Nur durch Bewegungen bringen zwei Schüler ein Lämpchen zum Leuchten Von Janina Funk



Neusäß Wenn Marvin Klinger und Marvin Baumgartner von ihrem Universal-Freizeitgenerator erzählen, klingen die beiden Schüler eher wie Elektrotechnikstudenten und nicht wie Sechstklässler. Ihre Erfindung ist aber nicht nur kompliziert, sondern auch im Alltag zu gebrauchen. Wer in seiner Freizeit joggen geht, soll in Zukunft sein Handy oder seinen MP3-Player betreiben können – nur durch die Bewegungsenergie seines Körpers.
Ganz so weit sind die beiden Schüler des Justus-von-Liebig-Gymnasiums Neusäß aber noch nicht. „Für das Handy würde die Energie nur für ein sehr kurzes Gespräch ausreichen“, erklärt Marvin Klinger. Ein LED-Lämpchen kann durch die Bewegungsenergie aber bereits zum Leuchten gebracht werden. „Wenn unser Projekt hier bei Jugend forscht gut ankommt, wollen wir weiterforschen“, sagt Marvin Baumgartner.
In nur zwei Monaten haben die beiden Tüftler ihren Generator entwickelt. Eigentlich wollten sie mit einer Turbine, die über eine Regenrinne angetrieben wird, bei Jugend forscht antreten. Doch das Projekt war ihnen nicht energieeffizient genug. „Wir haben dann nach anderen Möglichkeiten gesucht, um Energie zu gewinnen“, sagt Marvin Klinger, der schon zum zweiten Mal bei Jugend forscht dabei ist. „In meinem Labor in der Waschküche meiner Mutter haben wir dann den Universal-Freizeitgenerator gebaut.“
Der Generator wird über eine Magnetspule betrieben, um die ein Kupferdraht gewickelt ist. Die Spule wird am Arm, Fuß oder am Walkingstock befestigt. Wird der Magnet bewegt, geraten auch die Elektronen in Bewegung. Dadurch entsteht Energie. In einem Kondensator wird der entstandene Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt, da dieser gespeichert werden kann. Auf diese Weise gelingt es den beiden Schülern, das LED-Lämpchen nicht nur während des Laufens leuchten zu lassen. „Zwölf Stunden lang hat das Lämpchen noch geleuchtet, nachdem wir es komplett aufgeladen haben“, erzählt Marvin Klinger.
Die einzelnen Elemente haben die beiden im Elektroladen gekauft. Bei der Auswahl der Teile hat Marvin Baumgartners Vater geholfen. Zusammengebaut haben sie das Gerät aber komplett ohne Hilfe. Zweimal pro Woche haben sie sich dafür nach der Schule getroffen. Als Arbeit haben sie das nicht empfunden. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, sagt Marvin Baumgartner.
Von kleinen Schwierigkeiten, wie einem kaputten Lastwiderstand und einem falsch gepolten Kondensator, haben sich die beiden nicht entmutigen lassen. Als der falsch gepolte Kondensator platzte, musste Marvin Klinger seiner Mutter allerdings versprechen, dass Marvin Baumgartners Vater von nun an die Schaltungen kontrolliert, bevor sie unter Strom gesetzt werden.
Beide Schüler sind Tüftler aus Leidenschaft. „Ich bin schon sehr lange von der Elektrik fasziniert“, sagt Marvin Klinger, der schon mit sieben Jahren im Besitz eines Elektrobaukastens für 14-Jährige war. „Letztes Jahr habe ich für meine Oma zum Geburtstag eine LED-Leselampe gebastelt“, erzählt er lächelnd. „Ich möchte später auch gerne Wissenschaftler werden.“ Marvin Baumgartner bastelt auch gerne – allerdings lieber an Autos als an elektrischen Geräten. In seiner Freizeit fährt der Elfjährige am liebsten Gokart.
Den beiden Schülern war es wichtig, etwas zu bauen, womit auf einfache Weise und umweltschonend Energie gewonnen werden kann. „Wir haben uns einfach überlegt, wo Energie entsteht und wie man diese speichern kann“, sagt Marvin Klinger. Und sogar über wirtschaftliche Fragen haben die beiden bereits nachgedacht. „Für Tüftler könnte man das Gerät auch als Bausatz verkaufen“. Erste Bestellungen von Verwandten gibt es schon.
Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: