Im Landkreis gibt es so viele Störche wie seit Langem nicht mehr. In manchen Orten wird der Platz sogar knapp - mit dramatischen Folgen. Von Florian Eisele


Am Ostersonntag traute Thomas Wurschy kaum seinen eigenen Augen. Wurschy, der in Dinkelscherben der Betreuer des Storchenhorstes ist, hat von seinem Treppenhaus einen direkten Blick auf den Storchenhorst. „Auf einmal habe ich gesehen, dass nicht zwei, sondern gleich drei Störche in dem Nest sind.“ Drei bedeutet in diesem Fall: einer zu viel. Dass die drei Tiere auch nicht lange zusammen in einem Nest sein würden, war klar. „Die zwei Weibchen sind sich gegenseitig so massiv an die Kehle gegangen – ich hätte nicht gedacht, dass es so gewalttätig sein könnte“, erinnert sich Wurschy an den etwa einstündigen Kampf.
Was für das Weibchen, das das Nest nach Kampfende verlassen musste, schlecht ausging, ist für den Storchenbestand in Augsburg ein gutes Zeichen: Der Platz wird knapp, fast alle Nistplätze sind mittlerweile von Störchen besetzt. Anton Burnhauser ist Storchenexperte und steht in Verbindung mit den einzelnen Stationen im Landkreis. Mit der Besiedelung könne mehr als zufrieden sein: „Wir haben im Landkreis Augsburg einen Bestand wie schon lange nicht mehr.“ Von zehn Brutorten im Landkreis sind bislang nur zwei noch unbesetzt. „Das ist auch ein Verdienst unserer Horstbetreuer“, freut sich Burnhauser.
Speziell in Dinkelscherben und in Fischach sei es laut Burnhauser ein Erfolg, dass die Nester von den Tieren angenommen wurden. Beide wurden erst im vergangenen Jahr von Störchen neu besiedelt. Gerade bei Storchenpaaren, die zum ersten Mal in einem Nest brüten, sei es immer eine Hängepartie, ob sie im darauf folgenden Jahr dort zurückkehren, sagt Burnhauser. Wenn sich ein Storchenpaar aber mal an einen Nistplatz gewöhnt hat, gilt es als sicher, dass zumindest einer der beiden im nächsten Jahr wieder dasselbe Nest ansteuert.
Ob die beiden Störche wieder gemeinsam eine Brut wagen, ist allerdings nicht sicher. „Meistens sind die Männchen etwas früher wieder im Nest“, sagt Burnhauser. Die warten dann entweder darauf, dass ihr Weibchen vom vorherigen Jahr kommt, und verteidigen das Nest gegen Konkurrentinnen – oder machen es so wie der Storch in Dinkelscherben und bieten fremden Storchendamen bereitwillig ihr Nest an. Sollte die Stammstörchin zurückkehren, wird über einen Kampf entschieden, wer im Nest bleiben darf.
Was folgt, sind eben jene Eifersuchtsszenen, wie sie sich in Dinkelscherben abgespielt haben. Das hiesige Storchenmännchen – und hier setzt ein entscheidender Unterschied zur Menschenwelt ein – ergriff während des Streites der Weibchen übrigens für keine der beiden Damen Partei und lebt seit Ostern wieder mit der Partnerin aus dem vergangenen Jahr zusammen. Laut Wurschy hatte der Vorfall keinen Einfluss auf das Zusammenleben der Tiere. Es wird erwartet, dass die Störchin demnächst mit dem Legen der Eier beginnt.
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