Aichach hat dank seiner Unternehmen „quasi Vollbeschäftigung“. Dennoch gibt es Kritik: Trotz Vollzeitbeschäftigung kommen manche Familien nicht über die Runden.


In einer glücklichen Lage sieht Bürgermeister Klaus Habermann die Stadt Aichach in Bezug auf die breite Basis von Unternehmen und die geringe Arbeitslosenquote. Beim traditionellen Arbeitnehmerempfang im Vorfeld zum Tag der Arbeit am 1. Mai wies er im Sisi-Schloss darauf hin, dass der Feiertag mehr als nur Maibaumaufstellen und Maifeste bedeute. „Er sollte schon noch den ihm gebührenden Rang erhalten.“ Denn gerade die Arbeitnehmer hätten mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, dass Deutschland das ist, was es heute ist.
Habermann erinnerte daran, dass es ein jahrzehntelanger und harter Kampf war, all das zu erreichen, was heute als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. Wie zum Beispiel die soziale Absicherung im Krankheitsfall, eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 oder sogar weniger Stunden oder ein fixer Jahresurlaub.
Als völlig unakzeptablen Zustand bezeichnete er den Umstand, dass ein steigender Anteil von Arbeitnehmern trotz Vollzeitbeschäftigung mit ihrem Einkommen die Familie nicht mehr ernähren können und auf sogenannte Transferleistungen, also staatliche Hilfen, angewiesen sind. „Ein Zustand, der möglichst sofort abgestellt werden sollte.“ Soziale Unzufriedenheit sei die Keimzelle politischer und gesellschaftlicher Verwerfungen, mahnte der Bürgermeister. „Europäische Zukunft sieht anders aus“, meinte er mit Blick auf die aktuelle Situation in Griechenland.
„Obwohl sie heute Vollzeit arbeiten, droht vielen Altersarmut“, warnte er vor den Auswirkungen, die erst in einigen Jahren voll zum Tragen kommen werden. Unabsehbar seien dabei die Belastungen, die auf Bund und Land, speziell aber auch auf die Kommunen zukommen werden. „Allein der Blick auf die Zahlen für Sozialleistungen im Kreishaushalt, die Jahr für Jahr steigen, spricht Bände.“
Ausdrücklich begrüßte Habermann den jüngsten Tarifabschluss für Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst. Der werde die Stadt zwar Geld kosten, aber zumindest die Einbußen der vergangenen Jahre für die Mitarbeiter, die sich beim Einkommen an der unteren Skala bewegen, zu kompensieren versuchen.
Mit einer Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent habe man in Aichach selbst „quasi Vollbeschäftigung“, was Habermann auf eine breite Basis von Unternehmen aus dem gewerblichen und dem dienstleistenden Bereich zurückführte. Während der vergangenen vier Jahre stieg die Zahl der Beschäftigten von 6157 auf 6638 an. Eine Zunahme von 5,6 Prozent, die sich absolut sehen lassen könne. 3507 Frauen und 3131 Männer arbeiten derzeit in den Aichacher Betrieben. Sukzessive nimmt dabei der Anteil der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe weiter ab. Derzeit liegt er bei 40 Prozent. 60 Prozent entfallen auf den Dienstleistungsbereich.
Alles in allem ist der Bürgermeister zufrieden. Zumal große Arbeitgeber, wie Juzo (rund 500 Arbeitsplätze) oder die JVA (etwa 260 Arbeitsplätze) mit Millioneninvestitionen positive Signale setzen. „Aichach ist als Wohn-, Gewerbe- und Handelsstandort gefragt. Das dürfen wir bei aller Bescheidenheit schon mal konstatieren.“
Trotz der positiven Perspektiven gibt es noch viel zu tun: bei der Kinderbetreuung, dem schnellen Internet („Keine Pflichtaufgabe der Kommunen, aber elegant uns zugeschoben“) und der Energiewende. Herausforderungen, die auch finanziert werden wollen. „Wir Städte und Gemeinden dürfen an eine angemessene Finanzausstattung durch Bund und Land appellieren.“ Es könne keine Alternative sein, dass die Kommunen gezwungen seien, Steuern und Gebühren zu erhöhen.
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