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04. März 2010 19:35 Uhr

Fußball ist nicht das Wichtigste"

Aindling Am Sonntag soll es in der Bayernliga weitergehen. Dann steht beim TSV Aindling im Heimspiel gegen Schalding-Heining die Premiere des neuen Cheftrainers Helmut Leihe an. Im Interview mit den Aichacher Nachrichten erläutert der Lehrer seine Vorstellungen und erstaunt ein wenig mit dem Satz: "Fußball ist nicht das Wichtigste." Von Johann Eibl

Fußball ist nicht das Wichtigste"
Foto: ALFA

Herr Leihe, seit 1999 sind Sie für den TSV Aindling tätig. Einmal waren Sie schon fast weg ...

Leihe: Ja, das stimmt. Da wollte mich Herbertshofen verpflichten. Damals ging es die letzten drei Spiele mit Paula um den Klassenerhalt. Wir schafften es, dann war die Freundschaft mit Paula so groß, dass ich weitergemacht habe. Für mich war das positiv.

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Über Jahre hinweg immer der zweite Mann, da will man doch mal Cheftrainer werden ...

Leihe: Ich habe nie darauf spekuliert. Ich war mit meiner Position sehr zufrieden. Ich arbeite sehr gerne im Hintergrund, ich bin nicht der Öffentlichkeitsmensch. Gerne arbeite ich mit Menschen zusammen. Ich gehe gerne in die Schule und ich gehe gerne auf den Fußballplatz.

Wie waren nun die ersten Wochen als Cheftrainer des TSV Aindling mit der Mannschaft?

Leihe: Die waren sehr positiv. Die Mannschaft ist sehr willig. Sehr angenehm, mit denen zu trainieren. Wichtig ist, dass das gegenseitige Vertrauen da ist. Ich werde nicht jedem gefallen. Das kenne ich von der Schule her auch schon. Druck verspüre ich keinen, das ist altersbedingt.

Was kann man von der Mannschaft in den nächsten Wochen erwarten?

Leihe: Vorhersagen kann man das nie. Du kannst trainieren, wie du willst, das kann schiefgehen. Man kann auch weniger tun und die Mannschaft kann oben stehen. Mein Ziel ist ein Platz zwischen fünf und zehn.

Der Kader ist relativ klein, könnte das zu einem Manko werden?

Leihe: Er ist sehr klein. Wir haben 15 Bayernliga taugliche Spieler, das ist recht wenig. Die ersten zwölf, dreizehn Spieler sind gut - das ist klar. Aber das geht ganz schnell. Wenn zwei erkältet sind und zwei eine Zerrung haben, dann haben wir nur noch zehn Mann.

Ein wichtiges Thema wird für den Verein in den nächsten Monaten der Toto-Pokal sein.

Leihe: Das ist richtig. Den nehmen wir sehr ernst, weil es für uns eine zusätzliche Einnahmequelle ist. In Durach werden wir auf einen sehr kampfstarken Gegner treffen. Wir werden diese Mannschaft beobachten. Ein, zwei Runden wollen wir weiterkommen. Zweimal hat Aindling bereits den Einzug in die erste Hauptrunde geschafft, vielleicht gelingt uns das noch einmal. Aller guten Dinge sind drei.

Haben Sie eine bestimmte Fußballphilosophie?

Leihe: Ich gehöre zu den Trainern, die mit einer kontrollierten Offensive spielen. Ich glaube, dass die Spiele hinten gewonnen werden. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich hinten gespielt habe. Wenn die Null steht, dann hat man wenigstens einen Punkt. Das hängt auch vom Spielermaterial ab. Wir haben eine sehr gute Offensive. Wenn die Spieler gesund sind, dann werden wir offensiv spielen. Und dann habe ich noch eine Philosophie, die ich meinen Spielern gerne vermitteln möchte: dass Fußball nicht das Wichtigste ist.

In Ihrer Position verwundert diese Aussage.

Leihe: Fußball ist eine Episode, aber es hat wichtigere Entscheidungen in meinem Leben gegeben. Meine Arbeit im Fußball mache ich konsequent. In den letzten Wochen hatten wir nur wenige Tage ohne Training. Von Paula habe ich gelernt: Wer mehr trainiert, hat mehr Erfolg.

Heißt das, dass vier Einheiten die Woche normal sein werden?

Leihe: Wenn wir am Sonntag spielen, trainieren wir viermal, bei Spielen am Samstag nicht. Aber bei den Spielen unter der Woche wird das anders aussehen.

Gibt es für Sie schon Pläne für die Saison 2010/11?

Leihe: Momentan keine. Der Vorstand bespricht, wie es weitergeht, was man sich leisten kann und was nicht. Dann wird man mit uns reden. Die Diskussion haben wir jedes Jahr. Bringen wir den Etat zusammen, mit welcher Mannschaft treten wir an?

Seit Januar heißt Ihr Co-Trainer Klaus Wünsch.

Leihe: Den kenne ich, seit er zwölf Jahre ist, den habe ich als Torwart trainiert. Ich musste das einmal die Woche machen bei der TSG Augsburg, er war damals in der B-Jugend. Das ist mehr als eine sportliche Verbindung, eher freundschaftlich. Ich bin absolut beeindruckt und begeistert von meinem Co-Trainer, der täglich mit mir telefoniert. Er hat am Sonntag Rosenheim angeschaut und stand drei Stunden im Stau. Er ist absolut zuverlässig. Zu zwei Dritteln wird er die Gegner beobachten.

Die Zuschauerzahlen beim TSV Aindling bewegen sich nach unten ...

Leihe: Es kommen im Fernsehen jeden Tag Spiele. Die sehen sich die Leute lieber an als Bayernliga, was in Aindling schon Alltag ist. Die sind sich gar nicht bewusst, dass sie uns fehlen, von der Stimmung her und auch vom Geld. Ob man das Rad zurückdrehen kann, bezweifle ich. Da müssten wir schon in der 3. Liga spielen. Aber dann würden auch nicht viel mehr kommen. Guten Fußball sehe ich auch in Affing oder Rain, Aichach versucht, dahin zu kommen. Da nimmt man sich die Fans weg.

Haben Sie noch Bedenken, dass dem TSV Aindling der Erhalt der Bayernliga misslingen könnte?

Leihe: Im Fußball ist nichts unmöglich. Ich denke, wir brauchen 43, 44 Punkte.

Mit Maximilian Mies haben Sie einen wichtigen Spieler verloren, kommt er im Sommer zurück?

Leihe: Es tut uns menschlich und fußballerisch leid, dass er nicht mehr da ist. Wenn er wieder kommen würde, würde ich ihn mit offenen Armen empfangen.

Wer spielt auf seiner Position vor der Abwehr?

Leihe: Wer sie gerade sehr gut spielt, ist der Michael Zerle, der sich mit seiner Kopfballstärke durchsetzen kann. Ihm werden wir Sebastian Fischer an die Seite stellen, der das Spiel gestaltet. In der Hinterhand haben wir den Qemajl Beqiri. Sehr gut gemacht hat sich in letzter Zeit auch Qendrim Beqiri. Mit seiner Entwicklung bin ich wirklich sehr zufrieden.

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