrieges um vier kleine Kriegsweisen kümmert. Eines der Kinder, Gretchen, ist eine Deutsche, weshalb Jane Thing mit einem Polizisten aneinandergerät. Es entwickelt sich eine ganz „interessante Lovestory“ zwischen dem Dienstmädchen und dem Polizisten, sagt Schmitt. Während diese Geschichte läuft, träumt sich Jane Thing in die Phantasiewelt der Cinderella hinein, ehe sie wieder zurück in die Realität geworfen wird.

Das Stück wurde 1916 uraufgeführt und noch in den 1920er Jahren häufig gespielt. Gerald Deckart, der Vorsitzende des Pegasus-Theaters, erklärt: „Danach hat es an Aktualität verloren.“ Weil der Erste Weltkrieg als Rahmen immer weiter in die Vergangenheit rückte.

Trotzdem hat es Michael Ritter aus Sielenbach vor 20 Jahren aus dem Englischen übersetzt, auf Anregung von Meinrad Schmitt. Wie Schmitt es umsetzen sollte, wusste der künstlerische Leiter damals noch nicht. Es sei zu kompliziert gewesen für ein Laientheater und gespickt mit Kommentaren des Autors, die nicht gesprochen werden, das Stück für Zuschauer aber erst verständlich machten.

Mittlerweile ist Schmitt die Lösung eingefallen: Aus den Kommentaren ist ein zusätzlicher Charakter entstanden, der als Erzähler durch das Stück führt. Dazu kommt laut Deckart, dass die richtigen Schauspielertypen für das Stück herangewachsen sind.

„A Kiss for Cinderella“ erfülle alle Kriterien, die für das Pegasus-Theater wichtig seien, erklärt Schmitt. Es besitze literarische Qualität, sei für Laien spielbar und werde in der Region nur einmal gespielt.

Obwohl es im Ersten Weltkrieg spielt, hat das Stück für die Macher des Aichacher Laientheaters nicht an Aktualität verloren. „Es geht um einen jungen Menschen, der irgendwie zu sich selbst finden muss“, erklärt Schmitt. Dazu käme, dass die Hauptperson in schweren Zeiten Zivilcourage und Humanität zeige.

Laut Deckart gibt es noch eine Gemeinsamkeit zwischen Pegasus-Theater und Stücken von James Matthew Barrie: Kinder sind ein wichtiges Element. Barrie starb 1937 und vermachte die Urheberrechte an Peter Pan einem Londoner Kinderkrankenhaus. Als diese Rechte 50 Jahre nach dem Tod des Autors ausliefen, verfasste das britische Parlament ein Sondergesetz, sodass die Lizenzgebühren für immer dem Kinderkrankenhaus zukommen. Ewigen Urheberschutz genießen in Großbritannien sonst nur noch ganz wenige Bücher und Kunstwerke.

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