Die Anfänge der Tabaksteuer waren Thema des Vortrages von Michael Nadler vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg. Der Heimatverein Aichach hatte den Referenten im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung "Starker Tobackh" eingeladen.
Aichach. Die Anfänge der Tabaksteuer waren Thema des Vortrages von Michael Nadler vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg. Der Heimatverein Aichach hatte den Referenten im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung "Starker Tobackh" des Stadtmuseums Aichach eingeladen. Der Historiker erzählte den Zuhörern von den Ergebnissen seiner Doktorarbeit zur Geschichte des Tabaks in Bayern seit dem 17. Jahrhundert. Er ging dabei auch auf Aspekte der heimatlichen Geschichte ausführlich ein. Der Tabakgenuss hatte sich von Amerika aus über Westeuropa während des Dreißigjährigen Krieges auch in Deutschland ausgebreitet. Da es jedoch noch keine Zigarren oder Zigaretten gab, wurde der Tabak in Pfeifen geraucht oder geschnupft.
Das Kurfürstentum Bayern reagierte wie die meisten deutschen Territorien auf das neue Genussmittel zunächst mit einem Verbot. Man fürchtete die Feuergefahr und wollte nicht, dass die Untertanen ihr Geld sinnlos verschwendeten. Als Beispiel nannte Nadler das in Aichach seit dem Jahr 1655 belegte Verbot des Tabakkonsums in den Wirtschaften.
Verbote zeigten wenig Wirkung
Da die Verbote im Kurfürstentum Bayern jedoch wenig Wirkung zeigten, wurde Tabak mit hohen Steuern belegt. Der Historiker hatte nachweisen können, dass 1729 die Steuerbelastung bei 80 Prozent des Einkaufspreises lag. Da bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts der Lech die bayerische Westgrenze bildete, lag das Aichacher Land am Rande Bayerns. Deshalb war gerade hier der Schmuggel von Tabak weit verbreitet. Billiger Tabak gelangte aus dem Ausland nach Bayern.
Um den Schwarzhandel zu bekämpfen waren in der Tabakniederlassung Schrobenhausen zehn Kontrolleure beschäftigt. Nadler hatte in den Akten des Bayerischen Hauptstaatsarchives einen Bericht über die Aichacher Tabakrevolte im Jahr 1729 entdeckt. Damals waren am Froschermairbräu am Stadtplatz die Tabakkontrolleure aus Schrobenhausen zunächst wüst beschimpft und dann von einer Menge von 70 bis 80 Personen auch verprügelt worden.
Kleine Manufakturen in der Region
Später wurde Tabak auch im Aichacher Raum angebaut. Nadler konnte im 17. Jahrhundert Tabakbauern in Walchshofen und Inchenhofen nachweisen. Die kleinen Tabakmanufakturen in Schrobenhausen, Rain und Friedberg, die den Tabak weiterverarbeiteten und vertrieben, unterlagen dem staatlichen Monopol.
Auch beim nächsten Vortrag des Heimatvereins am Dienstag, 5. Oktober, spielt der Lech als bayerische Westgrenze wieder eine bedeutende Rolle. Prof. Dr. Wolfgang Wüst von der Universität Erlangen spricht über die Diplomaten des bayerischen Kurfürsten in Augsburg. Er stellt die Berichte dieser Botschafter vor, die das Bild Augsburgs in München prägten.
Vortrag: Der nächste Vortrag des Heimatvereins ist am Dienstag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr im Reh's Restaurant.
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