Samstag, 23. September 2017

09. Mai 2016 12:22 Uhr

Allein nur Lippenlesen hilft nicht weiter

Porträt Gundi Kurzmann-Schiller aus Gersthofen engagiert sich ehrenamtlich. Trotz vieler Hürden gab die Schwerhörige nie auf Von Susanne Kirner

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Gersthofen Sie hilft Schwerhörigen, berät und gibt Mut: Gundi Kurzmann-Schiller aus Gersthofen arbeitet seit zwölf Jahren aktiv in der Selbsthilfegruppe der Schwerhörigen Augsburg und ist seit zehn Jahren stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands Bayern der Schwerhörigen. Genug hat sie noch lange nicht, denn sie weiß, wovon sie spricht und will ihre Erfahrungen mit den Betroffenen teilen.

Geboren in Frankfurt am Main blieb ihre eigene Schwerhörigkeit aufgrund eines Sauerstoffmangels während der Geburt lange unentdeckt. Erst bei der Entlassung aus der Schule mit 15 Jahren wurde im Zuge einer Tauglichkeitsprüfung für die bevorstehende Lehre festgestellt, dass der Teenager gewisse Töne nicht hören kann.

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Dass es sich bei den fehlenden Tönen um Konsonanten handelt, macht die Sache doch sehr kompliziert. Denn nur der Blick auf die Lippen ermöglichte es ihr, den Gesprächspartner zu verstehen. „Als Kind habe ich schnell gelernt, aufzupassen“, erklärt Gundi Kurzmann-Schiller. Danach arrangierte sie sich mit der Schwerhörigkeit, machte aufgrund des plötzlichen Todes ihres Vaters, der zusammen mit ihrer Mutter eine Gaststätte führte, eine Ausbildung zur Köchin, ging später im Zuge eines Praktikums in den Schwarzwald und in die französische Schweiz und lernte schließlich in England ihren Ehemann kennen.

Nach zehn Jahren Selbstständigkeit mit einem eigenen Hotel in Heidenheim verschlug es das Paar zusammen mit ihren beiden Kindern Marcel und Alexandra vor nunmehr 25 Jahren nach Gersthofen. Da die Arbeit im Hotel aufgrund der zunehmenden Schwerhörigkeit schließlich nicht mehr möglich war, machte Gundi Kurzmann-Schiller im Alter von 45 Jahren noch eine Ausbildung zur diplomierten Altenpflegerin, arbeitete weitere zehn Jahre in diesem für sie schönen, aber doch knochenharten Beruf und musste schließlich wegen eines Bandscheibenvorfalls im Jahr 2003 in Frührente gehen.

Danach machte sie es sich zur Aufgabe, aktiv im Team der Selbsthilfegruppe der Schwerhörigen Augsburg mitzuarbeiten, Veranstaltungen zu organisieren und Gruppentreffen zu leiten. Dass sie sich in dieser Gruppe bis heute ehrenamtlich engagiert, ist wohl ihrem bewegendsten Erlebnis zu verdanken, denn durch Zufall nahm sie an einer Veranstaltung der Selbsthilfegruppe teil und konnte mithilfe einer „induktiven Höranlage“ endlich wieder alles Gesprochene klar und deutlich verstehen. „Das war für mich einer der ergreifendsten Momente in meinem Leben.“ Bis zu diesem Tage kannte sie diese fortschrittliche Technik noch nicht, bei der eine T-Spule im Hörgerät zusammen mit einer meist unsichtbar verlegten Induktionsleitung in einem Raum die Töne direkt ins Ohr überträgt und somit die Teilnahme der Betroffenen am sozialen Leben um einiges verbessert. Seitdem kann sie wieder an Gottesdiensten oder Theatervorführungen teilnehmen, was mit den ihr altbekannten Hörgeräten nicht möglich war.

Erfahrungen und Kenntnisse will sie weitergeben

Das dafür notwendige technische Wissen hat sich die 69-Jährige selbst beigebracht und weiß daher nur allzu gut, dass es sehr viel Mut braucht, sich damit auseinanderzusetzen. Trotzdem hat sie es geschafft, ist mit ihrem Hörgerät, ihrem SoundGate – einer kabellosen Verbindung von Hör- und Audiogeräten wie Telefon und Fernseher – und ihrem Smartphone auf dem aktuellsten Stand der Technik und möchte diese positiven Erfahrungen und Kenntnisse an alle Betroffenen weitergeben.

„Denn zu vereinsamen ist wirklich schlimm, und das passiert meist, wenn sich Schwerhörige aufgrund ihrer Krankheit zurückziehen“, bringt sie es auf den Punkt. Deshalb möchte sie das Selbstbewusstsein ihrer Leidensgenossen und Senioren im Allgemeinen stärken. Ein Grund dafür, dass sie vor etwa sieben Jahren die „Bleib-Fit-Gruppe“ der katholischen St.-Jakobus-Kirche gegründet hat und diese ebenfalls ehrenamtlich leitet.

Alle zwei Wochen treffen sich dabei Senioren im Alter von 68 bis 95 Jahren, um sich geistig fit zu halten. „Ganzheitliches Gedächtnistraining“ lautet das Konzept, bei dem in eineinhalb Stunden Geschichten vorgelesen, Wort- und Bewegungsspiele gemacht und Hausaufgaben besprochen werden.

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