Dienstag, 26. September 2017

26. Oktober 2015 17:18 Uhr

Landkreis Augsburg

Bayerns modernstes Gefängnis steht jetzt in Gablingen

Sie kostete über 100 Millionen Euro, bietet Platz für 609 Häftlinge und gilt als Modellprojekt: Nun wurde die Justizvollzugsanstalt Gablingen eröffnet. Sie wird dringend benötigt.

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Auf einer Fläche von 7 ha bietet der 100 Millionen Euro Neubau Platz für rund 600 Häftlinge.

Seit Montag darf sich Schwaben mit einem inoffiziellen Titel schmücken: Bayerns und wohl auch Deutschlands modernstes Gefängnis steht nun in Gablingen, wenige Kilometer nördlich von Augsburg. Nach viereinhalb Jahren Bauzeit wurde dort die neue Justizvollzugsanstalt eröffnet. Es ist das Ende einer langen Planungs- und Bauzeit: Vor 40 Jahren kamen die ersten Pläne auf, ein neues Gefängnis im Umkreis von Augsburg zu bauen. Das Warten scheint sich gelohnt zu haben: Im Inneren des sieben Hektar großen Geländes warten eine ganze Reihe von technischen Neuerungen.

So soll zum Beispiel ein Herzschlagscanner am Eingangsbereich das Innere eines Lasters untersuchen, damit kein blinder Passagier aus dem Gebäude heraus- oder hineinkommt. Während der Bauphase mussten sich die Arbeiter und Besucher mit einem Handvenen-Scanner identifizieren. Das Gerät stellt fest, wie die Venen unter der Hautoberfläche verlaufen, und gleicht das Muster mit einer Datenbank ab. Die Position der Venen bleibt zeitlebens unverändert und ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Zoraida Maldonado de Landauer, die Leiterin des Gefängnisses, sagt dazu: „Wir haben von jeder technischen Neuerung jeweils den aktuellen Stand der Technik verbaut.“

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Eine Neuerung, die in Gablingen zum ersten Mal in Bayern zum Tragen kommt, ist das Farbkonzept innerhalb der Anlage. Vier Gebäude in V-Form unterteilen das Gelände für die Häftlinge in sieben Innenhöfe. Jede darin befindliche Grünfläche wird von einer farbigen Tartanbahn umrahmt. Die Farbskala reicht von Gelb oder Grün bis hin zu Rot, Blau oder Pink und findet sich auch im Inneren des Gebäudes wieder – so auch in der Magistrale, die die einzelnen Bereiche verbindet. Den Hintergrund erläutert Zoraida Maldonado de Landauer: „Anhand der Farben können sich auch Häftlinge orientieren, die kein Deutsch sprechen.“ Auch die Größe der Anstalt ist ein Vorteil: Sollten sich innerhalb des Gefängnisses mafia-ähnliche Strukturen bilden, werden die Insassen einfach auf mehrere Gebäude verteilt.

Nur die Häftlinge fehlen noch

Das einzige, was jetzt noch fehlt, sind wie berichtet die Häftlinge selbst: Eigentlich hätte in den vergangenen beiden Wochen ein Testbetrieb stattfinden sollen. Wegen technischer Probleme musste dies aber verschoben werden, so dass die Feierstunde nun ohne Straftäter stattfand. In der kommenden Woche sollen nun aber die ersten 100 Häftlinge vom Augsburger Gefängnis in der Hochfeldstraße für den Probebetrieb umziehen. Anfang Dezember sollen die anderen 150 Insassen am zweiten Augsburger Standort in der Karmelitengasse nach Gablingen kommen. Auch aus anderen Gefängnissen in Bayern sollen Häftlinge in die neue JVA verlegt werden, insgesamt gibt es dort Platz für 609 Straftäter.

Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) machte deutlich: Sonderlich lang dürfte es nicht dauern, bis alle Plätze in Gablingen besetzt sind: „Wir haben derzeit einen großen personellen Druck.“ Das liege zum einen an der allgemein steigenden Bevölkerungszahl in Bayern. Anderseits würden auch die derzeitigen Flüchtlingsströme die Haftsituation indirekt verschärfen: „Vor allem die vielen inhaftierten Schleuser schlagen zu Buche“, so Bausback. Dass die Lage sich bald entspannen könnte – damit sei nicht zu rechnen.

Schon jetzt gibt es konkrete Pläne, das Gefängnis bald zu erweitern: Der offene Vollzug und der Jugendarrest sollen von Augsburg nach Gablingen verlegt werden, außerhalb der Gefängnismauern. Laut Bausback geht es nur noch darum, wann das passieren wird. Die Planungen dafür werden voraussichtlich nächstes Jahr starten. Laut einer Untersuchung des Staatlichen Bauamts müssten knapp zehn Millionen Euro investiert werden, um die Jugendarrestanstalt mit 45 Plätzen und ein Gebäude für den offenen Vollzug mit 34 Haftplätzen zu bauen. Geld, das wohl im nächsten Doppelhaushalt Bayerns 2017/18 bereit gestellt wird.

Den Titel des modernsten Gefängnisses in Bayern muss Gablingen bald abgeben: In Marktredwitz (Oberfranken) soll in zwei Jahren mit dem Bau einer neuen JVA begonnen werden.

Bereiche für die Öffentlichkeit

Auch wenn das Gefängnis in erster Linie für verurteilte Straftäter gebaut wurde, gibt es einige Bereiche in der Anlage, die auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Unternehmen In dem Gefängnis gibt es einige Firmen, in denen Straftäter arbeiten und eine Ausbildung machen können. Deren Leistungen können auch von Privatpersonen in Anspruch genommen werden. Unter anderem gibt es einen Friseursalon, eine Lagerhalle und eine Kfz-Werkstatt.

Sporthalle Die Turnhalle des Gefängnisses kann auch von Vereinen angemietet werden.

Arbeitsplätze Rund 250 Leute arbeiten in dem Gefängnis. Die JVA beschäftigt Verwaltungsangestellte und Polizisten, aber auch Ärzte und Seelsorger.

Tag der offenen Tür Am Wochenende des 21./22. November können Privatpersonen das Gefängnis besichtigen. Die JVA-Leitung wird dazu noch gesondert informieren und erwartet über 20000 Besucher.

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